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Schicksalssekunden eines Abwehrchefs: Mats Hummels (re.) betrauert sein Eigentor. dpa
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Schicksalssekunden eines Abwehrchefs: Mats Hummels (re.) betrauert sein Eigentor.

EM 2021

EM 2021: DFB-Team früh in der Krise - Jogi Löw muss umdenken

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Das Investment beim 0:1 gegen Frankreich war groß, der Ertrag jedoch klein - welche Schlüsse zieht das DFB-Team daraus?

Am Tag danach gab es Anlass zur Reue. Antonio Rüdigers „Wir-müssen-eklig-sein“-Interpretation hatte sich anlässlich des missglückten deutschen Auftakts bei der EM 2021 auf ein Niveau herab begeben, das niemand goutieren konnte. Noch nicht einmal der unerschrockene Verteidiger selbst. Unschön, dass er dem Franzosen Paul Pogba kurz vor der Pause auf Schulterhöhe knabbernd nahe gekommen war. „Da darf ich mit dem Mund nicht so an seinen Rücken hingehen – gar keine Frage. Das sieht unglücklich aus“, räumte Rüdiger nach einer unruhigen Nacht ein. Pogba, der Patron, auf dem Platz noch angefasst, hatte sich schnell wieder beruhigt: „Toni und ich sind Freunde. Das war nichts Großes“, ließ er großmütig ausrichten. Sieger können verzeihen.

So gesellte sich zum deutschen 0:1 gegen Frankreich eine weitere Niederlage für das DFB-Team. Über lange Jahre hinweg war Joachim Löw aus tiefer Überzeugung der Tugendwächter eines freundlichen Fußballs aus deutschen Landen gewesen. Grimmige Grimassen im DFB-Team sind inzwischen zwar ausdrücklich erwünscht, sollten aber regelkonform eingesetzt werden.

EM 2021: Joachim Köw bastelt am DFB-Team

Zum Ende seiner Ära bastelt Löw an einer Mannschaft, die auf ihrer Identitätssuche im Sommer der EM 2021 noch nicht fündig geworden ist. Niemand kann derzeit präzise sagen, wofür dieses Team gerade steht. So viel ist aber an diesem lauen Frühsommerabend vor 13 500 freundlich gesonnenen Fans in München sichtbar gewesen: Der Wille und die Energie sind da, das Investment war groß, der Ertrag jedoch klein.

Viel war im Vorfeld von den Rückkehrern Mats Hummels und Thomas Müller geschrieben worden. Sie sollten ein Faktor sein, der Erfolg verspricht. Das Versprechen konnten beide nicht einhalten, dafür war der Weltmeister zu groß. Hummels machte mit seinem Eigentor das Unglück perfekt. Tief in der Nacht drückte er auf seinem Instagram-Kanal die Enttäuschung darüber aus. Ohnehin war er nur das letzte Glied einer Fehlerkette gewesen. Schicksal eines Abwehrchefs.

Deutschland startet mit Niederlage in EM 2021 - Gemischte Gefühle bei den Spielern

Die deutschen Spieler wirken hin- und hergerissen. Einerseits fanden sie, seien sie „dem Weltmeister ebenbürtig“ (Ilkay Gündogan) und „nicht die schlechtere Mannschaft“ gewesen (Joshua Kimmich), andererseits sprachen beide Spieler aber auch Unzulänglichkeiten an. Kimmich: „Unterm Strich war das dann doch zu wenig, weil wir vorne zu harmlos waren.“ Gündogan: „Wir haben es versäumt, mit ein, zwei Spielern mehr nach vorne durchzustoßen.“

Löws Lehrplan vor der großen Hausnummer Frankreich hatte vordringlich Defensivarbeit beinhaltet. In der kurzen Zeit bis zum Samstagspiel gegen Portugal (18 Uhr/ARD) will der Bundestrainer noch ein paar mehr offensive Inhalte draufpacken. Über die Dringlichkeit herrscht Einigkeit. Die Automatismen, über viele Jahre hinweg Löws Lieblingsvokabel, sind etwas verschütt gegangen.

EM 2021: Kritik an DFB-Elf nach Niederlage gegen Frankreich

Auch Müller kam über hoffnungsvolle Ansätze letztlich nicht hinaus, er fand zu wenig Bewegungsfläche in französischer Strafraumnähe. „Frankreich ist auch Weltmeister im Verteidigen“, erklärte der Bundestrainer die Raumnot richtig. Hinzu kam aber auch: Die bereits gepaukten Standards verpufften in Harmlosigkeit. Auch hier will Löw „in den nächsten zwei, drei Tagen nochmal den Hebel ansetzen“. Es sind ziemlich viele Hebel.

Bei aller berechtigten Kritik - es gibt derzeit keinen erkennbaren Grund, die deutsche Mannschaft in Schutt und Asche zu legen. Man wusste vorher, dass es gute Stürmer hierzulande gibt, aber keinen typischen Torjäger und auch keinen Angreifer von der Qualität des Kylian Mbappé. In Tempo und Technik halten die international anerkannten Serge Gnabry, Kai Havertz, Thomas Müller, Leroy Sané und Timo Werner mit dem französischen Wunderstürmer schlicht nicht mit. Dafür können sie nichts und dafür kann auch Löw nichts.

Deutschland muss aus der Niederlage gegen Frankreich Lehren ziehen

Hinzu kam die wuchtige Präsenz von Paul Pogba, der gemeinsam mit N’Golo Kanté und Adrien Rabiot dafür sorgte, dass Toni Kroos und Gündogan ständig defensiv beschäftig waren und sich somit zu wenig um die deutsche Offensive kümmern konnten. Kroos erledigte seine Arbeit mehr als vorschriftsgemäß, ganz so, als wollte er zeigen, dass manche Abgesänge auf ihn voreilig verfasst worden wären.

Mit Blick auf Portugal macht sich der Mittelfeldspieler nichts vor: „Wenn du das erste Spiel verlierst und drei Gruppenspiele hast, ist der Druck hoch – da brauchen wir nicht drüber zu reden.“ Redebedarf herrscht nun vor allem übers Spielsystem. Damit keine Zweifel aufkommen, hat Robin Gosens schon mal klargestellt: „Wir werden Vollgas geben. Das kann ich versprechen.“ Das Vollgas sollte nur in die richtigen Bahnen gelenkt werden. (Jan Christian Müller)

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