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Frankfurt: Angriffe auf Medienvertreter und Polizeikräfte bei Querdenker-Demo

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Von: Sabine Schramek

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Bei einer Demonstration der Querdenker in Frankfurt wird ein Mann festgenommen.
Bei einer Demonstration der Querdenker in Frankfurt wird ein Mann festgenommen. © Sabine Schramek

Querdenker demonstrieren vor Medienhäusern in Frankfurt. Journalisten werden bedrängt, beleidigt, bespuckt und angegriffen.

Frankfurt – „Größer“ sollte diese erste Samstag-Querdenker-Demo im August in Frankfurt werden. Es kommen laut Polizei 260 Teilnehmer. Aggressiv „Frieden“ und „Lügenpresse“ schreiend unter Trommelwirbel, Trillerpfeife und Sirenengeheul. Bereits kurz nach dem Start an der Taunusanlage werden Medienvertreter bedrängt, am Hauptbahnhof bespuckt, ständig gefilmt, fotografiert und „Kommunisten“ genannt. Um die eigenen Querdenker-Medien zu pushen, werden andere Medien pauschal als „Mainstream-Medien“ bezeichnet.

Seit vier Wochen treffen sich einige Querdenker wöchentlich vor dem Hessischen Rundfunk, um auf ihr eigenes Web-TV-Programm aufmerksam zu machen und gleichzeitig den HR zu diskreditieren. An diesem Samstag gehen sie vor die Redaktionsgebäude der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Frankfurter Rundschau und der Frankfurter Neuen Presse.

Querdenker-Demonstration: Proteste in der Frankenallee für Frankfurter Medienhäusern

Über Mikrophon zwischen umgekehrter Deutschlandflagge, die als Code von Reichsbürgern dient, und Plakaten wie „Media is the Virus“ will ein Redner vor der FAZ wissen, dass die Redakteure „Lügen schreiben müssen, weil sie keine freie Entscheidung darüber haben. Es wird in irgendwelchen Sitzungen beschlossen, was geschrieben werden darf und was nicht.“ Jeder Journalist, der etwas auf sich halte, solle weggehen und zu einem Querdenker-Medium wechseln.

Eine Frau erleichtert sich im Grünstreifen der Frankenallee mit heruntergezogener Hose. „Lügenpresse“ wird auf der Straße gebrüllt. Man sei friedlich und wolle „nur die Wahrheit“. Ein Gegendemonstrant wird massiv bedrängt. Die Polizei geht dazwischen. Einem Fotografen wird in die Kamera gegriffen, er wird geschubst. Die Polizei geht wieder dazwischen.

Jeder, der sich am Rand der Demo aufhält, wird permanent von vielen Teilnehmern gefilmt und fotografiert. Die Bilder werden später auf Querdenkertelegram-Kanälen geteilt, manche auch ebenso ungefragt in kommerzielle Musikvideos eingebettet. Bis zum Opernplatz wird getrommelt und getrillert. Verschwörungstheorien werden erzählt. Sie gehen zügig, Polizei ist vor, neben und hinter den Flaggen und den üblichen Plakaten.

Querdenker-Demonstration in Frankfurt: Pressevertreter bedrängt

Selbst gedruckte Zeitungsseiten, „Steht endlich für uns Kinder auf! Lasst uns nicht hängen!“, „Demokratie bedarf Pluralität in den Medien. Nein zur Gehirnwäsche“, „Alles, was zensiert, unterdrückt oder als Desinformation deklariert wird, ist exakt genau das, was du recherchieren solltest“, „Seepocken. Die angekündigte Sommerwelle ist leider Realität geworden“ oder „The Great Reset“ und „Wahrheit ignorieren bis die Bomben fallen? Nichts gelernt“ ist zu lesen. Am Opernplatz wird weiter getrillert und getrommelt.

Gäste aus einem Café, vor dem sich die Teilnehmer aufbauen, zahlen schnell und gehen kopfschüttelnd. Wieder wird die Presse bedrängt. Ein Mann mit blauer Weste und der gelben Aufschrift „Jesus rettet!“ reißt einem Fotografen die Maske ab, bedrängt ihn, schlägt gegen die Kamera. Andere fotografieren und filmen. Die Polizei schreitet ein, trennt ihn von dem Pressevertreter.

Aggressiver Demonstrant der Querdenker in Frankfurt festgenommen

Der Mann ist aggressiv. Mehrere Beamte bringen ihn zu Boden. Ein guter Teil der Querdenker verfolgt die Polizei, schreit, droht. Durchsagen aus dem Polizeisprecher-Lautwagen folgen. Mehrfach werden die Leute aufgefordert, sich von den Polizeibeamten zu entfernen und zurück auf den Opernplatz zu gehen. Sie hören nicht. Das Überfallkomando und die Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit BFE rücken an. Von allen Seiten kommen Einsatzwagen mit Blaulicht angerast, um für Distanz zu den Beamten zu sorgen. Der Mann in der blauen Weste bekommt Handschellen angelegt und wird in einen Polizeiwagen gebracht.

Am Mikrophon versucht ein Redner, die Lage kleinzureden. Behauptet, man sei friedlich und es nur einer, der aggressiv sei. Er könne nicht verstehen, warum ihm so viele hinterherrennen. Ein weiterer Pressevertreter wird bedrängt. „Nicht so schüchtern, Herr Kommunist“ wird ihm zugeraunt.

Frankfurt: Querdenker gehen Polizisten an

Polizeibeamte werden beschimpft. „Eure Eier werden Euch abfallen, weil ihr gar keine habt“ ist ebenso zu hören, wie die Ankündigung, dass Leute kämen, die den ganzen Opernplatz auseinandernehmen würden. Diese Leute seien dann nicht mehr friedlich und die Polizei solle sich dann warm anziehen. Der Verfassungsschutz beobachtet bundesweit die Querdenker-Szene, da er gewichtige Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche Bestrebungen sieht. (Sabine Schramek)

Die letzte größere Querdenker-Demonstration fand in Frankfurt im Juni statt. Der Zug wurde damals von Köpfen der Szene angeführt.

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