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Spannungen zwischen Deutschland und Ungarn

EM 2021: Allianz-Arena nicht in Regenbogen-Farben – Münchner OB Reiter kritisiert „beschämende“ Uefa-Entscheidung

  • Lukas Rogalla
    VonLukas Rogalla
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  • Frank Hellmann
    Frank Hellmann
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Die Uefa stellt sich gegen Pläne, die Allianz Arena zur EM 2021 in Regenbogen-Farben leuchten zu lassen. Bei der Stadt sorgt die Entscheidung für Kopfschütteln.

Update, 14.58 Uhr: Dieter Reiter, Oberbürgermeister von München, hat sich bei einer Pressekonferenz am Dienstag zum „beschämenden“ Verbot der Uefa geäußert, die Allianz Arena beim EM-Spiel gegen Ungarn als Zeichen für „Weltoffenheit, Toleranz, Respekt und Solidarität mit den vielen Menschen der LGBTIQ-Community“ in Regenbogen-Farben leuchten zu lassen. Dabei gehe es nicht um Politik, wie er betonte. Reiter kritisierte das Verbot und auch den DFB, die Haltung des europäischen Verbandes zu verteidigen. Den Gegenvorschlag, die Arena an einem anderen Tag in Regenbogen-Farben zu beleuchten, verstehe er nicht und bezeichnete er als „lächerlich“.

Stattdessen sollen nun das Windrad in Nähe des Stadions sowie der Olympiaturm bunt strahlen, um ein „deutliches Signal nach Ungarn und in die Welt zu senden“. Auch das Rathaus soll beflaggt werden. Von der Uefa-Entscheidung lasse man sich nicht beeindrucken. Man werde auch weiterhin für sexuelle Selbstbestimmung eintreten, so Reiter. Er glaube nicht, dass sich die Uefa als „moderner und toleranter Verband“ präsentiere und sei „sehr enttäuscht“.

Ungarns Außenminister Peter Szijjarto sagte, dass die Uefa „die richtige Entscheidung getroffen“ habe. „Man hat entschieden, sich nicht für eine politischen Provokation gegenüber Ungarn einspannen zu lassen“, hieß es am Rande eines EU-Ministertreffens in Luxemburg vor ungarischen Journalisten.

EM 2021: Uefa verbietet Beleuchtung der Allianz Arena in Regenbogen-Farben

Update, 10.20 Uhr: Nun ist es also offiziell. Die Uefa verbietet der Stadt München, die Allianz Arena zur EM 2021 in Regenbogen-Farben leuchten zu lassen. „Die Uefa ist gemäß ihrer Satzung eine politisch und religiös neutrale Organisation. Angesichts des politischen Kontextes dieses speziellen Antrags – eine Botschaft, die auf eine Entscheidung des ungarischen nationalen Parlaments abzielt – muss die Uefa diesen Antrag ablehnen“, so der Fußballverband in einem Statement.

Die Pläne der Stadt für das letzte Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Ungarn sind damit wohl endgültig vom Tisch.

Allianz-Arena in Regenbogen-Farben: Uefa will nicht - DFB verteidigt den Entschluss

Update vom 22. Juni 2021, 09.10 Uhr: Die Pläne für mehr Sichtbarkeit sind wohl gescheitert. Die Allianz Arena wird während der EM 2021 wohl nicht in Regenbogen-Farben leuchten. Die Uefa hat dem Vorhaben der Stadt München eine Absage erteilt. Die Begründung des europäischen Fußballverbands: die elf Stadien der Europameisterschaft dürfen nur in den Farben der teilnehmenden Nationalverbände sowie der Uefa leuchten.

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hatte einen Brief an die Uefa gesandt mit der Bitte, das Stadion beim EM-Spiel zwischen Deutschland und Ungarn in den Farben der Regenbogenfahne leuchten zu lassen. Die Absage der Uefa verteidigte in der Bild-Zeitung auch DFB-Pressesprecher Jens Grittner: „Die Uefa gibt ein einheitliches Stadiondesign vor. Und es gibt gute Gründe, dieses einheitliche Stadiondesign auch zu leben.“

EM 2021: Ein Protest, der bis nach Budapest leuchtet

Erstmeldung: Budapest - Ein ganzes Stück weg von Budapest, vorbei an sanften Hügeln, kurvigen Straßen und verträumten Dörfern, im kleinen Ort Telki, liegen Trainings- und Medienzentrum der ungarischen Fußball-Nationalmannschaft. Es ist die grüne Wohlfühloase vor der Großstadt, aus der die Ungarn am Dienstag nach München aufbrechen, um ihr drittes Gruppenspiel bei der EM 2021 gegen das DFB-Team (Mittwoch, 21 Uhr) zu bestreiten. Der Rahmen wird eine gänzlich anderer sein als in der vollbesetzten Puskas-Arena: München erlaubt nur 14.000 Fans – in Budapest waren es zuletzt 55.998. Doch überwölbt wird diese entscheidende Partie in Pandemie-Zeiten noch von einer ganz anderen Frage: Welche Signale nämlich über den Fußball ausgesendet werden sollen, und da hat sich Deutschland klar positioniert.

