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Berittene Polizei und Firmengründer Adi Dassler wachen über die Adidas-Zentrale
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Jan Christian Müller berichtet

Tagebuch zur EM 2021: Empfang von der Polizei

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Jan Christian Müller hat sich auf den Weg zur EM 2021. In seinem Tagebuch berichtet er über die Ereignisse vor Ort.

  • FR-Sportreporter Jan Christian Müller berichtet täglich aus dem Trainingslager des DFB-Teams und von der EM 2021.
  • Spannende, witzige und wichtige Hintergrundgeschichten zu Jogi Löw, der EM 2021 und der DFB-Elf.
  • Das Tagebuch zur EM 2021: Hier finden Sie die Tagebucheinträge der ersten 6 Tage.

Tag 16 - Das DFB-Team ist natürlich gut beschützt. Auch vor der Presse. Kaum angekommen auf dem Adidas-Gelände in Herzogenaurach, schaute die Polizei schon nach dem Rechten. Zwei Reiterinnen auf sehr disziplinierten Pferden hielten Wache. Sehr schön als Fotomotiv, die Damen und die Rosse vor dem monumentalen Firmenkomplex mit Firmengründer Adi Dassler höchstpersönlich mitsamt Schraubstollenschuh in Stein gemeißelt.

Gleich um die Ecke hat der DFB sein Pressezentrum aufgebaut. Rein darf nur, wer vor der Tür frisch getestet wurde. Alles bestens organisiert. Drinnen sind 50 Arbeitsplätze eingerichtet worden und werden nach dem Prinzip "first come, first serve" vergeben. Mehr dürfen aus Sicherheitsgründe (Achtung: wir sind noch in der Pandemie, fast verdrängt) nicht rein. Jeder Medienmensch muss sich ein ziemlich nerviges Gerät umhängen, dass ständig brummt, wenn man einem Kollegen näher als zwei Meter kommt. So soll das Gefühl für den Corona-Abstand geschärft werden. Außerdem trackt das Ding rückwirkend, falls jemand positiv getestet wurde und man diesem jemand zuvor zu nah gekommen ist. Dann ist man sicherheitshalber eine dringender Quarantäne-Kandidat. Kluges System, wenn nur diese blöde Brumme nicht wäre.

Zu Engpässen ist es am ersten Tag jedenfalls nicht gekommen. Einige Reporter bleiben in ihren Apartments in Nürnberg oder Erlangen, manche gar ganz zu Hause, um sich nur virtuell zuzuschalten. Aber dabei geht natürlich Atmosphäre verloren. Und man kann nicht beim Training zuschauen von daheim.

Zum Aufgalopp auf dem Adi-Dassler-Sportplatz ist Jogi Löw ganz früh erschienen und erst einmal einsam über das Feld getrottet. Sah ein bisschen so aus wie Franz Beckenbauer nach dem Weltmeistertitel 1990. Aber ganz soweit sind wir anno 2021 ja noch nicht. Irgendwann ging die Wassersprenganlage an und Löw musste die Richtung ändern, um seine Frisur nicht zu zerstören. Und als es dann richtig losging, mussten wir und trollen: Ganz-Geheim-Training.

Tagebuch exklusiv bei FR-online

Die täglichen Tagebuch-Einträge von FR-Sportreporter Jan Christian Müller zur EM 2021 und alles rund um Jogi Löw und das DFB-Team finden Sie exklusiv bei uns online auf der Themenseite zur Fußball-EM und in unserem Newsletter zur EM 2021. Dieser erscheint während der EM täglich – Sie bleiben somit immer top informiert.

Tag 15 - Ehe es auf nach Herzogenaurach ging, war noch ein PCR-Test notwendig, der mich ins wunderschöne Dietzenbach brachte. Die Testung verlangt der DFB, um in Herzogenaurach aufs Gelände von Adidas zum Training der Nationalmannschaft zu gelangen. Jedenfalls: Auf dem Weg nach Dietzenbach, wo es einen sehr gut organisierten Drive-in-Testcenter direkt am Freischwimmbad gibt, stand doch tatsächlich ein PKW am Straßenrand, der eine Deutschland-Fahne trug. Wer es nicht glauben mag: Das Foto beweist es. Ich schwöre, dass es sich bei dem Wagen mit Fähnchen nicht um eine Inszenierung handelt.   

