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EM 2021

EM 2021: Deutschland gegen Portugal - keine Tipps von Andre Silva

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Vor dem Duell gegen Deutschland betont Portugal auffällig den Spirit, der die Mannschaft zum EM-Titel 2016 getragen hat.

Die prägnante Botschaft steht in weißen Versalien auf schwarzem Grund an der Stellwand mitten in der umfunktionierten und klimatisierten Turnhalle des SC Vasas Budapest. „Vamos todos. Vamos com tudo.“ Lass uns gehen, lass und mit allen gehen. Illustriert wird der Slogan im Medienzentrum der portugiesischen Nationalmannschaft mit einem Schwarz-Weiß-Foto von der Übergabe der EM-Trophäe 2016 im Konfettiregen. Damit mal allen klar ist, wo Portugals Auswahl auch fünf Jahre später wieder hin will, wenn nun das Duell gegen Deutschland am Samstag (18 Uhr live in der ARD) zum ersten richtigen Härtetest für den Titelverteidiger wird.

Bei all den Belobigungen über den Rekordjäger Cristiano Ronaldo droht in den Hintergrund zu geraten, dass der erste große Titel für die stolze Seefahrer- und Fußballnation ohne einen besonderen Teamspirit nicht entstehen konnte. Bruno Fernandes war damals zwar nicht dabei, aber er findet es fast unverschämt, dass der heutigen Mannschaft vorab die höhere Klasse bescheinigt wird. „Wir können nicht besser als 2016 sein, denn dieses Team hat die Trophäe gewonnen“, berichtete der 26-Jährige auf der Pressekonferenz, die als Präsenzveranstaltung mit ausreichend Abstand stattfand.

Deutschland gegen Portugal - keine Tipps von Silva oder Guerreiro

Der Offensivspieler von Manchester United, der mit Diogo Jota vom FC Liverpool und Bernardo Silva von Manchester City im Rücken Ronaldos agiert, erwartet jetzt „ein hartes Spiel für uns, für Deutschland aber auch“.

Portugal ist nicht nur Ronaldo, das sollte nicht vergessen werden. dpa

Tipps von Bundesligaprofis wie André Silva (Eintracht Frankfurt) oder Raphael Guerreiro (Borussia Dortmund) will er nicht einholen: „Wir müssen sie nichts fragen, weil wir die Spieler selber kennen.“ Und bei allem Geraune über die Fähigkeiten Ronaldos stellte er gleich noch heraus, dass auch beim Europameister das Wertvollste immer die Gruppe sei. Die macht dieser Tage auf der fast schon klinisch reinen Anlage im lllovszky-Rudolf-Stadion von Budapest einen entspannten Eindruck.

Die Anführer Ronaldo und Pepe, Kumpels aus gemeinsamen Tagen bei Real Madrid, kamen am Donnerstagvormittag als erste auf den sonnenüberfluteten Trainingsplatz, der Kapitän spielte bei den Passübungen den ersten Ball – das gewünschte Symbolbild für die Kameras. Das Wetter hätte auf Ronaldos Heimatinsel Madeira nicht besser sein können. Und dass das Teamquartier inmitten einer grünen Wohlfühloase auf der Magarateninsel der Donau-Metropole liegt, soll den Führungsfiguren übrigens auch zusagen.

Alle Infos

EM 2021: Lesen Sie alles Wissenswerte auf unserer Themenseite.

Den strengsten Blick legte vor der Abreise ins Luftlinie nur 560 Kilometer entfernte München noch Trainer Fernando Santos an den Tag, der sich beinahe demonstrativ einen Schattenplatz mit fast 70, 80 Metern Abstand suchte. Wer nicht wüsste, dass es sich bei dem studierten Elektrotechniker um den Cheftrainer der Delegation handelt, hätte ihn auch für den Zeugwart oder Busfahrer halten können. Teilnahmslos lehnte er an der Betonmauer. Aber das ist genau wie seine mitunter staubtrockenen Statements nur Fassade. Der 66-Jährige mag kein großer Redner sein, aber seine akribische Herangehensweise ist die Grundlage der portugiesischen Erfolgsstory.

Portugal: Pilgerreise nach historischem Coup bei Europameisterschaft

Eitelkeit ist diesem Fußballlehrer fremd, der aus seinen religiösen Überzeugungen keinen Hehl macht. Nach dem historischen EM-Coup in Paris pilgerte er in den portugiesischen Wallfahrtsort Fatima. Zudem sagte er einmal: „Wenn ich am Nachmittag ein Spiel habe, gehe ich um sieben Uhr morgens zur Messe.“ Wohltuend wirkt sein Realitätssinn, weil der lange auch in Griechenland arbeitende Santos nicht immer nur dem Fußball diente.

Ein Jahrzehnt arbeitete er in der freien Wirtschaft als Ingenieur. So einer durchleuchtet eine Scheinwelt rasch. Und mit dem Starkult hat er es eigentlich auch nicht. Sein größtes Verdienst bei der EM 2016 war neben der pragmatischen Spielweise auch der Einbau von jungen Spielern. Renato Sanches, der danach beim FC Bayern nicht glücklich wurde, war damals 18 Jahre alt. Linksverteidiger Guerreiro, der anschließend zu Borussia Dortmund wechselte, erst 22. Beide standen im EM-Endspiel 2016 gegen Frankreich – nun in Budapest der dritte Gruppengegner – in der Startelf.

EM 2021: Joachim Löw ist noch nie Europameister geworden

Der erfahrene Erfolgstrainer weiß, dass es gegen die Ungarn noch einige Mängel bei seinem Team gab, das hat er hinterher in der Puskas-Arena auch nicht verschwiegen: „Wir müssen uns weiterentwickeln. Deutschland ist ein sehr starker Gegner mit Spielern von enormer Qualität und mit einem hervorragenden Trainer.“ Eines hat er dem Kollegen Joachim Löw indes voraus: den EM-Pokal in den Händen zu halten. Obwohl es davon kein einziges Bild im Medienzentrum gibt. Dort sind lediglich die Konterfeis der kraftstrotzenden Kicker abgebildet.

Rubriklistenbild: © dpa

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