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Immer mehr niedergelassen Ärzte in Hessen infizieren sich mit Corona.
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Ein Kinderarzt ist in Hessen an Corona. Die Angst unter den niedergelassenen Ärzt:innen nimmt zu.

Angst vor Corona

Hessischer Kinderarzt stirbt an Covid-19 – Die Gefahr ist höher als in Krankenhäusern

  • Jutta Rippegather
    VonJutta Rippegather
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Ein Kinderarzt ist in Hessen an Corona gestorben und er ist nicht der Erste. Die Angst unter den niedergelassenen Ärzt:innen nimmt zu.

  • Corona in Hessen: Ein weiterer niedergelassener Arzt ist an Covid-19 gestorben.
  • Hausärzt:innen in Hessen haben immer mehr Angst vor einer Corona-Infektion.
  • Die Odenwälder Ärztegenossenschaft fordert eine frühere Impfung gegen das Virus.

Wiesbaden – Am Samstag (06.02.2021) ist Rainer Trumpfheller, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin in Michelstadt, an Covid-19 gestorben. Nach Auskunft der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) ist es der dritte niedergelassene Arzt in Hessen, der an den Folgen einer Corona-Infektion starb.

Die anderen beiden Todesfälle stammen aus Nordhessen und Frankfurt, wie Frank Dastych vom Vorstand der KV Hessen sagte. Namen nennt er nicht. Ob sie sich bei der Arbeit infiziert haben? „Bei diesem diffusen Infektionsgeschehen ist das schwer zu beurteilen.“ Mindestens 100 andere Kolleg:innen hätten sich bereits infiziert. „Die haben zunehmend Angst.“

Corona in Hessen – Wut der Ärzt:innen auf die Politik nimmt zu

Trumpfheller, 62, habe keine Vorerkrankungen gehabt, sagt Ingo Drehmer, Urologe und Sprecher der Odenwälder Ärztegenossenschaft, in der der Verstorbene Mitglied war. Angesteckt habe er sich wahrscheinlich im ärztlichen Bereitschaftsdienst.

Zur Trauer und zu dem Schock der Kolleginnen und Kollegen mischt sich Wut auf die Politik und die Befürchtung, sich ebenfalls zu infizieren. Die Genossenschaft fordert, die Niedergelassenen auf der Liste der Impfprioritäten nach oben zu setzen. Im benachbarten Bayern seien viele Niedergelassenen bereits geimpft, sagt Drehmer, auch Zahnärzte, die ja ebenfalls einem starken Risiko ausgesetzt seien.

Öffnungsklausel

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat am 29. Januar seine Impfempfehlung aktualisiert. Neu ist eine Öffnungsklausel. „Sie darf nicht missbraucht werden, um ungerechtfertigterweise eine Impfung durchzuführen und somit stärker gefährdeten Personen die Impfung vorzuenthalten.“

Alle Krankheitsbilder könnten nicht genannt werden. „Es obliegt daher den für die Indikationsstellung Verantwortlichen, in Einzelfällen Personen angemessen zu priorisieren.“

Einzelfallentscheidungen seien möglich, „wenn berufliche Tätigkeiten beziehungsweise Lebensumstände mit einem nachvollziehbaren, unvermeidbar sehr hohen Infektionsrisiko einhergehen“. jur

Doch Hessen hält an der Coronavirus-Impfverordnung des Bundesministeriums für Gesundheit fest. Zunächst müssten jene geschützt werden, die persönlich das größte Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf oder sogar Tod bei einer Covid-Erkrankung trügen. „Gerade bei Ärzten kommt es dabei auf den jeweiligen Einsatzort und die jeweilige konkret ausgeübte Tätigkeit an“, teilt eine Sprecherin der Sozialministeriums auf Anfrage mit. „Die Mitarbeitenden in hausärztlichen Praxen sind als Personal mit hohem Expositionsrisiko eingestuft.“

Corona in Hessen: Niedergelassene Ärzte kommen bei Impfung später dran

In der Konsequenz bedeutete das: Sie kommen erst an die Reihe, wenn die Menschen im Alter über 80 Jahre und die Pflegeheime durch sind sowie das Personal in den Kliniken, die Corona-Patient:innen behandeln. Sie fallen unter die Kategorie mit Personen ab 70 Jahre oder in Obdachlosen- und Asylbewerberunterkünften. Bis sie dran sind, werden angesichts der knappen Impfstoffmengen noch Wochen vergehen.

Es gebe allerdings Ausnahmen, heißt es aus dem Sozialministerium. Und zwar für Personen, die Einrichtungen der stationären Pflege regelmäßig betreten und in der Versorgung der dort Wohnenden tätig sind. „Hierunter fallen auch Hausärztinnen und Hausärzte.“ Sie hätten Anspruch auf Schutzimpfungen mit höchster Priorität.

In Hessen müssten mindestens 6000 Ärzt:innen sofort gegen Corona geimpft werden

Das ist die Theorie, sagt Frank Dastych, Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen. In Wirklichkeit beschränke sich die Möglichkeit einzig auf Hausärzt:innen. Alle anderen gingen leer aus. Von der Psychiaterin, die sich um Demenzerkrankte kümmert, über den Urologen bis hin zur Gynäkologin, die ebenfalls häufig in den Pflegeheimen behandelten. „Das Problem ist die Auslegung der Impfverordnung durch das Innenministerium“. sagt Dastych. „Da haben wir uns schon den Mund fusselig geredet.“

Dabei sei die Gefahr in den Praxen oder im ärztlichen Bereitschaftsdienst höher als in Krankenhäusern, wo sich die Beschäftigten umfangreich schützten könnten. „Zu uns kommen die Patienten unselektiert und wir können nicht bei jedem eine neue Maske und neue Schutzkleidung anziehen.“ Fast alle Covid-Patient:innen würden als Erstes in den Praxen behandelt. Nach seiner Berechnung müssten mindestens 6000 Ärzt:innen sofort geimpft werden plus deren Mitarbeiter:innen. „Das wären 15.000 Menschen.“ (Jutta Rippegather)

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