Auch im kargen Freundeskreis und in der Familie (außer bei der 20-jährigen Tochter, die sich zum Glück mehr für Klimaschutz, Gerechtigkeit und vegane Ernährung interessiert als für ein profanes Gekicke) glaube ich, eine gewisse Vorfreude auf die EM 2021 wahrgenommen zu haben. Vielleicht wird das Turnier ja doch besser, als man sich so eine paneuropäische Veranstaltung mit Rest-Corona in der Luft vorgestellt hatte.

´schland!

Mehr gibt es heute nicht von mir, weil ich gleich los muss ins schöne Frankenland, doch eines noch: Möchte mich auch an dieser Stelle herzlich bei Uwe Koch aus unserer IT im Druckzentrum Mörfelden bedanken, der meinen Rechner noch auf Vordermann gebracht hat. Daaaankeeeee, Herr Koch!

Tag 14 - Das erste Training meiner Alten Herrenmannschaft nach ewigen Zeiten des Corona-Shutdowns habe ich leider verpasst. Stattdessen am Montagabend in der Düsseldorfer Arena gewesen - siehe Beweisfoto - und nachts noch über die A 3 zurück. Tausend Baustellen, einmal sogar eine Sperrung, Rückkehr nach Hause erst kurz vor drei Uhr nachts. Zum Glück gibt es inzwischen so viele interessante Podcasts, die einem die Zeit auf der Autobahn vertreiben.

Auch am Donnerstag werde ich bei meiner anderen Alten Herrenmannschaft, die dann erstmals wieder in Gruppenstärke trainiert, nicht dabeisein können. Stattdessen geht es nach Herzogenaurach ins DFB-Basecamp. Oder besser: In die Nähe des DFB-Basecamps, denn hinein dürfen wir Schreiberlinge natürlich nicht. Nur gucken, nicht anfassen.

FR-Redakteur Jan Christian Müller hält sich auch selbst fit.

Um noch mal zurück auf die beiden AH-Teams zu kommen, in denen ich meine müden Knochen zuletzt im Spätsommer 2020 nahe der Zeitlupe übers Feld bewegt habe. Der Verein hier vor Ort heißt TSV Heusenstamm und trainiert montags, der andere Klub heißt SG Rosenhöhe und trainiert donnerstags. Das gibt einem bedeutenden Sportreporter, der oft abends Dienst schieben muss und auerdem ständig verletzt ist, immerhin die Möglichkeit, zumindest einmal wöchentlich kicken zu können (wenn ausnahmsweise mal keine Verletzung vorliegt). Am Montag oder am Donnerstag.  

Wie ich in unseren beiden Fußball-Whatsapp-Gruppen lesen kann, geht der Re-Start mit noch weniger Tempo vonstatten, als man es in Altherren-Mannschaften ohnehin gewohnt ist. Erstmal müssen Leibchen und Bälle im Schuppen gefunden, die Luca-App oder Corona-Warnapp bedient werden, alles nicht so einfach für ältere Männer, aber Hauptsache, das Bier steht später kalt. Kabinen und Duschen sind noch abgeschlossen, besser so, damit sich dort niemand ansteckt.

Ich stoße dann im Juli zum Training dazu, wenn alle anderen längst wieder voll im Saft sind, oder vielleicht ja schon im Juni, wenn Jogi Löw es nicht hinbekommen sollte bei der glorreichen EM 2021. Wahrscheinlich verletze ich mich dann gleich im ersten Training, ach was, schon beim Aufwärmen beim ersten Langholz. Vielleicht vorher noch ein bisschen stretchen.       

