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Corona und Gastronomie

Saure Zeiten für den Apfelwein

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Kelterer widersprechen der Landesregierung: Die Lage sei keineswegs solide. Umsatzeinbrüche, weil Gaststätten geschlossen sind – und die Eintracht fehlt auch.

Gute Nachrichten liest der Mensch ja gern. Die hessischen Apfelwein- und Fruchtsaft-Keltereien hätten bislang „keine massive Eintrübung ihres Geschäfts wegen der Corona-Pandemie“ verspürt, berichtete das Wirtschaftsministerium in Wiesbaden im Januar. Die wirtschaftliche Situation der Branche sei „nach wie vor solide“, zitierte die dpa aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der SPD-Fraktion im Landtag.

Dann ist ja alles in Ordnung. Oder? Nein. „Diese Meldung hat uns überrascht“, sagt der Frankfurter Keltereichef Peter Possmann. „Es hat uns sehr verwundert, wie die Landesregierung die Lage einschätzt“, sagt auch Volker Thoma, Geschäftsführer bei Rapp’s in der Wetterau.

Seit Monaten geschlossene Gaststätten, keine Veranstaltungen, keine Tagungen: „Wir sind natürlich voll betroffen“, sagt Possmann. Auch der Wegfall des Fußball-Bundesligabetriebs mit den Heimspielen der Eintracht bedeute den Verlust eines großen Absatzmarkts. „Das ist gravierend für eine Kelterei.“

Der größere Teil des Geschäfts, sagt der Leiter des 140 Jahre alten Frankfurter Traditionsbetriebs, laufe nach wie vor über den Lebensmittelhandel. „Aber die Gastronomie ist ein wichtiger Posten – da wird Apfelwein ganz anders erlebt.“ Zwölf Millionen Liter Getränke produziert Possmann im Jahr. Als es losging mit Corona im vorigen März, sei das Thema bei dem Unternehmen mit seinen gut 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr emotional aufgenommen worden. „Was machen wir“, hieß es, „wenn uns 30 bis 40 Prozent des Geschäfts wegfliegen?“

Erdbeben für Gastronomie

Der Betrieb sei zu groß für die Soforthilfen, sagt Peter Possmann. Er könne allenfalls ein Darlehen aufnehmen, aber wie zurückzahlen? „Diese Zeit mit Corona ist ein ganz schweres Erdbeben für die Gastronomie.“ Und für die Getränkebranche. Viele Mitarbeiter seien in Kurzarbeit.

Das gleiche Bild bei Rapp’s. Kurzarbeit, der Blick auf die schrumpfenden Absatzzahlen, die Frage, wie es weitergehen soll. „Bis zum dritten Quartal hatte der Verkauf im Handel gut zugelegt“, blickt Volker Thoma zurück. Aber auch zu dem Zeitpunkt habe der Betrieb im Minus gelegen – und dann kam der Winter, traditionell nicht gerade die Hochkonjunktur des Apfelweins. „Der Januar war eine kleine Katastrophe“, sagt Thoma. Die Verluste lagen im zweistelligen Prozentbereich.

Bedeutet das eigentlich: Apfelwein und Fruchtsaft wegschütten, alles, was übrigbleibt? Das nicht: „Beim Apfelwein ist es eher unkritisch“, sagt Thoma. Das Stöffche bleibe in den Tanks und verderbe so schnell nicht. Bei den Säften entstünden die Lagerprobleme eher in den Lieferketten, also bei den Unternehmen, die Rapp’s belieferten, und die ebenfalls hart betroffen seien. Vernichtet werden müsse nur, was die Gastronomie zurückgebe, weil sie es nicht ausschenken könne. Die Flaschenware dürfe nicht ein zweites Mal in Umlauf gelangen.

Und die Perspektive? Solange die Restaurants geschlossen sind, die Jahrmärkte abgesagt, die Bundesliga eine Geisterrunde: naturtrüb. „Es ist ein echter Einschnitt, so ferngesteuert zu sein“, sagt Peter Possmann. „Aber wir schaffen das.“

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