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Fast so, als hätte es Corona nicht gegeben: Budapest putzt sich raus und wartet auf Fans.
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Fast so, als hätte es Corona nicht gegeben: Budapest putzt sich raus und wartet auf Fans.

Ungarn macht die Tore auf

EM 2021: Volle Hütte in Budapest

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Die ausverkaufte Puskas-Arena soll nicht nur der ungarischen Nationalelf gegen Titelverteidiger Portugal einen Schub verleihen, sondern dient auch politischen Zwecken.

Aufgereiht wie an der Perlenschnur stehen die weißen Zelte hinter hohen Gittern an der Dózsa György. Es wird der erste Anlaufpunkt für die Menschenmengen, die am Dienstagnachmittag von der Metrostation „Puskas Ferenc Stadion“ zum nach der ungarischen Fußball-Legende benannten Nationalstadion strömen. Bis zu 67 000 Fans werden erwartet, wenn Ungarn gegen Portugal die deutsche Gruppe F eröffnet (Dienstag 18 Uhr/ZDF). Die Zuschauer:innen müssen vor Betreten des riesigen Areals durch solch ein weißes Zelt: Wie das im detaillierten Ablauf mit Kontrolle von Eintrittskarten, Temperatur, digitalen Impfausweisen oder aktuellen Corona-Tests wirklich aussieht, wenn sich die Massen möglicherweise doch vor den Toren stauen, weiß niemand so genau.

Die Sektionen der monumentalen Arena, mit mehr als einer halben Milliarde Euro Baukosten sündhaft teuer, wie so oft bei solchen korruptionsanfälligen Projekten in der ungarischen Hauptstadt, sind in leuchtendem Rot gehalten, römische Ziffern weisen den Weg. „Isten hozott!/Welcome!“ steht drauf. Eigentlich gilt das überall bei dieser EM, aber keiner wagt sich beim Pilotprojekt der Zuschauerrückkehr in paneuropäisch-pandemischen Zeiten so weit vor wie die Donau-Kapitale, wo alle Ampeln für die Vollauslastung schon grün leuchteten, als wegen Corona noch Alarmstufe Rot herrschte.

Orban schließt Pakt

Natürlich steckt dahinter politisches Kalkül. Ministerpräsident Viktor Orban hat einen regelrechten Pakt mit dem organisierten Sport geschlossen. Seine Regierung finanzierte zahlreiche Bauten und Sanierungen von Stadien, Hallen und Sportschulen, die Mitglieder seiner Regierungspartei Fidesz sind in den Vorständen der großen Fußballklubs – und wie viel ihm die Zustimmung aus Fußball-Europa und speziell der Dachorganisation Uefa wert ist, war schon im Frühjahr zu erleben, als reihenweise Champions-League-Spiele nach Budapest verlegt wurden. Hier hat RB Leipzig beispielsweise beide Achtelfinals gegen den FC Liverpool bestritten. Damals noch vor leeren Schalensitzen.

Der Keeper des Bundesligisten freut sich nun auf das Kontrastprogramm der damaligen Geisterspiele. „Wir werden in Budapest über 65 000 Ungarn in unserem Rücken haben. Das gibt uns eine riesige Portion Extra-Motivation, einen emotionalen Push“, sagte Nationaltorhüter Peter Gulacsi. Der Ballfänger weiß genauso gut wie sein Vereinskollege Willi Orban, dass der Außenseiter die Rückendeckung von den Rängen dringend nötig hat. Doch dass ein gewisses Risiko mitspielt, obwohl die Inzidenz extrem niedrig und die Impfquote dank des Einsatzes fast aller weltweit verfügbaren Vakzine vergleichsweise hoch ist, kann auch niemand negieren. Argument der Behörden: Mehr als die Hälfte der 9,8 Millionen Ungarn sind vollständig geimpft.

Fanzone errichtet

Es sind indes nicht nur besorgte Virologen aus Deutschland, sondern auch Apartmentbesitzer aus Ungarn, die seit mehr als einem Jahr keine Touristen beherbergt haben, die den Widerspruch nicht ganz nachvollziehen können: Ihr Land hält immer noch an strikten Einreiseregeln fest. Ohne einen triftigen Grund zum Arbeiten und einem entsprechenden Einladungsschreiben kommt kein Ausländer rein. Wer allerdings für heute eine Eintrittskarte hat – und darunter sind erstaunlicherweise etliche Deutsche – kann sich immerhin 72 Stunden lang zwischen Heldenplatz und Magareteninsel aufhalten. Der Kurzbesuch reicht, um das besondere Flair mitsamt seiner Vorfreude zu spüren.

Ungarn ist ungeachtet aller berechtigter Kritik an rechtsnationalen Strömungen eben vielleicht ein Beispiel, wie sehr die Vergabe eines solchen Turniers in die europäischen Nischen das Selbstwertgefühl kleinerer Fußball-Nationen heben kann. Gleich im Schatten der Sankt-Stephans-Basilika ist auf den Rasenflächen, in denen sich im Sommer vor dem jüdischen Amüsierviertel die jungen Menschen sonnen, eine Fanzone entstanden, die ohne den überkommerzialisierten Charakter auskommt.

Das ungarische Bier kostet 700 Forint, umgerechnet zwei Euro. Sicherheitskräfte scheinen zwar jede Regung der Fußballinteressierten im Auge zu haben, aber als am Sonntagabend die ukrainische Aufholjagd laute Jubelschreie auslöste, hat niemand eingegriffen. Jeder weiß: Wenn so etwas der ungarischen Auswahl gegen Cristiano Ronaldo und Co. gelingt, hallen die Rufe vielleicht bis hoch auf den Budaer Bugberg.

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