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Läuft, auf dem Tenniscourt jedenfalls: Alexander Zverev nach seinem Turniersieg in Köln.

Tennis

Zverevs Kampf um Stabilität

  • Jakob Böllhoff
    vonJakob Böllhoff
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Alexander Zverev geht gut präpariert in den Saisonendspurt. Wären da nicht zum Teil verstörende Meldungen aus seinem Privatleben, die seinen sportlichen Erfolg ernsthaft gefährden könnten. Ein Kommentar.

Der Tennisspieler Alexander Zverev, 23, erlebt gerade die erfolgreichste Zeit seiner bisherigen Karriere. Bei den US Open vor wenigen Wochen erreichte er erstmals das Finale eines Grand-Slam-Turnieres. Bei den French Open schaffte er es, von einer Erkältung geschwächt, immerhin bis ins Achtelfinale, und beim Kölner Turnierdoppelpack gelang ihm ein bemerkenswert souveränes Titel-Double. Sein Spiel wirkt stabil wie nie. Längst ist er ein etabliertes Mitglied in den Top Ten der Weltrangliste.

Gute Voraussetzungen eigentlich für den knackigen Saisonendspurt, das Masters in Paris und die ATP-Finals in London. Doch dass Zverev nun von „herausfordernden Tagen“ spricht, hat keinen sportlichen Hintergrund, sondern einen privaten.

Zweierlei Dinge sind quasi gleichzeitig geschehen: Die eine Ex-Freundin, Brenda Patea, gab bekannt, dass sie von Zverev ein Kind erwarte, und verkündete plattformgerecht in der „Gala“, dass sie das alleinige Sorgerecht beantragen werde, aus „triftigen Gründen“. Mit Zverev habe sie keinen Kontakt. Derweil erhob eine andere Ex-Freundin, Olga Scharypowa, die schwerwiegenden Vorwürfe, Zverev sei ihr gegenüber handgreiflich geworden, 2019 in New York habe er versucht, „sie mit einem Kissen zu würgen“. Der Tennisstar wies die Anschuldigungen als „haltlos“ zurück. Zu seiner Vaterschaft mit Patea bekannte er sich, er freue sich auf das Kind, und für die Zukunft wünsche er sich, dass private Themen nicht mehr in der Öffentlichkeit ausgetragen würden, was ein frommer Wunsch ist, wenn die privaten Themen solch eine Dynamik haben.

Es wird spannend sein zu beobachten, inwiefern Zverevs Tennisspiel unter dem Durcheinander abseits des Courts leidet. Noch im vergangenen Januar, als er mit Patea auf Wolke sieben schwebte und auch kein Problem darin zu sehen schien, Privates nach draußen zu tragen, betonte Zverev, dass die glückliche Beziehung ihn auch sportlich beflügle. Prompt kam er bei den Australia Open ins Halbfinale.

Dass es im mental extrem fordernden Einzelsport Tennis hilft, wenn nicht tausend sonstige Sorgen durch den Kopf geistern, ist klar. Die sogenannten Big Four, Federer, Nadal, Djokovic, Murray, welche die Weltspitze über viele Jahre dominierten und es – mit Ausnahme des verletzungsgeplagten Murray – weiterhin tun, sind durchgehend skandalfrei seit dem 18., 19. Lebensjahr mit ihren Partnerinnen zusammen.

Glücklich sein hilft, aber erzwingen kann man es nicht, das weiß auch Alexander Zverev, der sich fürs Erste auf die wichtigste Person in seinem Leben konzentrieren will, die da wäre: Alexander Zverev.

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