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Der belgische Nationalspieler Romelu Lukaku hat einen steinigen Weg hinter sich.
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Der belgische Nationalspieler Romelu Lukaku, hier beim EM-Spiel Dänemark gegen Belgien, hat einen steinigen Weg hinter sich.

Porträt

Belgischer Nationalspieler Romelu Lukaku: Kraftpaket mit heißem Herzen

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Ganz Belgien baut bei der Europameisterschaft auf den Torschützen Romelu Lukaku. Und der Fußballprofi liefert – trotz schmerzhafter Bedingungen. Ein Porträt.

Frankfurt – Als das sehr emotionale Spiel im Parken in Kopenhagen dann abgepfiffen war, hat der belgische Stürmer Romelu Lukaku den dänischen Trainer Kasper Hjuland ganz feste in den Arm genommen. Das war keine der üblichen Umarmungen unter Sportlern nach Spielschluss, da war viel Zuneigung, ja auch Liebe dabei, Vertrauen.

Beinahe sah es so aus, als erdrücke da der große, kräftige Mann in Stollenschuhen den eher zarten Trainer im weißen Hemd. Es war eine Geste, die viel verrät über den Zusammenhalt zwischen Menschen in Extremsituationen. „Wir sind alle eine Fußballerfamilie“, sollte der Coach hinterher sagen, „der Fußball verbindet“. Lukaku hatte Hjulmand mit dieser Geste ausdrücklich für seinen Umgang im Zusammenhang mit dem Nahtod von Christian Eriksen danken wollen, der Coach hatte bei seinen Statements stets die richtigen empathischen Worte gefunden.

EM-Spieler Romelu Lukaku und Christian Eriksen verbindet eine tiefe Freundschaft

Das Verhältnis zwischen Lukaku und Eriksen, die beide bei Inter Mailand spielen, ist mehr als herzlich. „Mit Christian habe ich mehr Zeit verbracht als mit meiner Familie“, hatte der bullige Angreifer dieser Tage gesagt. Unvergessen auch sein Torjubel nach dem 1:0 im ersten Spiel der EM 2021 gegen Russland, „stay strong. Christian I love you“, hatte Lukaku in die Kameras geschrieben. Und diese Sensibilität kontrastiert eigentlich mit der enormen Körperlichkeit des 1,91 Mannes, Typ harte Schale, weicher Kern. Aber warum sollen harte Männer nicht auch Gefühle zeigen?

Der Kollaps von Eriksen hat Lukaku schwer mitgenommen. Es hat den Angreifer aber nicht daran gehindert, im jüngsten Spiel gegen Dänemark in seiner schon typischen Art den Siegtreffer von Kevin de Bruyne vorzubereiten. Gleich gegen zwei, drei Abwehrspieler setzte sich der Rammbock durch, er schüttelte sie aber wie lästige Fliegen, hielt den Ball in den eigenen Reihen. Kurz darauf war die Partie gedreht, Belgien im Achtelfinale.

EM-Spieler Romelu Lukaku – Rekordtorschütze der belgischen Nationalmannschaft

Auf Romelu Lukaku, diesen außergewöhnlichen Angreifer, der so ungemein schwer vom Ball zu trennen ist, wenn er ihn hat und lossprintet, der nicht zu stoppen scheint dank seiner bemerkenswerten Physis, auf Romelu Lukaku also gründet sich vornehmlich die Hoffnungen der Belgier auf ein erfolgreiches Turnier. Seit Jahren gilt das kleine Nachbarland als einer der Favoriten, nie hat es geklappt, und dieses Mal sollte die letzte Gelegenheit zum Coup sein. Wenn nicht jetzt, dann nie.

Die golden genannte Generation ist in die Jahre gekommen, Dries Mertens ist 34, Jan Vertonghen 34, Kevin de Bruyne, 30, der Unterschiedsspieler, fiel anfangs wegen einer Gesichtsfraktur aus, keiner wusste, in welcher Verfassung er ins Turnier würde eingreifen können. Dazu hatte Axel Witsel, 32, das Metronom im Mittelfeld, wegen eines Achillessehnenrisses monatelang pausieren müssen. Eden Hazard, 30, steckt seit seinem Wechsel zu Real Madrid in einer veritablen Schaffenskrise.