Tag 13 - Was tut ein Sportreporter, ehe er ins Stadion geht? Genau: Er treibt selbst Sport. Montag vorm Spiel der Unsrigen gegen Lettland war es endlich mal wieder soweit. Ehrlicherweise muss ich zugeben: Ich bin seit einer Steinzeit nicht mehr im Fitnessstudio gewesen. Einerseits aus Faulheit, andererseits und vor allem natürlich wegen Corona. Die Muckibude bei uns um die Ecke war zwar schon im Winter mit Terminvergabe geöffnet, aber mir war es auch nicht ganz geheuer, weil die anderen Muskelprotze, die dort außer mir (Witz!) noch hingehen, sehr ungern eine Maske tragen.

Jetzt ist die Inzidenz zwar viel kleiner als noch im November oder Dezember, aber dennoch sind die Einlassbedingungen schärfer: Nur mit frischem Negativtest oder doppelt geimpft darf man mit Maske an die Geräte. Dort darf dann ohne Maske trainiert werden, sobald man aufsteht, Maske wieder auf. Im Winter hatte es in Hessen noch nicht derart strenge (und richtige) Richtlinien gegeben. Oder sie waren einfach nicht befolgt worden.

FR-Redakteur Jan Christian Müller hält sich auch selbst fit.

Auf dem aktuellen Foto sieht man ein über den Sitz eines Geräts gestülptes Handtuch. Es handelt sich dabei um jenes Handtuch, das ich heute im Fitness benutzt habe. Es hängt dort genauso schlapp herum wie ich bei meiner Rückkehr an die Gewichte. Insgesamt rund ein Drittel Kraft ist weg, würde ich mal grob überschlagen. Und ich bin ziemlich sicher: Dienstag habe ich einen furchtbaren Ganzkörper-Muskelkater. 

Tag 12 - Die seit 35 Jahren heiß geliebte (ehrlich!) Sonntagsarbeit ist umso angenehmer, wenn sich pünktlich zur Mittagszeit der allseits bekannte Joachim Löw via Zoom zum Pressegespräch im Homeoffice meldet. Daraus lässt sich immer ein Text zusammenzimmern. So geschehen nach seinen Ausführungen aus Seefeld, derweil ich längst wieder daheim bin. Meine liebe Frau war so nett, mich exklusiv fürs FR-EM-Tagebuch bei der harten Recherche zu fotografieren. 

Der Bundes-Jogi wird fehlen, wenn er nach diesem Sommer nicht mehr da ist. Er bereitet sich auf Pressekonferenzen nämlich meist (außer zwischen 2014 und 2018, da hatte er irgendwie keine rechte Lust) sehr gut vor und hat dann etwas mitzuteilen. Tiefschürfender jedenfalls als die allermeisten Bundesligatrainer, die allerdings den Nachteil haben, dass sie jede Woche was erzählen sollen. Da können einem schon mal die Ideen ausgehen. Logo!

Inhaltlich darf ich an dieser Stelle nicht weiter auf Löws Worte zum Sonntag eingehen, die Texte dazu stehen nämlich in unserem FR-EM-Special an anderer Stelle, bitte unbedingt anklicken, wir brauchen Traffic auf unseren Seiten im Netz. Oder die gute alte Papierzeitung kaufen, so lange es sie noch gibt.  

FR-Redakteur Jan Christian Müller bei der virtuellen PK.

Tag 11 - Abschied aus Seefeld

Am Samstag ging es zurück nach Hause ins Rhein-Main-Gebiet. Ungefähr 500 Kilometer. Abfahrt 15 Uhr, Ankunft 21 Uhr mit einer klitzekleinen Pause. Zwischendurch immer wieder heftige Regenfälle und Aquaplaning.

Neun Tage in Tirol sind vorbei. Neun Tage, die ich erstmals seit 14 Monaten bei der Arbeit wieder außerhalb des Homeoffice verbracht habe, ausgenommen von einzelnen Besuchen bei Bundesligaspielen von Mainz 05, Eintracht Frankfurt und einmal bei Werder Bremen. Aber da ging es nur mit Maske kurz vor dem Anpfiff rein und dann gleich nach Schlusspfiff wieder raus. Pressekonferenzen danach digital im Auto. Arbeiten in der Redaktion praktisch überhaupt nicht. Stattdessen: Aufstehen, T-Shirt und Jogginghose an, virtuelle Redaktionskonferenz, virtuelle Gespräche mit Managern und Trainern und Spielern. Alles aus dem Arbeitszimmer heraus.

