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Roland Frischkorn (67) ist seit dem Jahr 2000 Vorsitzender des Sport-kreises Frankfurt.
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Roland Frischkorn (67) ist seit dem Jahr 2000 Vorsitzender des Sport-kreises Frankfurt.

Breitensport

Frankfurt: „Sport unter Corona-Bedingungen muss wieder möglich sein“

  • Peter Hanack
    VonPeter Hanack
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Roland Frischkorn vom Sportkreis Frankfurt hält die vielen Verbote für grundfalsch. Im Interview erklärt er, wie man es besser machen kann.

Fußballtraining, Gewichte stemmen im Fitnessstudio, eine Runde im Hallenbad schwimmen oder auch nur im Pulk radfahren oder laufen gehen: Die Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie machen regelmäßiges Sporttreiben und Bewegung gerade für Kinder und Jugendliche nahezu unmöglich. Kinderärzte und Psychologen warnen bereits vor den Folgen für Körper, Geist und soziales Miteinander. Da muss sich etwas ändern, findet Roland Frischkorn vom Sportkreis Frankfurt. Und zwar schnell.

Herr Frischkorn, wie halten Sie sich fit?

Mir fehlt mein Sportstudio. Ich kann Geräte nutzen, die wir im Sportkreis haben. Das ist nicht dasselbe, aber ich fühle mich dennoch privilegiert.

Sie sind Jahrgang 1953. Reden wollen wir vor allem über Kinder und Jugendliche. Die verbringen immer mehr Zeit vor dem Bildschirm, nicht nur zum Spielen, sondern auch zum Lernen.

Die bekommen ja schon rechteckige Augen, das ist das Gegenteil von dem, was wir wollen und für richtig halten. Im vergangenen Jahr konnten wir zum Glück für wenige Monate unser Projekt „Schulkids in Bewegung“ verwirklichen, immerhin für 72 Klassen. Im Herbst haben wir den Sport- und Motoriktest mit 1800 Schülerinnen und Schülern umgesetzt. Das alles ja auch unter den Bedingungen von Corona. Die Erfahrungen haben uns gezeigt, dass das möglich ist. Es klappt gut, wenn man es entsprechend organisiert. Wir treten seit Beginn des ersten Lockdowns vehement dafür ein, dass Sport stattfindet. Die Weltgesundheitsorganisation sagt ja auch, dass es das Verkehrteste ist, was man tun kann, in Pandemiezeiten Sport und Bewegung herunterzufahren.

Warum hat der Sport in den gesellschaftlichen Debatten und bei den politischen Entscheidern dennoch offenbar einen so geringen Stellenwert?

Die Politik scheint den Profi- und Wettkampfsport als einzigen Sport überhaupt wahrzunehmen, der findet ja auch statt, unter hohem Aufwand und mit viel Geld, das da hineingesteckt und auch verdient wird. Der Sport in der Breite scheint überhaupt nicht zu interessieren. Ich bin kein Corona-Leugner, ich bin von meiner Erstausbildung her Biolaborant, ich weiß, was Viren sind und wie gefährlich sie uns werden können. Ich gehe davon aus, dass uns Corona noch länger begleiten wird. Da hilft es uns nicht, Maßnahmen zu treffen, die dauerhaft wichtige Bereiche unserer Gesellschaft stilllegen. Wir fordern ein gesellschaftliches Leben mit dem Virus.

Wie wollen Sie das erreichen?

Unser Stufenkonzept sieht vor, dass Sport auch bei einer Inzidenz von über 150 stattfinden kann, das ist die Stufe rot. Auch dann soll Sport möglich bleiben, dann für zwei Personen unter Einhaltung der Hygieneregeln, also etwa Badminton, ein Tennis-Einzel, ein gemeinsamer Waldlauf. Für eine Inzidenz zwischen 100 und 150, der Stufe orange, fordern wir, dass Trainings- und Bewegungsmöglichkeiten wieder in Zehnergruppen möglich sind, allerdings kein Wettkampfsport. Dann lassen sich die Regeln einhalten, die Teilnehmer können namentlich registriert werden, und sollte es eine Infektion geben, lassen sich die Kontakte nachverfolgen. Die Sportvereine haben das nach dem ersten Lockdown hervorragend gemacht. Dennoch ist nach wie vor alles massiv eingeschränkt, als wäre die Inzidenz weit über 150.

