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Ausdruck der Einheit: der gemeinsame Jubel über das Tor von Manuel Locatelli (am Boden). dpa
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Ausdruck der Einheit: der gemeinsame Jubel über das Tor von Manuel Locatelli (am Boden). dpa

EM 2021

Kommentar: Italien verschmilzt

  • Jakob Böllhoff
    VonJakob Böllhoff
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Die fein austarierte Mischung aus Abwehr und Angriff könnte Italien weit führen. Aber wer weiß schon, was die Stunde schlägt. Ein Kommentar.

Oh, Italia. Die blauen Nächte sind zurück. Viel weiß man noch nicht über diese Fußball-Europameisterschaft, sie ist noch klein, aber diese Italiener, Mamma Mia! Die Italiener sind schon groß, sie sind gut. Zweimal gewonnen, zweimal mit 3:0, und wer wäre nicht bereit, der hinreißenden Squadra Azzurra alles zuzutrauen bei diesem Turnier, das sie mit wunderbarem Fußball bestürmt, als echte Einheit, im Angriff wie in der Verteidigung. „Auf dass wir verschmelzen / wofür die Stunde hat schon geschlagen“, heißt es in der vor jedem Spiel inbrünstig intonierten Landeshymne. Zeilen, die auf dem Rasen zur Wahrheit werden, spielerisch und leicht.

Das Achtelfinale haben sie nun erreicht, als erstes Team dieser EM, am sechsten Turniertag. Die echten Prüfungen kommen später für die Elf von Trainer Roberto Mancini. Türkei und Schweiz, biedere Teams, waren es jedenfalls nicht. Und traut man den Italienern alles zu, so schließt das ein herzzerreißendes 3:4 in der Verlängerung im Viertelfinale oder Halbfinale oder Achtelfinale natürlich mit ein, gegen irgendeine zynisch lauernde Kontertruppe.

Frankreich wie Augsburg

Ja, wer etwas schaffen will bei dieser EM, etwas erschaffen, der wird zum Beispiel an die Franzosen geraten, irgendwann, und die Franzosen sind nun wahrlich keine Italiener, ganz im Gegenteil. Die Franzosen saugen die Schönheit aus dem Spiel, sie spielen pragmatisch und destruktiv, als wären sie der FC Augsburg im Auswärtsspiel beim FC Bayern. So sind sie Weltmeister geworden 2018, so haben sie Deutschland geschlagen bei dieser Europameisterschaft. Aber es riecht nach Verrat, wenn die beste Mannschaft der Welt einen Beamtenfußball zeigt, bei dem nur das Nötigste getan wird. Wo ist dein Witz, Frankreich, wo der Esprit gauloise? Zermalmt, könnte man meinen, zwischen den marmornen Zahnplatten von Didier Deschamps, nach deren Vorbild er seine lückenlosen Abwehrreihen zu planen scheint. Früher war er schon ein Defensivstratege, als Spieler, und heute als Nationaltrainer Frankreichs ist er es mehr denn je.

Man kann sich nun mal schwer selbst entkommen. So wie Deschamps sich auslebt über den Fußball seiner Mannschaft, so tut das auch der Italiener Mancini. Ein eleganter Typ, der als Spieler den attraktiven Fußball geliebt und gelebt hat und es als Trainer immer noch tut, ohne dabei die Schönheit zum Selbstzweck verkommen zu lassen. Seit 29 Spielen ist Italien ja unbesiegt, hat seit zehn nicht einmal mehr ein Gegentor bekommen. Bewundert man den flüssigen Angriffsfußball im 4-3-3-System, ermöglicht durch die feinen Techniker der Offensive, das variable Mittelfeld und die enorm angriffslustigen Außenverteidiger, so bewundert man gleichzeitig, womöglich ohne es zu wissen, auch den Abwehrfleiß. Ballverluste werden nicht akzeptiert, sofort stürzen die Spieler los, um die Kugel zurückzuholen. Her damit, wir sind die, die spielen wollen!

Die Mischung könnte Italien weit führen. Aber wer weiß schon, was die Stunde schlägt. Die Wahrheit ist zerbrechlich, wie die blauen Nächte.

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