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Gelbe Karte für Brigitte Macron: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron besucht Nationaltrainer Didier Deschamps (rechts). afp
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Gelbe Karte für Brigitte Macron: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron besucht Nationaltrainer Didier Deschamps (rechts). afp

EM 2021

Deutscher EM-Gegner Frankreich: Urvertrauen in die Weltmeister

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Trainer Didier Deschamps setzt bei Frankreich beharrlich auf die Weltmeister von 2018 - und den begnadigten Stürmerstar Karim Benzema.

Es war ein Bild, das mehr als nur Vertrautheit verriet. Zwei Männer unter einem Sonnenschirm. Der eine sitzt im Schatten mit einem weißen Poloshirt, der andere steht, trägt weißes Hemd, dunkle Krawatte – und Maske. Ihre Hände berühren sich, beide lachen. Es sind der französische Fußball-Nationaltrainer Didier Deschamps und Emmanuel Macron, die auf einem über den Twitter-Account des französischen Staatspräsidenten veröffentlichten Foto den Schulterschluss demonstrieren. Der Besuch im Basiscamp der französischen Nationalmannschaft in Clairefontaine erfolgte nicht zufällig.

Wenn Macron bei seiner Stippvisite betont, dass der Sport zu Momenten der nationalen Einheit beitragen kann, dann ist damit der Fußball im Allgemeinen, die Equipe tricolore im Speziellen gemeint. Unterschiedliche Kulturen, verschiedene Religionen: Das darf keine Rolle spielen, wenn der Ball rollt. Es gab Turniere, in denen haben verhätschelte Jungstars solche Werte mit Füßen getreten – der negative Höhepunkt ereignete sich bei der WM 2010 mit einem Sitzstreik im Mannschaftsbus im südafrikanischen Knysna. Doch das sind alte Kamellen, mit denen Deschamps nichts mehr zu tun hat.

Seine Inthronisierung 2012 war verknüpft mit dem Leitgedanken, dass alle für ein Ziel einstehen – und nach dem etwas unglücklichen Viertelfinalaus bei der WM 2014 gegen Deutschland (0:1) und der noch unglücklicheren Finalniederlage bei der Heim-EM 2016 gegen Portugal (0:1 n.V.) führte der mitunter strenge „General“ die hochbegabte Auswahl ans Ziel: Der WM-Titel 2018 erfolgte im Rückblick mit fast chirurgischer Präzision. Im Grunde hatte der Coach sein Grundgerüst schon beim ersten WM-Gruppenspiel gegen Australien (2:1) zusammen. Wer die Aufstellungen vom 16. Juni 2018 in Kasan mit jener Formation abgleicht, die nun am 15. Juni gegen Deutschland in München erwartet wird, der stellt Erstaunliches fest: Auf neun Positionen ist alles unverändert.

Vor Torwart und Leitfigur Hugo Lloris stellen sich damals wie heute die Außenverteidiger Benjamin Pavard und Lucas Hernandez auf, die inzwischen beim FC Bayern angestellt sind. Raphael Varane verteidigt zentral, N’golo Kanté, Paul Pogba und Corentin Tolisso bilden das Dreier-Mittelfeld, vorne tummeln sich Superstar Kylian Mbappé und – neuerdings etwas zurückgezogener in einer Spielmacherrolle – Antoine Griezmann. Neu sind nur der zweite Innenverteidiger Presnel Kimpembe und ein prominenter Angreifer: Karim Benzema, nach sechs Jahre Denkpause begnadigt. „Mich hat das nicht gefreut“, sagte Toni Kroos, sein Vereinskollege bei Real Madrid beim Medientag der DFB-Auswahl mit einem Augenzwinkern. „Von mir aus hätten die Franzosen damit bis zum zweiten Gruppenspiel warten können.“

Respekt vor Benzema

Kroos weiß eben um die Abschlussqualität des 33 Jahre alten Mittelstürmers, wobei nach Benzemas Auswechslung im Test gegen Bulgarien (3:0) der ein Jahr ältere Vertreter Olivier Giroud einen Doppelpack schnürte. Ansonsten haben Routiniers eher wenig zu melden: Längst sammelt sich im französischen Fußball so viel unverbrauchte Klasse, dass die Nation zwei Teams in diese EM schicken könnte – beide hätten Titelchancen. Dass der Trainer aber – ähnlich wie Joachim Löw 2018 – erstmal an den Weltmeistern festhält, ist einerseits nachvollziehbar. Andererseits weiß Deschamps auch um die Gefahren.

„Es ist immer die gleiche Herausforderung für ein Land, das ganz oben ankommt: Das Schwierigste ist, dort zu bleiben. Das Risiko der Fallhöhe ist immer da“, sagte der 52-Jährige in einem „Kicker“-Interview. Der Besuch von Macron hat ihm übrigens geschmeichelt. Denn der oberste Mann im Staate kürte bei seinem Besuch nicht nur Mbappé und Benzema ausdrücklich zu Vorbildern, sondern sagte über Deschamps: „Er ist ein großartiger Trainer.“ Vermutlich hatte er ihm etwas Ähnliches bereits am Sonnenschirm geflüstert.

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