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Die SPD verteilt Rosen, vorwiegend – aber nicht nur – an Frauen.
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Die SPD verteilt Rosen, vorwiegend – aber nicht nur – an Frauen.

Bundestagswahl

Wahlkampf in Frankfurt: Auf der Suche nach dem Scholz-Schlumpf

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Die Parteien haben vor der Bundestagswahl nicht viel an Präsenten zu bieten. FR-Reporter Stefan Behr hofft auf ein ganz bestimmtes Geschenk.

Frankfurt - Ich hatte einen Traum. In diesem Traum erschien mir der Scholz-Schlumpf, wünschte mir „Respekt für dich!“ und grinste sein schlumpfigstes Grinsen. „Sag mal, wo kommst du den her?“, fragte ich das possierliche Kerlchen. „Wo ich herkomme, ist einerlei. Wo wir hinwollen, ist wichtig. Das Wir entscheidet!“, sprach der Scholz-Schlumpf. Zusammen erlebten wir dann die tollsten Abenteuer und hatten einen Mordsspaß, der in einer Wahlkabine endete, wo ich mein Kreuzchen bei der SPD machte. Dann bin ich schreiend aufgewacht.

Einen Scholz-Schlumpf will ich vor der Bundestagswahl 2021 aber trotzdem! Das ist mein Recht als wahlberechtigter Kindskopf! Gut, dass die Stadt derzeit voll ist mit Ständen von Parteien, die mit Wahlgeschenken um Wählerstimmen buhlen. Da wird ja wohl ein Scholz-Schlumpf dabei sein.

Frankfurt: Die FDP setzt vor der Bundestagswahl auf die „Bienen-Mischung“

Allerdings nicht bei der FDP. An deren Stand in der mittleren Berger stehen zwei für Freidemokraten doch sehr zugängliche Männer. Schlümpfe gehörten nicht zum Portfolio, bedauert einer der beiden, dafür aber das hier: Verschwörerisch präsentiert er ein Tütchen, auf dem „Bienen-Mischung“ steht. Dies sei eine Mischung von großer Wirkungskraft: „Man steckt sie in die Erde, und dann wachsen Bienen.“

Donnerwetter, Vergleichbares hat man seit dem Yps-Urzeitkrebssamengimmick nicht mehr geschaut. Doch leider korrigiert sich der Wahlkämpfer selbst: „Hab’ ich Bienen gesagt? Ich meine natürlich Blumen.“ Diese seien aber schön gelb, was zufällig auch die Parteifarbe sei, und zudem hätten sie die Macht, Bienen anzulocken. Schlümpfe auch? Leider nein. Immerhin ist die FDP zur Einsicht gelangt, dass der freie Markt doch nicht alles regeln könne, und hat auch Kondome im Präsentkorb. Davon wird eins mitgenommen, denn über eine Zweitmütze dürfte der Scholz-Schlumpf sich gewiss freuen.

Frankfurt: Grüne setzen deutliches Statement für Nachhaltigkeit

Doch den gibt’s auch bei den Grünen am Merianplatz nicht. Dafür Windrädchen. „Die sind unser Dauerbrenner“, freut sich der Standbetreuer. Vorteil: Die kleinen Rädchen verschandeln wenigstens nicht den Sehnsuchtsort Wald. Nachteil: Sie generieren keinerlei Energie. Dann gebe es natürlich noch Sonnenblumensamen. Wie öde!

„Die sind noch vom Kommunalwahlkampf“, sagt der Grüne fast entschuldigend, setzt damit aber gleichzeitig ein deutliches Statement für Nachhaltigkeit. Aber hier: Samen für Petersilie, schön knackbeißig und bundestagswahlaktuell und grasgrün. Vielleicht gebe es bei der nächsten Wahl sogar Hanfsamen, aber so weit sei die Gesellschaft noch nicht. Alles schön und gut, aber kein echter Schlumpfersatz.

Räder, die zwar keine Energie erzeugen, aber sich wenigstens drehen, gibt es bei den Grünen.

Wahlkampf in Frankfurt: Wo ist Scholz? Versuch bei der CDU macht klug

„Geschenke haben wir gar nicht“, sagt der Vertreter der Linkspartei am Nachbarstand und drückt einem zeitgleich so ziemlich alles in die Hand, was das Arbeiterherz begehrt: Bierdeckel, Einkaufswagenchip, Mohnblumensamen und Kugelschreiber. Schlümpfe gebe es hier nicht, bedauert der Linke, aber den Namen Olaf Scholz habe er irgendwo schon mal gehört, ich solle es doch mal bei der CDU versuchen.

Aber einen Scholz kennt man am CDU-Wahlstand am Fünffingerplatz auch nicht. Hier gibt es nur Luftballons zum Selbstaufblasen, nachhaltige Holzkugelschreiber, Hustenbonbons („Deine Stimme zählt!“) und keine Wäscheklammern. Die Wäscheklammern („Zusammenhalt stärken!“) seien der absolute Wahlkampfknaller und leider schon vergriffen. Bei der fieberhaften und vergeblichen Suche nach einer Restklammer im Einsatzfahrzeug stoßen die Wahlkämpfer immerhin auf ein einzelnes Plakat, das einen grinsenden Mann mittleren Alters aus Nordrhein-Westfalen zeigt. Ob dies das Wesen sei, dass ich suche? Ist es nicht.

Die Schlumpfigste Partei Deutschlands macht Werbung - aber ohne Scholz-Schlumpf

Da bleibt nur noch eine Partei als Hoffnungsträger. Und tatsächlich: An der Hauptwache findet sich einer der raren Stände der Schlumpfigsten Partei Deutschlands (SPD). Ein Mann von geradezu gargamelesker Sauertöpfigkeit sagt, hier gebe es keine Geschenke, nirgends, und nennt „Probleme mit dem Auto“ als Grund. Verbrennungsmotor? Das auch, aber der sei heute Morgen nicht mal angesprungen. Dafür verteilten die Genossinnen und Genossen derzeit per pedes rote Rosen in den Stadtteilen.

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Aber was brauche es solch irdischen Tand, fragt der Griesgram, wenn doch in wenigen Minuten schon Direktkandidat Armand Zorn auf dem Römerberg eine flammende Rede zum Thema Weißrussland halte? Und morgen schon alle Wahlberechtigten zum Pizzaessen nach Bockenheim einlade? Das freilich frommt einer Arbeiterpartei – wer noch nie sein Brot mit Tränen aß, der kann jetzt wenigstens eine Pizza mit Zorn futtern. Aber ohne Scholz-Schlumpf.

So muss die Suche zumindest für diesen Tag aufgegeben werden. Doch sie geht weiter! Getreu dem Mantra eines bösen alten Zauberers: Ich werde diesen Schlumpf eines Tages finden – und wenn es das Letzte ist, was ich tue! (Stefan Behr)

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