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Fußball-EM

EM 2021: „Böse und eklig“ - Jogi Löws Plan gegen Frankreich

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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„Zeichen setzen“, nicht immer nur „lieb, lieb, lieb, lieb“ – so will Joachim Löw mit Deutschland gegen Frankreich bestehen.

Es ist ein milder Sommerabend in Marseille am 7. Juli 2016, EM-Halbfinale im Stade Velodrome: Frankreich gegen Deutschland. Als der Weltmeister dann 0:2 verloren hat, sagt der Bundestrainer: „Wir waren die bessere Mannschaft. Wir hatten den Franzosen etwas voraus.“ Die Pose eines Verlierers war das damals nicht. Fünf Jahre später sind die Vorzeichen umgekehrt: Heimrecht für Deutschland, den Weltmeister zu Gast. Damals war Deutschland Favorit, diesmal ist es Frankreich.

Es wird am Dienstag (heute, 21 Uhr, im Free-TV) eine deutsche Elf ins die Münchner Arena einmarschieren, deren offensiver Geist, der sie 15 Jahre lang durch die Ära Jogi Löw trug, sich hinter ein paar Barrikaden versteckt. „Frankreich spielt sehr variabel. Wir müssen sie von unserem Tor weghalten“, sagt der Bundestrainer angemessen kleinlaut. Das Trauma von Moskau möchte er nicht noch einmal erleben: Luschniki-Stadion, 17. Juni 2018. WM-Auftakt gegen Mexiko. Deutschland wird eiskalt ausgekontert. Verzweifelt rufen die Innenverteidiger Mats Hummels und Jerome Boateng ihre Mitspieler zurück. Aber niemand hört. Toni Kroos und Sami Khedira interpretieren Fouls an ihnen als Majestätsbeleidigung. Falsche Taktik, falsche Einstellung, ein Sturmlauf ins Verderben. 0:1, der Anfang vom Ende.

Deutschland gegen Frankreich: „Kein Funken Überheblichkeit“

Das wird nicht wieder passieren. Der Popanz der Arroganz ist unsichtbar. „Es gibt bei uns keinen Funken von Überheblichkeit“, glaubt Thomas Müller. Zudem: Frankreich 2021 ist eine Equipe, die niemand unterschätzt. Ilkay Gündogan (30), der gemeinsam mit Toni Kroos (31) das zentrale Mittelfeld bilden soll, sagt: „Es kann sein, dass wir den Ballbesitz größtenteils abgeben müssen.“ Das ist auch deshalb eine bemerkenswerte Vorausschau, weil er selbst bei Manchester City und Kroos bei Real Madrid das Ballbesitz-Gen tief in sich tragen. Die beiden Meister des Passspiels gehören nicht zur Spezies der Ballklauer wie ihre Kontrahenten Paul Pogba und N’golo Kanté. Das weiß Gündogan und fordert deshalb Unterstützung: „Es ist extrem wichtig, dass die drei Verteidiger hinter uns mit rausstoßen und uns helfen, viele Bälle zu erobern. Wir müssen die Franzosen zwingen, auch mal hinter uns herzulaufen.“

Bundestrainer Löw (r) und Antonio Rüdiger wollen 2021 nicht nur „schön“ spielen. Christian Charisius/dpa

Kroos glaubt, dass die Feinabstimmung schon besser ausjustiert worden ist im Training: „Wir haben den einen oder anderen Schritt nach vorn gemacht, was Klarheit angeht.“ Aber ob die Umsetzung auch klappt? Kroos ist selbst gespannt: „Das, was wir trainiert haben, sollte gegen Frankreich dann besser sofort funktionieren.“

Deutschland gegen Frankreich: DFB-Elf will „eklig sein, nicht immer lieb“

Zum Beispiel ein perfekt abgestimmtes Pressing. Jeder muss kapieren, wann es losgeht, jeder muss dabei sein, weil die Franzosen Lücken sofort erkennen. „Den Gegner nach außen leiten, Triggerpunkte setzen und dann draufgehen.“ So stellt sich Antonio Rüdiger das vor. Der grimmige 28-Jährige ist hinter seiner schwarzen Carbonmaske zu einem zentralen Faktor geworden. Auch verbal gibt der Stopper des FC Chelsea die Richtung vor – ganz im Sinne eines Bundestrainers, der sich auf seine alten Tage neu erfunden hat. Rüdigers Credo ist Programm: „Einfach eklig sein, nicht immer lieb, lieb, lieb, lieb, lieb oder alles spielerisch schön, schön, schön versuchen. Gegen solche Spieler musst du auch mal ein Zeichen setzen – früh.“ Da geht dem Bundestrainer, der von „Zeichen setzen“ früher gar nichts hielt, anno 2021 das Herz auf.

Bei aller defensiver Bereitschaft, sich das Trikot auch mal bei einer zünftigen Grätsche schmutzig zu machen – natürlich soll es keine Abwehrschlacht geben. Die Deutschen wollen tiefer stehen, den flinken französischen Weltklassestürmern Antoine Griezmann, Kylian Mbappé und Karim Benzema keine allzu großen Räume hinter der Dreierkette geben, aber sie wollen sich auch nicht zu klein machen.

Deutschland geht selbstbewusst ins Spiel gegen Frankreich

Löws Assistent Marcus Sorg sagt: „Man darf bei aller Stärke der Franzosen nicht vergessen: Wir sind auch eine gute Mannschaft mit vielen Qualitäten. Wir brauchen unsere Spieler nicht starkzureden. Wir sind stark!“ Sechs Champions League-Sieger der Jahre 2020 und 2021 werden der deutschen Startelf angehören, fünf weitere sitzen auf der Bank. Das ist ein Pfund, mit dem man auch gegen einen Weltmeister wuchern kann. Toni Rüdiger macht sich noch ein bisschen größer und breiter und guckt noch ein bisschen böser: „Auf dem Papier sieht Frankreich stärker aus, aber das ist nur Papier.“ (Jan-Christian Müller)

Rubriklistenbild: © dpa

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