Tennis

Zverev sucht sich selbst

Viele Probleme abseits des Platzes machen dem Tennisstar Alexander Zverev zu schaffen.

München, Sonntagvormittag, Hotel Rilano. Vor einem Jahr hat Alexander Zverev an gleicher Stelle gesessen, er sah zufrieden aus, war entspannt, gab sich selbstbewusst. Diesmal? Wirkt er doch etwas niedergeschlagen und verunsichert, wie auf der Suche. Was freilich kein Wunder ist. Das Jahr 2019 verläuft bislang alles andere als erfreulich für Deutschlands besten Tennisspieler. In beinahe jeder Hinsicht.

Dass die Ergebnisse nicht stimmen, ist offensichtlich. Doch das, berichtet Zverev, hat auch Gründe – und zwar eine ganze Menge. Sein Coach Ivan Lendl wird wegen einer Pollenallergie erst zu den French Open nach Europa kommen, Vater Alexander senior hat gesundheitliche Probleme, fehlt seinem Sohn seit Wochen. Von Freundin Olga hat er sich getrennt. Und dann ist da noch der Rechtsstreit mit Patricio Apey.

„Die ganze Geschichte mit meinem Manager nimmt schon viel weg von mir“, sagt Zverev. Beinahe jeden Tag habe er telefonieren müssen, stundenlang – das hatte Folgen: „Der Fokus ist schon ein bisschen weg gewesen die letzten paar Wochen.“ Warum sich der Hamburger von Apey trennen will, bleibt sein Geheimnis – dass es ihn aus der Bahn warf, ist nicht zu übersehen. „Aber jetzt“, behauptet er, „beruhigt es sich ein bisschen“.

Sehr hart getroffen hat Zverev freilich auch, dass der Vater ihm „zum ersten Mal in meinem Leben ein paar Wochen“ nicht beistehen konnte. „Ich hoffe, dass er bald zurückkommt, das ist für mich das Wichtigste“, sagt der Sohn, der offenkundig Halt sucht in unruhigen Zeiten. „Es sind viele Dinge passiert außerhalb des Platzes. Ich bin ein Mensch, der sich solche Sachen zu Herzen nimmt“, merkt er an.

Zverevs Bilanz der vergangenen drei Turnierwochen ist folglich miserabel: In Marrakesch, Monte Carlo und Barcelona unterlag der Weltranglistendritte jeweils früh. „Im Sport ist es so: Manchmal hast du die beste Zeit deines Lebens“, wie er beispielsweise Ende des vergangenen Jahres beim ATP-Finale in London, „manchmal läuft es halt nicht so“, wie bei ihm in den vergangenen Monaten.

Hoffnung auf München

Das Wichtigste, weiß Zverev, ist: nicht verzagen. „Wenn du aus solchen Phasen rauskommst, denke ich, dass du noch besser wirst. Ich hoffe, das wird bei mir auch genauso sein.“ Insofern, sagt er, komme ihm das kleine 250er Turnier in München „gerade sehr passend“. Hier hat er in den beiden vergangenen Jahren gewonnen, er hofft, „dass sich das Jahr hier für mich ändern wird“.

Am Mittwoch wohl wird der an Nummer eins gesetzte Zverev nach einem Freilos in der ersten Runde sein Auftaktmatch bestreiten, gegen Maximilian Marterer (Nürnberg) oder Juan Ignacio Londero (Argentinien). Er müsse jetzt mal „ein, zwei Matches gewinnen“, in denen es eng zugehe, „dann läuft es wieder besser“, glaubt er: „Wichtig ist, dass ich mein Spiel wiederfinde.“ (sid)

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