So könnte sie leuchten, die Münchner Arena. Es wäre ein wichtiges Signal.

Man möchte schon vorher Flagge zeigen und die Arena in Fröttmaning in den Regenbogenfarben strahlen lassen. Den entsprechenden Brief hat Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) an die Europäische Fußball-Union (Uefa) gesandt, nachdem sich die Fraktionen im Stadtrat für dieses Symbol für Diversität aussprachen. Auch die Bundesregierung macht sich stark. Die Regenbogenfahne stehe „dafür, wie wir leben wollen – mit Respekt füreinander“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag, ohne die Diskriminierung, der Homosexuelle und andere Minderheiten lange ausgesetzt seien.

EM 2021: Protest gegen Anti-LGTB-Gesetz

Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) begrüßt die Aktion, die ein Protest gegen ein umstrittenes Gesetz sein soll, das das ungarische Parlament passiert hat: Darin wird die Zugänglichkeit von Informationen über Homosexualität und Transgeschlechtlichkeit erschwert; Aufklärungsprogramme an Schulen, die für einen respektvollen Umgang mit LGBT-Menschen, also für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender, werden untersagt. Lesben und Homosexuelle können sich zwar über die Online-Portale austauschen, aber ihre Gesinnung in der Öffentlichkeit zeigen sie selten.

Gerade am Wochenende auf der Margareteninsel der ungarischen Kapitale war auffällig, wie viele junge Paare das klassische Rollenbild zur Schau stellen. Die Uefa muss nun entscheiden, ob sie dem Antrag aus München zustimmt, der bis nach Budapest leuchten soll. Für viele Maygaren hat das etwas von erhobenem Zeigefinger.

Das Bekenntnis für Vielfalt spielt unweigerlich mit, nachdem der deutsche Kapitän Manuel Neuer gegen Portugal erneut die Regenbogenbinde trug. „Als Zeichen und klares Bekenntnis der gesamten Mannschaft für Diversität, Offenheit, Toleranz und gegen Hass und Ausgrenzung. Die Botschaft lautet: Wir sind bunt!“, hieß es von Seiten des DFB. Spieler wie Leon Goretzka stehen voll dahinter.

EM 2021: Uefa sorgt für Empörung

Die Uefa sorgte am Sonntag für Empörung, als sie vom DFB eine Stellungnahme erbat, warum Keeper Neuer bisher mit einer Regenbogen-Binde angetreten sei. „Come on, Uefa, das kann doch nicht euer Ernst sein?“, twitterte Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger. Der DFB sagt, es sei keine Ermittlung, sondern eine Überprüfung gewesen, warum Neuer nicht die offizielle von der Uefa übergebene Binde aus den Ausrüstungsbestimmungen des Turniers getragen habe. „Dem haben wir uns widersetzt“, so DFB-Sprecher Jens Grittner. Er stellt klar: Es habe keine Anzeige eines anderen Verbands vorgelegen (also auch nicht des ungarischen), der Match-Delegierte der Uefa habe in seinem Bericht vermerkt, dass die Binde aus dem Rahmen gefallen sei.

Dem DFB war sehr daran gelegen, sich nicht zu sehr in die Gegensätze mit den Ungarn zu vertiefen. „Man sollte sich nicht in den 23. Juni verbeißen“, sagte Grittner und nannte alternative Daten, um die Pride-Bewegung zu unterstützen: etwa die „Pride Week“ vom 3. bis 11. Juli in München.