Die Zehnergruppen sollen auch in Hallen Sport treiben können?

Ja, wenn die Flächen groß genug sind, sodass der Abstand eingehalten und gelüftet werden kann.

Öffnungskonzept

Der Sportkreis Frankfurt hat ein Stufenkonzept erarbeitet, nachdem Sport- und Bewegungsangebote wieder ermöglicht werden könnten.

420 Frankfurter Turn- und Sportvereine mit mehr als 260 000 Mitgliedern gehören dem Sportkreis an. pgh

Mehr Informationen gibt es unter www.sportkreis-frankfurt.de

Warum gibt es dann so wenig Sport für Kinder und Jugendliche, wenn es doch möglich scheint, ihn auszuüben?

Weil alles über einen Kamm geschoren wird und man nicht differenziert danach schaut, was möglich ist. Bewegung ist gerade für Kinder immens wichtig, wir drängen sie aber ins Private, in häufig beengte Wohnverhältnisse. Dorthin, wo die Infektionsgefahr viel größer ist als unter kontrollierten Bedingungen, wie sie der organisierte Sport bieten kann.

Die Stufe gelb wäre dann das Fenster zwischen einer Inzidenz zwischen 50 und 100? Dort befinden wir uns zurzeit in Hessen.

Ja. Unserem Konzept zufolge wäre jetzt Sport in Zehnergruppen möglich, bei ausreichend Platz könnten auch mehrere Zehnergruppen, etwa in einer großen Sporthalle, trainieren.

Was spricht dagegen, auch jetzt schon zu erlauben, dass beispielsweise ein Fußball- oder Handballtrainer seinen Sportlern und Sportlerinnen anbietet, gemeinsam einen Dauerlauf und anschließend mit Abstand Hampelmänner und Liegestütze zu machen?

Nichts spricht dagegen, und deshalb kann ich diese Einschränkung auch nicht nachvollziehen. Es ist doch verrückt, Sport in den Freizeitbereich einzugruppieren und nicht in den Bildungsbereich.

Wie begründen Sie das?

Die Vereine sind die Gesundheitsanbieter Nummer eins, auch für die Älteren mit Angeboten wie dem Koronarsport, Bewegungsangeboten nach Krebserkrankungen oder für Menschen mit Demenz, Rückenschule oder das Projekt mit mehr als 30 Vereinen allein in Frankfurt „Aktiv bis 100“ für Menschen über 70 Jahren. Das kann man doch nicht alles auf dem Bildschirm anbieten, dafür braucht es Anleitung und Kontrolle der Übungen. Das Gleiche gilt für den Sport mit Kindern und Jugendlichen. Was da virtuell geboten wird ist ja ehrenhaft, kann doch aber das gemeinsame Sporttreiben überhaupt nicht ersetzen. Diese Gruppen sind auch die Hauptleidtragenden des Lockdowns. Da werden die Gesundheitsprobleme der Zukunft in Kauf genommen. Deshalb brauchen wir dieses differenzierte Konzept statt allerorten Verbote.

Was muss als erstes passieren?

Das Mindeste ist, mit der Schulöffnung für die Zielgruppe Kinder und Jugendliche bis 25 Jahre und für Senioren auch den Sport wieder zu öffnen. Wir wollen die kontrollierte Öffnung des Sports und wollen das wissenschaftlich durch die Universität Frankfurt begleiten lassen.

Was erhoffen Sie sich durch diese wissenschaftliche Begleitung?

Es geht darum zu sehen, ob Infektionen im Sport vorkommen, wo sie vorkommen und wie sie vermieden werden. Am Ende geht es darum zu ergründen, wie trotz der Pandemie Sport und Bewegung möglich bleiben. Es ist doch nicht so, dass wir das Virus wirklich besiegen könnten, und dann ist alles wie zuvor. Wir können es nur eindämmen. Und dann kommt das nächste Virus, es gibt schließlich 800 000 davon. Die Frage ist ja nur, wann das nächste Virus auf das Wirtstier Mensch überspringt. Auch dafür müssen wir langfristig tragfähige Konzepte entwickeln.

Interview: Peter Hanack

Vor Corona war das Hallenkinderturnfest ein Highlight. Michael Schick

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