Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Vor dem Wembley-Stadion hält eine Mitarbeiterin ein Schild hoch, das die Fans daran erinnert ihr negatives Corona-Testergebnis bereitzuhalten.
+
45.000 Zuschauer sollen beim Spiel der DFB-Elf gegen England im Wembley-Stadion zugelassen werden - der beunruhigt Experten.

Corona in Großbritannien

Sorge wegen EM-Spiel in Wembley: Experten fordern weniger Zuschauer

  • Isabel Wetzel
    VonIsabel Wetzel
    schließen

Die Corona-Infektionszahlen in Großbritannien steigen rasant an - die Delta-Variante breitet sich aus. Trotzdem soll das EM-Achtelfinale der DFB-Elf vor 45.000 Zuschauern stattfinden.

London ‒ Die Corona*-Lage in Großbritannien ist angespannt. Trotz hoher Impfquoten im Land steigen die Infektionszahlen wieder rapide an. Der Grund dafür ist die Verbreitung der zuerst in Indien nachgewiesenen Delta-Variante des Coronavirus. Die Sieben-Tage-Inzidenz in Großbritannien liegt am Montag (28.06.2021) bei 151,1 - und trotzdem soll am Dienstag das Achtelfinale der EM 2021* zwischen Deutschland und England* stattfinden - vor 45.000 Zuschauern.

Mit Blick auf Lockerungen der Corona-Maßnahmen müssen sich die Briten eigentlich vorerst weiter gedulden. Ursprünglich sollten weitere Lockerungen am 21. Juni in Kraft treten, Premierminister Boris Johnson hatte die Maßnahmen dann aber bis zum 19. Juli verlängert. Für die Fußball-EM scheint es aber Ausnahmen zu geben.

EM 2021: Die aktuelle Corona-Lage in Großbritannien

7-Tage-Inzidenz151,1
Neuinfekionen14.633
Infektionen seit Beginn der Pandemie4.748.644
Neue Todesfälle11
Todesfälle seit Beginn der Pandemie128.364
Quelle: Johns Hopkins Universität (Stand: 28.06.2021)

In Großbritannien ist die Zahl der Coronavirus-Fälle aufgrund der Delta-Variante derzeit auf den höchsten Stand seit Anfang Februar gestiegen. Am Samstag (26.06.2021) vermeldeten die Behörden 18.270 neue Fälle, am Montag 14.633. Damit hat sich die Zahl der Neuinfektionen im Vergleich zur Vorwoche etwa verdoppelt. Und trotzdem sollen im Rahmen der Europameisterschaft in London von Spiel zu Spiel mehr Menschen in das Stadion gelassen werden.

Während für das erste Achtelfinale in London zwischen Italien und Österreich (2:1 n.V.) am Samstag (26.06.2021) noch 21.500 Besucher zugelassen waren, dürfen beim Klassiker England gegen Deutschland am Dienstag (29.06.2021) 45.000 Fans in die Arena. Ab Halbfinale hat der europäische Fußballverband UEFA die Kapazität dann auf 60.000 Fans festgesetzt.

„Schon grenzwertig“: Gosens über Zuschauer beim England-Spiel in Wembley

Das halb volle Wembley-Stadion im EM-Achtelfinale und die angekündigte weitere Zuschauer-Erhöhung für die Halbfinals und das Endspiel werden auch im Kreis der deutschen Nationalmannschaft* mit Skepsis gesehen. „Ich finde es schon grenzwertig“, sagte Robin Gosens* am Sonntag (27.06.2021) in Herzogenaurach. Immerhin spiele man in dem Land, in dem die Inzidenzzahlen wieder hoch seien. „Wir wissen, dass wir in der Bubble leben und weitgehend abgeschottet sind. Wir fühlen uns schon sicher“, bemerkte der Profi. Aber wenn man das Gesamtbild sehe, „ist es sicher alles andere als optimal“.