Von links nach rechts: Sebastian Weßling von der „WAZ“ aus Essen, Marco Seliger von der „Stuttgarter Zeitung“ und Rene Kübler von der „Badischen Zeitung“ aus Freiburg.

So war das jetzt seit März 2020, und manchmal hatte ich das Gefühl, mein Hirn schrumpfe dabei wegen der fehlenden Reize vom ganz normalen Leben außerhalb der eigenen vier Wände. Und menschenscheuer wird man dabei irgendwie auch. Nicht gut! Als Journalist lebt man ja auch von den Eindrücken vor Ort und wird durchs Homeoffice jedenfalls kein besserer Reporter. Sondern ein schlechterer. 

Diese anderthalb Wochen von Seefeld waren dann eine Inspiration. Wir vor Ort, die wir uns von den DFB-Terminen der Vor-Corona-Zeit oft schon lange kennen, haben es genossen, uns mal wieder persönlich zu sehen und miteinander sprechen zu können und uns gegenseitig vor Ort zu unterstützen. Wir haben zugesehen, uns draußen zu treffen. In Seefeld waren mit negativem Test oder Impfung aber auch Restaurantbesuche drinnen möglich.

Mit drei Kollegen habe ich in einer Apartmentanlage gewohnt. Auf dem Bild sitzen die drei nicht mehr ganz jungen Männer, von links nach rechts: Sebastian Weßling von der „WAZ“ aus Essen, Marco Seliger von der „Stuttgarter Zeitung“ und Rene Kübler von der „Badischen Zeitung“ aus Freiburg beim After Work-Drink plus Pizza im Garten unserer Anlage direkt am Babylift von Seefeld.

Wir werden uns in Düsseldorf zum Länderspiel gegen Lettland am Montag wiedersehen, nachts geht es dann zurück nach Hause, um am Mittwoch nach Herzogenaurach fahren, wo Jogi Löw und seine auch nicht mehr ganz taufrischen Männer auf dem Campus von Adidas ihr EM 2021 Basecamp aufschlage

Tagebuch zur EM 2021: Wenn das Steuerrad sich selber dreht

Tag 9 ‒ Vorgestern, am Tag des Spiels gegen Dänemark zur Vorbereitung auf die EM 2021, konnten wir die Zeit am Vormittag nutzen, um uns in die Geheimnisse der E-Mobilität einweisen zu lassen. DFB-Partner Volkswagen hat dazu einige E-Autos an der Sportalm platziert und ins Navigationssystem eine gut halbstündige Runde einprogrammiert. Kollege Sebastian Weßling von der „WAZ“ und ich wollten als blutige Anfänger auf diesem Gebiet mal wissen, wie sich das so anfühlt elektrogetrieben.

Also: Man muss sich erst mal dran gewöhnen, dass der Schlitten keinen Laut von sich gibt und trotzdem sofort losfährt, wenn man das Gaspedal auch nur ein kleines bisschen drückt. Zudem kann man das Auto mit einem Tastendruck auf halbautonomes Fahren programmieren. Der Wagen kapiert dann, wann ein Dorf anfängt und er runter auf 50 km/h gehen muss und wann er am Ortsausgang dann wieder schneller unterwegs sein darf. Dabei zieht er jedoch reichlich fix an. In Kurven dreht er das Steuer selbstständig in die richtige Richtung mit. Komisches Gefühl.

Zudem kann man mit einem kleinen Dreher am richtigen Schalter bei Abwärtsfahrten die Energierückgewinnung einschalten. Der Wagen fährt dann also den Berg hinunter und die Anzeige der Restdistanz, die die Batterie noch hergibt, wird dank der Rückladung durch die beim Abwärtsfahren gewonnene Energie wieder größer (oder so ähnlich). Nach unserem Zwischenhalt am höchsten Punkt der Strecke waren es 394 Kilometer Restdistanz, nach der vielleicht zweiminütigen Talfahrt dann 416 Kilometer. Nicht schlecht.

