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Zweite Liga oder Wildcard?

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Von: Timur Tinç

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Kein Durchkommen: Skyliners-Flügelspieler Lorenz Brenneke (links) prallt am Hamburger Robin Christen ab.
Kein Durchkommen: Skyliners-Flügelspieler Lorenz Brenneke (links) prallt am Hamburger Robin Christen ab. © IMAGO/Beautiful Sports

Sportlich sind die Frankfurt Skyliners nach der Niederlage in Hamburg so gut wie abgestiegen, doch es gibt eine Resthoffnung / Geschäftsführer Wöbke: „Arbeiten Fehler auf“

Rechnerisch gibt es für die Frankfurt Skyliners tatsächlich noch eine Chance, den Klassenverbleib in der Basketball-Bundesliga (BBL) zu schaffen. Nach der 58:68-Niederlage am Mittwochabend in Hamburg müssten die Hessen ihre vier verbleibenden Spiele gewinnen, die Gießen 46ers vier Partien und die Löwen Braunschweig keines mehr, damit es zu einem Dreiervergleich der Teams kommt. Dort hätten die Skyliners die besseren Karten. Das ist ein schönes Rechenmodell, aber bei dieser miserablen Offensive unrealistisch. Dieses Team ist durch.

„Wir werden überdenken, wie wir uns zukünftig aufstellen. Das hängt extrem damit zusammen, in welcher Liga wir spielen“, sagte Gunnar Wöbke, der geschäftsführende Gesellschafter am Montag im Podcast „Abteilung Basketball“. Trotz eines sportlichen Abstiegs könnten die Skyliners in der BBL bleiben, wenn es wie im Vorjahr eine Wildcard gibt. Die haben die Gießen 46ers bekommen und haben die damit verbundenen Kosten von 700 000 auf zwei Jahre aufteilen dürfen. Beim Abstieg ist die zweite Charge hinfällig. Ob das dieses Jahr wieder möglich sein wird, ist offen. Es hängt davon ab, ob die sportlichen Aufsteiger aus der zweiten Liga, Pro A, eine Lizenz für die BBL bekommen. Und ob die Skyliners die Kosten tragen wollen. Ein sportlicher Abstieg könnte teurer sein.

„In der ersten BBL hätten wir wesentlich höhere Summen der Sponsoren und ganz andere Ticketeinnahmen“, erklärte Wöbke. Außerdem kämen ein paar hunderttausend Euro an TV-Geldern dazu. Am nötigen Geld fehlte es auch dieser Saison und auch schon vergangene Saison, wie Wöbke einräumte. Trotzdem wollte er im Gegensatz zu anderen Klubs nicht am Jugendprogramm sparen und die zweite Mannschaft, Pro B, einstellen. „Das ist nicht unser Selbstverständnis“, betonte Wöbke. Durch Corona und die Fan-Beschränkungen in der Ballsporthalle haben „wir eine ganz erhebliche geringere Summe an Sponsoring. Das schlägt auch auf Qualität des Kaders durch“, sagte Wöbke. Hauptsponsor Fraport hat sein Engagement reduziert, die Namensrechte an der Ballsporthalle aufgegeben und den Rückzug ins zweite Glied angekündigt. Noch hat der Vertrag aber bestand.

Impulse von außen nötig

Trotz der finanziellen Schwierigkeiten wollte Wöbke den Klub im Sommer auf breitere Beine stellen. Yannick Binas wurde zum Geschäftsführer befördert. Außerdem wurde die seit Jahren vakante Position des Sportdirektors mit Ex-Spieler, aber Kaderplaner-Novize Marco Völler besetzt. Außerdem verpflichtete man mit Diego Ocampo einen Mann, der die Liga nicht kannte. Es seien vielleicht zu viele Veränderungen gewesen, räumte Wöbke ein. „Wir haben intern Fehler gemacht, die arbeiten wir gerade auf.“ Konkret nannte er nur die Personalie Donovan Donaldson „eine Fehleinschätzung“. Zwar haben die Skyliners nachverpflichtet und die Gesellschafter Wöbke und Thomas Kunz einen sechsstelligen Betrag zugeschossen, aber alle Reaktionen kamen entweder zu spät oder waren nicht ausreichend genug.

„Im Januar haben wir viel zu hart trainiert, wodurch wir zu viele Muskelverletzungen hatten“, kritisierte Wöbke seinen Ex-Trainer Ocampo. Der Spanier wurde Ende März durch Luca Dalmonte ersetzt, der der schwächsten Offensive der Liga auch kein Leben mehr einhauchen konnte. Im Sommer lief die Vorbereitung schon mit vielen Verletzungen miserabel. Youngster Bruno Vrcic fiel die gesamte Saison mit einem Kreuzbandriss aus. Dann mussten die Skyliners im Winter wegen Corona pausieren, und einige Spieler waren danach nicht mehr in Form. Manche hatten von Beginn an nicht die Qualität. Knappe Spiele wurden verloren, hohe Führungen leichtfertig verspielt. Es hat hinten und vorne nicht gereicht.

„Wir werden ganz klar weitermachen“, betonte Wöbke, sagte aber auch: „Es bedarf eines neuen Aufbruchs.“ Vor allem brauchen die Skyliners Impulse von außen. Sei es in der Kaderplanung, im Marketing oder auch im Sponsoring. Der sportliche Abstieg ist nicht von heute auf morgen passiert, sondern hat sich schleichend angedeutet.

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