EM-Achtelfinale Deutschland - England: Braun warnt Fans vor Delta-Variante des Coronavirus

Von den 45.000 Fans, die am Dienstag im Wembley-Stadion zugelassen sind, werden schätzungsweise auch 1500 bis 2000 Anhänger des DFB-Teams sein - allerdings keine mit Wohnsitz in Deutschland. Denn aufgrund der sich rasant ausbreitenden Delta-Variante sind nur Personen mit Wohnsitz in Großbritannien, Irland, Isle of Man, Guernsey und Jersey zugelassen. Kanzleramtschef Helge Braun (CDU*) rät den deutschen Fußball-Fans aber ohnehin von einer Reise zu den entscheidenden EM-Spielen ab.

„Meine große Sorge ist die Delta-Variante* in Großbritannien – und London ist ein Austragungsort. Man sollte nicht in Virusvariantengebiete reisen“, sagte der CDU-Politiker in einem Interview dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Großbritannien gilt in Deutschland bereits seit Mai als Virusvariantengebiet*. Braun betonte in diesem Zusammenhang: „Wer nach London fährt, muss zwei Wochen in Quarantäne, wenn er nach Deutschland kommen möchte.“

EM 2021 trotz angespannter Corona-Lage: Delta-Variante als Brandbeschleuniger?

Für die Spieler belastend, für die Fans ein Ärgernis - und aus Klima- und Pandemie-Sicht ohnehin eine ganz schlechte Idee: Mit der steigenden Zahl an Reisen kreuz und quer über den Kontinent in der K.o.-Phase der Fußball-EM wächst auch die Kritik am Spielplan mit Partien in elf Städten in ganz Europa. Viele Experten warnen davor, dass die Delta-Variante des Coronavirus während der EM 2021 zum Brandbeschleuniger wird.

Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach* blickt mit großer Sorge auf das anstehende Achtelfinalspiel der DFB-Elf. Lauterbach forderte im Gespräch mit dem Tagesspiegel, statt einer Auslastung von zwei Dritteln nur jeden fünften Platz im Londoner Stadion zu besetzen. Bei einem Fassungsvermögen von 90.000 Sitzplätzen wären das insgesamt 18.000 Zuschauer, so der SPD*-Politiker. Dass das Achtelfinale zwischen Deutschland und England, sowie die Halbfinals und das Finale der Europameisterschaft überhaupt in Großbritannien stattfinden, hält Karl Lauterbach für ein falsches Signal.

Wir haben jetzt die größte Mühe, die Bürger zu überzeugen, dass sie Risikogebiete wie derzeit auch Lissabon meiden sollten – und dann wird für den Fußball eine Ausnahme gemacht.

Karl Lauterbach

Corona-Lage in Großbritannien: K.o.-Spiele der EM dürften hier nicht stattfinden

Die Ausbreitung der Delta-Variante solle in Deutschland möglichst niedrig gehalten werden, erklärte auch Immunologe Carsten Watzl im ZDF-Morgenmagazin. In einem Land, in dem die Inzidenz jüngst bei über 150 liegt, dürfe ein solcher Wettbewerb nicht stattfinden, „Da sind sicherlich volle Fußballstadien das falsche Signal“.

Zuvor hatte sich bereits die Sportausschuss-Vorsitzende des Bundestags, Dagmar Freitag, mit Blick auf die hohen Zuschauerzahlen in Wembley kritisch geäußert. „Diese Leute gehen zurück in ihre Familien, Freundeskreise und an ihren Arbeitsplatz. Die UEFA nimmt zumindest billigend in Kauf, dass sich sehr viele noch nicht geimpfte Menschen infizieren“, sagte Freitag im Gespräch mit WDR 5. „Es ist erschreckend, wie wenig Rücksicht in Zeiten einer weltweiten Pandemie der organisierte Sport auf die Gesundheit der Menschen nimmt.“ (iwe) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare