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Das Grübelmonster: Bundestrainer Joachim Löw.
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Das Grübelmonster: Bundestrainer Joachim Löw.

EM 2021

Kommentar: Löw muss jetzt Mut zu mehr Phantasie zeigen

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Die deutsche Nationalmannschaft steckt fest in den Mühen der Ebene – und muss nach der Auftaktniederlage umdenken. Bundestrainer Löw sollte sich eine Systemumstellung trauen.

Deutschland ist an Frankreich abgeprallt wie an einer Gummiwand. Emotionalität traf in München auf Pragmatismus in seiner nüchternsten Ausgestaltung. So ist das inzwischen, wenn das DFB-Team als Underdog auf den Weltmeister trifft. Vieles ist so eingetreten, wie es zu erwarten gewesen war. Es hat nicht gereicht aus deutscher Sicht. Es war nicht genug, um diesen Gegner in seiner Ruhe zu stören. Frankreich war besser als Deutschland, reifer, präziser und doch auch unvorhersehbarer.

Es hätte gegen diesen fein austarierten Gegner eine Mannschaftsleistung gebraucht, in der jeder sehr nah am oberen Limit seines Leistungsvermögens agiert. Das schafften zu viele Männer im DFB-Team nicht, einige nicht einmal annähernd. Ein Grund dafür könnte sein, dass das notwendige defensive Denken die Phantasie und den Mut am Ball narkotisierte. Die Mannschaft arbeitete in einem für einen Kontrahenten dieser Dimension zu einfach durchschaubaren Schema. Ihr ist die Leichtigkeit verloren gegangen. Sie steckt fest in den Mühen der Ebene. Sie verliert mehr Spiele, als sie gewinnt. Das macht etwas mit einem Team und seinem Trainer.

Sie müssen jetzt gemeinsam zeigen, dass sie als Schicksalsgemeinschaft 2021 besser funktionieren als 2018. Damals stellte sich Joachim Löw nach der Auftaktniederlage gegen Mexiko rücklings an eine Laterne, das Schwarze Meer als Spiegelbild in der Sonnenbrille. Es war die falsche Botschaft zur Unzeit. Der Bundestrainer verstörte damit nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch seine Truppe. Es war ein symbolischer Abschied vom Gemeinsinn. Hybris an der Strandpromenade von Sotschi, die sich jetzt in Herzogenaurach nicht wiederholen wird.

Löw sollte wissen: Es braucht jetzt einen Bundestrainer, der praktikable Lösungen gegen Portugal findet und die Spieler dabei intensiv einbindet. Es ist ja nichts Überraschendes geschehen gegen Frankreich. Die Situation ist einfacher als seinerzeit in Russland. Zumal selbst ein dritter Vorrundenplatz noch zum Weiterkommen reichen könnte.

Löw und Spieler haben oft genug betont, dass sie in der Lage sind, flexibel zu denken und zu handeln. Davon war gegen den Weltmeister zu wenig zu sehen. Gegen den Europameister braucht es mehr als drei Halbchancen in Tornähe. Ein Szenario mit dem Emotionsbolzen Joshua Kimmich zwischen Toni Kroos und Ilkay Gündogan verspricht mehr Durchzug im deutschen Spiel, das ja nicht erst seit Dienstagabend etwas miefig daherkommt.

Das wäre mit demselben Personal eine konservative Behandlungsmethode, die notwendige Selbstheilungsprozesse in Gang setzen könnte. Gündogan könnte etwas nach vorn rücken, das liegt ihm mehr, das verspricht mehr Variabilität. Es gibt wenig Gründe, die dagegensprechen. Löw muss es nur wagen.

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