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Nach dem Befreiungsschlag

EM 2021: Jogi Löw spart trotz Befreiungsschlag nicht mit Kritik an DFB-Elf

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Die deutsche Nationalmannschaft gewinnt beim 4:2 über Portugal bei der EM 2021 auch ihr Publikum zurück.

Samstagabend, 18.16 Uhr. Es gab zu diesem Zeitpunkt genug Zutaten für einen missglückten Abend. Gerade hatte Cristiano Ronaldo einen portugiesischen Überfall bei der EM 2021 zum 1:0 abgeschlossen. Ein Super-Gau im Anschluss an eine deutsche Ecke, naiv verteidigt wie eine Bubiknabentruppe. Zuvor war dem allgegenwärtigen Robin Gosens schon ein artistisch herausgeschossenes Tor aberkannt worden. Abseits. Es sind schon Fußballmannschaften an einer solchen Dramaturgie des Unglücks zugrunde gegangen.

Aber diesmal in München, trug es sich zu, dass das deutsche Nationalteam nur kurz bestürzt innehielt, ehe es so unzähmbar wie zuvor das Tempo wieder aufnahm. Und dann, erinnerte sich Thomas Müller, „kochte der Kessel“. Nicht nur vor Ort auf den Tribünen, nein, im ganzen Fußballland. Wildfremde Menschen lagen sich im Angesicht des triumphalen 4:2 (2:1)-Sieges ungeschützt in den Armen, da konnte die Stadionregie noch so ausgiebig auf Abstandsregeln und Maskenpflicht hinweisen.

EM 2021: DFB-Elf beweist beim Sieg gegen Portugal Moral

Joachim Löw ist es hinterher gelungen, einen geschäftsmäßigen Eindruck zu erwecken: „Tolle Moral in einer schwierigen Situation“, lobte der Bundestrainer routiniert. Eine Selbstverständlichkeit war das natürlich nicht gewesen mit dieser ja auch an sich selbst zweifelnden Mannschaft, die beim EM-Auftakt gegen Frankreich kaum mal in den gegnerischen Strafraum gelangt war. Und die obendrauf den Doppelrückschlag – aberkanntes Tor, Gegentreffer – verarbeiten musste. Nach einer Trinkpause hatten sie sich alle miteinander wieder als Kampfeinheit formiert.

Es wurden nach langen Jahren der Dürre und Unlust von Trainer und Team beim DFB mal wieder ein Schauspiel der Hingabe. „Wir haben die Chance genutzt, das alles mal wieder in einen positiven Bereich zu schieben“, sagte Matthias Ginter hinterher, „das ist uns ganz gut gelungen.“ Das ist sogar sehr gut gelungen, das war auch dringend mal wieder nötig. Sie marschierten wie verrückt, warfen sich in Flanken und Pässe, humpelten angeschlagen vom Feld oder lagen, von Krämpfen gepeinigt, wie Käfer auf dem Rücken.

EM 2021: Alle Startspieler Deutschlands mit sehr guter Leistung gegen Portugal

Es gab keinen deutschen Startelfspieler, der hinterher nicht mit Recht von sich behaupten konnte, seine Sache gut gemacht zu haben. Zentral gesteuert von Toni Kroos, emotional unentwegt angeschoben von Antonio Rüdiger, Joshua Kimmich, Thomas Müller und Robin Gosens trieb sich das Team zu einer beachtlichen Leistung. Widerstände wurden kollektiv überwunden, der wiederholte Hochmut von Ronaldo, wiewohl technisch brillant, wurde, orchestriert von Joachim Löw, in eigene Energie überführt. An diesem Abend konnte niemand hinterher behaupten, der Bundestrainer habe sein Hemd einen Knopf zu weit offen getragen. Wer gewinnt, hat Recht.

Hat vieles richtig gemacht: Joachim Löw.

„Wir haben die Dynamik gut aufrecht erhalten und die Portugiesen immer wieder überfordert in der Defensive“, lobte Löw, „immer über Außen, das war der Plan.“ Den Spielverlagerungen von rechts nach links und andersherum hatte der Gegner taktisch nichts entgegenzusetzen. „Meine Verantwortung“, wiederholte der portugiesische Trainer Fernando Santos bestimmt ein halbes Dutzend Mal.

Joachim Löw: Sieg bei der EM 2021 mehr als nur ein gewonnenes Spiel

Für den geschätzten Kollegen Joachim Löw war es mehr als bloß ein gewonnenes Spiel, auch wenn dieser sich in seiner Analyse aufs Fachliche beschränkte. „Wir haben die richtigen Räume bespielt, wir wollten den Portugiesen zeigen, dass wir nicht gewillt sind, das Spiel abzugeben.“ Er habe nie gezweifelt, dass genau das ein realistisches Szenario sein würde. Was sollte er auch anderes sagen?

Der Bundestrainer und die Spieler wiesen schließlich auch auf die offenkundigen Defizite bei der EM 2021 hin. Gerade in der Bewegung nach hinten fanden sich Anknüpfungspunkte für Selbstkritik. Da wurden bisweilen Räume fahrlässig groß gelassen, Rüdiger und besonders der in Hochform befindliche Ginter retteten ein paarmal unter Überbietung letzter Kräfte, und wer weiß: Hätte der vormalige Bayern-Profi Renato Sanchez in der 79. Minute nicht den Pfosten, sondern ins Tor getroffen – es wäre wohl noch mal eine Zitterpartie geworden.

Löw vergaß nicht, in der gebotenen Nüchternheit eines lizenzierten Fußballlehrers nach vorn zu blicken, auf das Spiel gegen Ungarn am Mittwochabend: „Die sind nicht ungefährlich. Da müssen wir nachlegen.“ Deutschland kann noch immer ausscheiden aus dieser Europameisterschaft. Aber die Stimmung in Land und Team ist eine andere als noch vor drei Jahren in Russland. Das spüren sie alle miteinander. Und dafür haben sie gegen Portugal eine Menge getan. (Jan-Christian Müller)

Rubriklistenbild: © dpa

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