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Unbändiger Wille in der Europameisterschaft 2021: Lukaku erzielt zwei Tore gegen Russland

Nur der 28 Jahre alte Lukaku war in Bestform, er hatte die italienische Meisterschaft gewonnen, nach neun Jahren der Vorherrschaft von Juventus Turin. Und Lukaku, der Eisbrecher, hatte geliefert. Und liefert auch bei dieser EM, im ersten Spiel gegen Russland (3:0) erzielte er zwei Tore, das zweite auf seine ganz spezielle Art, mit viel Körpereinsatz und unbändigem Willen. Es waren seine Treffer 61 und 62 in 95 Länderspielen, beachtlich.

Er ist einen weiten Weg gegangen, einen steinigen. In Wintam, zwischen Brüssel und Antwerpen, geboren, hat er keine so schöne Kindheit erlebt. Die Familie, aus dem Kongo stammend, der ehemaligen belgischen Kolonie, lebte in eher ärmlichen Verhältnissen, sie mussten sich strecken, Vater Roger verdiente als Profi beim KV Mechelen nicht genug. Romelu und sein Bruder Jordan, inzwischen auch Profi, erlebten Armut, sahen, wie die Mutter Milch mit Wasser streckte, damit es für alle reichte. Zuweilen wurde im Hause Lukaku der Strom abgestellt, weil fällige Rechnungen nicht bezahlt werden konnten.

Profifußballer Romelu Lukaku – Mit 16 Jahren gab er seiner Mutter ein besonderes Versprechen

Aber Romelu konnte Fußball spielen, auch in den alten Tretern des Vaters. Mit 15 Jahre bot er seinem Jugendtrainer beim RSC Anderlecht eine Wette an: Wenn er häufiger zum Einsatz kommen würde, würde er bis Dezember 25 Tore schießen. Er schaffte es locker. Mit 16 versprach er seiner Mutter, Profifußballer zu werden, damals schon beim RSC in der B-Jugend am Ball. Auch dieses Versprechen hielt er.

Es war dennoch eine harte Zeit, eine Zeit, die ihn geprägt hat, er erlebte rassistische Beleidigungen, spürte die Ablehnung vieler, obwohl er gut Fußball spielte. Damals, so sagen Wegbegleiter, steckte viel Wut im jungen Romelu, er trainierte sich einen aggressiven Spielstil an, setzte sein Kapital, seine Physis, ein. Er habe, sagte er einmal in einem Interview, als Jugendlicher oft mit Wut im Bauch gespielt, und so feste gegen den Ball getreten, als wolle er ihn kaputttreten.

Romelu Lukaku und der Profifußball: Chelsea, FC Everton, Manchester United und Inter Mailand

Mit 18 ging er nach London, zu Chelsea, kam da aber noch nicht zurecht. Der Wechsel erfolgte zu früh, Erst beim FC Everton (2013 bis 2017) entwickelte er seine Fähigkeiten, in 141 Spiele erzielte er 66 Tore. Alle sahen, welch außergewöhnliche Tormaschine auf dem Rasen stand. 85 Millionen Euro ließ sich Manchester United die Dienste des Bullen kosten, seit 2019 spielt er, dessen Marktwert mittlerweile bei 100 Millionen Euro liegt, für Inter Mailand, in 95 Pflichtspielen schaffte er 64 Tore und eben die Scudetto.

2010 trug er erstmals das belgische Nationaltrikot, inzwischen ist das Powerpaket mit dem sanften Gemüt längst Rekordtorschütze. Und ein par Mal hat er sogar mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder in der Nationalelf gespielt, der bei Royal Antwerpen verteidigt. Einmal, im März 2016 war das, im Spiel gegen Portugal, hat Jordan seinem Bruder Romelu gar ein Tor aufgelegt. Belgien verlor trotzdem 1:2. (Thomas Kilchenstein)

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