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Public viewing, so wie hier 2018 in Deutschland, sollte es dieses Jahr besser nicht geben.
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Public viewing, so wie hier 2018 in Deutschland, sollte es dieses Jahr besser nicht geben.

Die EM wird kein Reisefieber auslösen

Abgespeckte Party

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Vermutlich ist bei der Europameisterschaft nicht der Stadionbesuch das Problem, sondern das Fan-Verhalten davor und danach.

Auch die nach der ungarischen Fußball-Legende Ferenc Puskas benannte Arena in Budapest gehört zu jenen Schmuckkästchen in der Stadion-Landschaft, die den ursprünglich veranschlagten Kostenrahmen sprengten. Umgerechnet fast 600 Millionen Euro war der Tempel schlussendlich teuer, der am 15. November 2019 eingeweiht wurde. Mit einem Freundschaftsspiel der ungarischen Nationalelf gegen Uruguay. Weitaus größere Aufmerksamkeit wird aber der nächste Termin erfahren: Am 15. Juni 2021 wird hier das EM-Gruppenspiel der Magyaren gegen Portugal steigen, und es ist deswegen ein Meilenstein, weil es das erste große internationale Partie in der Pandemie vor ausverkauftem Haus sein wird. Mit mehr als 67 000 Zuschauen. Nirgendwo sind mehr Fans zugelassen. Auch Baku und St. Petersburg wagen sich bislang nur an eine 50-prozentige Auslastung.

Die ungarischen Behörden argumentieren: Die Siebentagesinzidenz der Donaumetropole lag zuletzt bei elf, mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist dank des Einsatzes von chinesischen und russischen Vakzinen geimpft, die Stadionzuschauer müssen getestet sein. Das Signal, das der rechtsnationale Ministerpräsident Viktor Orban mit seiner engen Verflechtung speziell in den Fußball senden will: Seht her, was möglich ist. Ob es verantwortungsbewusst ist, nach mehr als einem Jahr Geisterspiele die Stadiontore gleich wieder so weit zu öffnen, kann nicht mal Ungarns Nationaltorwart Peter Gulacsi sagen. „Wir müssen im Fußball die gleichen Schritte machen wie die ganze Gesellschaft im Leben, wir dürfen nicht zwei Schritte vorauseilen. Die generelle Situation in Ungarn ist sehr gut. Von daher kann ich das gut nachvollziehen und unser Land verstehen: Es ist eine einmalige Gelegenheit“, sagte der Keeper von RB Leipzig im „Kicker“. Er hoffe, dass alles gut über die Bühne gehe und alle gesund bleiben.

Als Ausrichter trägt Europas Fußball-Union (Uefa) letztlich die Verantwortung. Es sind schließlich zwei Partien unter Uefa-Hoheit Anfang 2020, die als Superspreader eindeutig identifiziert worden sind: Die Champions-League-Achtelfinals zwischen Atalanta Bergamo und FC Valencia in Mailand und FC Liverpool gegen Atletico Madrid sind unrühmliche Beispiele, wie Fanbewegung die Virusverbreitung befeuerten. Weil jeweils tausendfach angereiste Anhänger zusammenkamen, die sich vor und nach dem Spiel in Gruppen in Kneipen, Pubs und Restaurants versammelten.

Uefa appelliert an Vernunft

Ob es eine gute Idee ist, in Kopenhagen auf dem Ofelia-Platz nahe dem Hafen Nyhavn ein Fußballdorf oder im Budapester Stadtwäldchen eine Fanzone zu planen? Amsterdam beispielsweise will hingegen selbst Videoschirme im Freien und in Kneipen verbieten. Dass es immer noch gefährlich ist, drinnen in größeren Gruppen zu trinken, singen und feiern, müsste sich eigentlich von selbst verstehen.

Sicherheitshalber hat Turnierchef Martin Kallen eindringliche Hinweise formuliert. „Die erste Priorität, zweite Priorität und dritte Priorität bei einem Turnier ist immer die Sicherheit der Fans. Damit bitten wir die Fans, im Voraus zu planen. Kommen Sie pünktlich; hetzen Sie nicht zum Stadion“, bat der besonnene Schweizer über die Uefa-Homepage. „Tragen Sie eine Maske. Halten Sie, wenn möglich, Abstand zu anderen und stellen Sie die Sicherheit bei allem, was Sie tun, in den Vordergrund.“ Doch es wäre nicht das erste Mal, das die Appelle an die Vernunft nicht bei allen Anhängern Gehör finden.

Viel wird davon abhängen, welches Reiseaufkommen es überhaupt gibt. Genaue Zahlen, wie viele Fans wohin reisen, sind schwierig zu bekommen. Die größte EM-Party aller Zeiten, die der heutige Fifa-Chef Gianni Infantino, vor neun Jahren als Generalsekretär ausgerufen hatte, wird es nicht geben; zu den sonst üblichen Fan-Massenbewegungen in Billigfliegern, die aus Sicht von Klimaschutz und Nachhaltigkeit teilweise grotesk gewesen wären, wird es nicht kommen. Auch die Corona-Einreiseregeln stellen teilweise unüberwindbare Hürden dar.

Beispiel Ungarn: Ausländer können bis heute nicht einfach so einreisen. Wer eine Eintrittskarte besitzt, darf maximal 72 Stunden im Land bleiben, braucht aber einen PCR-Test für die Einreise und einen weiteren für den Stadionbesuch. Ein negativer Test ist ohnehin in den meisten der elf Ausrichterstädte (ersatzweise eine überstandene Corona-Infektion oder ein Impfnachweis) notwendig. Eingedenk solcher Vorsichtsmaßnahmen bei sinkenden Inzidenzen: Vermutlich ist nicht der Stadionbesuch das Problem, sondern das Verhalten davor und danach. In diesem Falle könnte das Public Viewing das eigentliche Risiko dieses paneuropäischen Pionierprojekts beinhalten.

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