Schon interessant, so ein E-Auto. Hat sich ein bisschen was getan in der Entwicklung. Wenn ich dran denke, wie ich mit meinem Bruder Lars vor mehr als 50 Jahren hintendrin in unserem mindestens zehn Jahre alten blauen Käfer hockte, ohne Kopfstützen, ohne Sicherheitsgurt, hinten der Motor, vorne der Kofferraum. Fast leere Autobahn von Bremen in den Harz, und einmal haben unsere Oma Ilse und unsere Mutter aus Versehen in der Dorftankstelle in Wildemann Diesel getankt statt Benzin. Das ganze Zeug musste irgendwie wieder rausgepumpt werden. Zum Glück kannte Oma Ilse den Tankwart.

Sie war ein großer Fußballfan und eine super Oma. Einmal war sie sogar mit im Weserstadion in der Ostkurve, was damals für Omas völlig unüblich war. Die Fans haben gesagt: „Ey Oma, finden wir cool, dass du hier auf dem Stehplatz dabei bist.“ Leider hat sie nicht mehr erlebt, dass ihr Enkel, wenn schon kein ganz so toller Fußballspieler, so doch immerhin ein Fußballreporter geworden ist, der Deutschland bei großen Turnieren begleiten durfte. Sie starb zwei Monate, bevor ich 1998 zum ersten Mal von einer WM berichten durfte.

Tagebuch zur EM 2021:  Die Baustelle

Tag 8 ‒ Wenn ich von meinem Balkon in Richtung Westen gucke (oder ist es Osten? Egal!), sehe ich schneebedeckte Berge, die von der Sonne beschienen werden. Malerische Ruhe dazu, allerdings erst ab halb sechs Uhr nachmittags. Manchmal noch später. Enorm fleißig, diese Österreicher. Zudem geht es früh los mit der Baustelle, die betrüblicherweise etwas näher an meinem Balkon liegt als die schönen Berge. Um genau zu sein: Exakt ein Meter fünfzig weit entfernt von der Balkonumrandung. Bauarbeiter haben zudem leider die Angewohnheit, sich komplett anders zu verhalten als Sportjournalisten. Bei unsereiner beginnt der Tag manchmal erst so richtig volle Pulle um 21 Uhr, wie gestern beim Spiel der Unsrigen gegen Dänemark in Innsbruck und auch bald, wenn die meisten Spiele der EM 2021 angepfiffen werden. Bettzeit dann so gegen drei Uhr nachts. Bauarbeiter dagegen stehen auch in Österreich sehr früh auf und fangen um 7.04 Uhr an, mit dem Hammer auf irgendwelche Gewerke einzudreschen, als gäbe es kein Morgen mehr.

Schöne Aussichten.

Zudem mögen Bauarbeiter Frühstückspausen. Ich hatte Freitagmorgen das Gefühl, die Frühstückspause eines Bauarbeiters in Österreich beginne um 7.17 Uhr. Jedenfalls war kurz nach Beginn der Hammerschläge dann wieder einigermaßen Ruhe, ehe irgendwann der Betonmischer vorfuhr. Leider sind die Dinger nicht strom-, sondern dieselbetrieben. Also Balkontür unbedingt zulassen!

Überhaupt ist halb Seefeld eine Baustelle, na ja, ehrlicherweise eher Viertel Seefeld. Jedenfalls scheinen die Seefelder die Coronazeit genutzt zu haben, um ihre Hotels und Pensionen auf Vordermann zu bringen. Sind nur nicht rechtzeitig fertig geworden. Außer im Hotel des DFB, wo Jogi Löw mit seinen Jungs residiert. Alle Zimmer zur Südseite, versteht sich, alle frisch renoviert.