EM 2021: Fußball spielt im Machtkalkül Orbans eine nicht zu unterschätzende Rolle

Klar ist, dass der Gegner nicht mitmachen wird. Der ungarische Kapitän Adam Szalai wird gewiss keine Regenbogenfarben am Arm tragen. Auch mit anderer Symbolik hat seine Auswahl nichts am Hut, die auch nicht für die Black-Lives-Matter-Bewegung niederkniet. Das untersagt Ministerpräsident Viktor Orban. „Ein Ungar kniet in drei Fällen nieder: Vor Gott, vor seinem Land und wenn er um die Hand seiner Geliebten anhält. In allen anderen Fällen ist es kulturell fremd für uns“, stellte der rechtsnationale Politiker kürzlich heraus: „Wir erwarten von unserer Nationalmannschaft nicht, dass sie sich niederkniet. Wir erwarten das Gegenteil, dass sie gewinnt, dass sie kämpft, und wenn sie scheitert, dann stehend stirbt.“

Fußball spielt im Machtkalkül Orbans eine nicht zu unterschätzende Rolle. Das stimmungsvolle Nationalstadion lieferte dem ungarischen Regierungschef gegen Portugal (0:3) und Frankreich (1:1) Bilder, die gleichzeitig die deutsche Bundeskanzlerin verstörten. „Wenn ich vollkommen besetzte Stadien sehe in anderen Ländern Europas, dann bin ich ein bisschen skeptisch, ob das jetzt schon die richtige Antwort auf die augenblickliche Situation ist“, sagte Merkel mit einem unverhohlenen Seitenhieb in Richtung Orban, mit dem sie ja ohnehin auf ganz anderen Gebieten entzweit ist.

Die ungarische Regierung hat nicht nur den EM-Palast, sondern auch zahlreiche andere Stadien, Spielstätten, Hallen und Sportschulen großzügig finanziert. Mit Ferencváros Budapest ist Orbans Partei Fidesz eng verflochten.

EM 2021: Ungarische Spieler weichen allen Fragen aus

Eine zwielichtige Rolle spielt in diesem Konglomerat die mit rechtextremen Tendenzen aufgefallene Fangruppierung „Carpathian Brigade“, die sich jeweils in schwarzen T-Shirts hinter dem Tor zusammenrottete. Die Ultragruppierungen, die bei der Nationalmannschaft „gemeinsam für Ungarn“ einstehen und den Ton vorgeben, sollen für die rassistischen Schmähungen der französischen Stars Kylian Mbappé und Karim Benzema verantwortlich gewesen sein. Die Uefa hat offizielle Ermittlungen aufgenommen.

Dass die ungarischen Nationalspieler vor genau jenem Block nach Spielschluss noch einmal zum Gesang antraten, ist zumindest kritisch zu hinterfragen. Auffällig ist, dass die in der Bundesliga beschäftigten Stammspieler – Torhüter Peter Gulacsi, Abwehrspieler Willi Orban (beide RB Leipzig), Roland Sallai (SC Freiburg) und Kapitän Adam Szalai (FSV Mainz 05) – allen sportpolitischen Fragen ausweichen. Ihr Motto: bloß keine Angriffsfläche bieten. Willi Orban wollte von den Debatten nicht viel mitbekommen haben, sagte aber am Montag auf der Pressekonferenz in Telki: „Ich kenne das Stadion nur, wie es blau leuchtet aus der zweiten Liga gegen 1860. Oder natürlich in Rot bei den Bayern. Aber ich würde mich freuen, wenn die Lampen auch mal bunt leuchten.“

Erst vor wenigen Wochen hatte sich der Bundesligist Hertha BSC vom ungarischen Torwarttrainer Zsolt Petry getrennt, der gegenüber der Tageszeitung Magyar Nemzet mit homophoben und migrationsfeindlichen Aussagen aufgefallen war.

EM 2021: Ungarn und Deutschland kommen in wichtigen (Fußball-)Fragen nicht zusammen

Nein, Ungarn und Deutschland kommen in wichtigen (Fußball-)Fragen gerade nicht zusammen, auch wenn Deutschlands Rekordnationalspieler Lothar Matthäus aus seiner Vorliebe für den Wohnsitz Budapest keinen Hehl macht. Das gehört zur Wahrheit jedoch auch dazu: Die Lebensqualität und Lebensfreude kann der ungarischen Hauptstadt offenbar keiner nehmen. In den vielen errichteten Public-Viewing-Arealen vor teils atemberaubender Donaukulisse wird nicht nur das Fußballturnier genossen. Die Menschen fühlen sich sicher, weil fast die Hälfte der 9,8 Millionen Bewohner Ungarns die zweite Impfung und einen digitalen Impfausweis zur Hand hat. Und weil noch so viele Vakzine vorrätig sind, wird in den Pausen zwischen den EM-Partien derzeit neben Schönheitsoperationen immer wieder die Impfkampagne beworben. (Frank Hellmann)

Rubriklistenbild: © Sven Simon/imago

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