Also, ich will mich nicht beschweren, bin ja nicht zum Urlauben hier, sondern zur Schichtarbeit. Und außerdem hat der sehr nette Wirt, Herr Kerber, mich ja von der Baustelle im Vorfeld schon gewarnt und das Apartment zudem zehn Euro pro Nacht billiger vermietet, ein echtes Schnäppchen. Das freut unseren Geschäftsführer, da nehme ich den Krach und die Abgase als braver Angestellter doch gern in Kauf. Und außerdem: Wenn das Haus vor meinem Balkon dann irgendwann mal fertig ist, werden die Berge hinter der neuen Hauswand versteckt sein. Ich bin also gerade noch rechtzeitig gekommen. Positiv denken! 

Tagebuch zur EM 2021:  Corona-Tests für gestresste Medienmenschen

Tag 7 ‒ Es ist in Coronazeiten ja wirklich nicht einfach, eine Horde Journalisten (und sogar eine Journalistin ist vor Ort) in Schach zu halten. Auf der Sportalm in Seefeld, direkt neben den Fußballplätzen, hat der DFB gemeinsam mit der Tourismuszentrale der Gemeinde Seefeld und DFB-Generalsponsor Volkswagen einiges auf die Beine gestellt. Das Gute: Die Sportalm liegt wunderbar den ganzen Tag in der Sonne, so dass niemand gezwungen ist, den Innenbereich zu betreten.

Bernadette Stauder überprüft ob sich die Journalisten und die Journalistin im Trainingslager von Jogis DFB-Elf an die Corona-Vorschriften halten.

Wobei das ehrlicherweise nicht ganz richtig ist. Denn um zu Bernadette Stauder zu gelangen, ist es dann doch kurz nötig, sich - natürlich mit der vorgeschriebenen FFP2-Maske - einen Meter durch die Eingangstür zu wagen, um sich von Frau Stauder ein bedeutendes Klebemärkchen auf die Akkreditierung pappen zu lassen. Die immer gut gelaunte Bernadette („Ich bin der Dino in der Tourismuszentrale“) überprüft nämlich sehr genau, ob sich ein Reporter auch vorschriftsmäßig alle 48 Stunden hat testen lassen. Wer das vergessen hat, darf nicht auf die Pressetribüne und beim Training zuschauen, egal ob geimpft oder genesen. Und auch noch nicht mal auf die Terrasse der Sportalm. Dort wacht ein freundlicher Sicherheitsmann sehr genau.

Damit wir arg gestressten Medienmenschen (rund 120 inklusive Radio und Fernsehen sind vor Ort) es schön einfach haben, ist direkt neben der Sportalm ein Büdchen aufgebaut worden, in dem täglich von acht bis zehn Uhr morgens kostenlose Schnelltests angeboten werden. Wem das zu früh ist, der kann sich für 4,50 Euro in einem Zelt am Bahnhof testen lassen. Ergebnis fix in zehn oder 20 Minuten aufs Handy - und dann ist Bernadette Stauder dran. (Jan Christian Müller)

Tagebuch zur EM 2021

Das alte Handarchiv ist neu geordnet. Das Auto ist gepackt und vollgetankt, Ölstand und Reifendruck gecheckt, frisches Wischwasser eingefüllt. Am Donnerstag ist FR-Sportredakteur Jan Christian Müller nach Seefeld/Tirol aufgebrochen, um sich dort so nah wie möglich an die deutsche Fußball-Nationalmannschaft heranzupirschen. In Zeiten der Pandemie ist dabei natürlich Abstand geboten. Aber das kennt Müller auch ohne Corona, wenn es darum geht, den DFB zu großen Turnieren zu begleiten. Die Zeiten, dass Spieler und Reporter gemeinsam am Pool hocken, sind seit 1986 endgültig vorbei.

Müller berichtete erstmals 1989 über die Nationalmannschaft, damals, als sie sich sechs Tage nach dem Mauerfall in Köln mit Müh und Not gegen Wales für die WM 1990 qualifizierte. Seit 1998 ist der 57-Jährige bei allen großen Turnieren für die FR dabei, seit der EM 2008 meldet er sich regelmäßig im FR-Blog online und erzählt dort, was sich im Medientross hinter den Kulissen tut.

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