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Clemens Tönnies.
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Clemens Tönnies.

Kommentar

Zur Not isst der Veganer auch Bockwurst mit Löwensenf

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Erst kommt das Überleben, dann kommt die Moral - das ist offensichtlich auch beim kriselnden FC Schalke 04 nicht anders, der den Sponsorenvertrag mit dem ehemaligen Aufsichtsratschefs Clemens Tönnies verlängert. Ein Kommentar.

In der bald 60-jährigen Bundesligageschichte ging es lange allein darum. Fußballspiele zu gewinnen. Moralische Messlatten gesellschaftlicher Verantwortung wurden erst in den vergangenen Jahrzehnten eingezogen und zunehmend höher gehängt. Kritische Fanszenen gab es vorher nicht. Und keine Sozialen Netzwerke, wo sich die Anhänger Ausdruck verschaffen konnten. Schalke 04 hat die medial aufmerksam begleitete Entwicklung gerade wieder in eine unangenehme Situation gebracht, die dem Verein in einem Fanforum unter anderem diese Formulierung bescherte: „Schalke hat so viel Rückgrat wie ein Gummibärchen.“

Anlass für die gerade wieder geballt hereinbrechende Kritik ist eine Vertragsverlängerung mit der wahrscheinlich besten Wurstsorte des ehemaligen Aufsichtsratschefs Clemens Tönnies. Jenem selben Tönnies, der im vergangenen Sommer als bis dahin mächtiger Patron unehrenhaft vom Hof gejagt wurde, nachdem das Coronavirus in seinen Schlachtbetrieben besonders aggressiv unterwegs gewesen war.

Die meisten Fans erwarten, dass der Traditionsklub die Verbindungen zum Großmetzger komplett kappt. Nur: Die Signing Fee, die mit der Vertragsverlängerung sofort überwiesen wird, brauchen die bis Oberkante Unterlippe verschuldeten Schalker um sich mühevoll durchzufinanzieren. Auch, weil die Aussicht auf den Klassenerhalt gerade mit ein paar Notverpflichtungen erhalten werden soll, ehe das Transferfenster schließt.

Es ist ein Akt der puren Verzweiflung. Erst kommt das Überleben, dann kommt die Moral. In der Not frisst der Veganer Bockwurst mit Löwensenf.

Die ergrauten Königsblauen haben gerade keinen Appetit, um Almosen aus dem Hause Tönnies abzulehnen. Man kann das verwerflich finden, weil man die Fleischindustrie verabscheut oder weil man Tönnies’ rassistische Semantik beim Tag des Handwerks in Paderborn nicht vergessen hat, weil man seine Wurstigkeit im allgemeinen nicht mag oder weil man es nicht goutiert, dass Putins Kumpel Schalke 04 einst ein millionenschweres Vertragswerk mit dem russischen Sponsor Gazprom ranschaffte.

Der operativen Notwendigkeit des Deals mit der Tönnies-Tochter Böklunder („Die Wurst vom Lande“) steht die strategische Drucksituation eines vielhunderttausendfach heißgeliebten Traditionsklubs gegenüber, seine Werte nicht nur vor sich herzutragen, sondern tatsächlich zu leben - getreu der Überschrift des vor fast zehn Jahren entwickelten Leitbildes. So schmerzhaft es für Clemens Tönnies persönlich auch sein mag: Seine Lebenswerke - das florierende Fleischimperium in Ostwestfalen, aus dem minütlich Viehtransporte ein- und Tiefkühllaster ausfahren - und der darbende Fußballverein passen im dritten Jahrzehnt dieses Jahrtausends nicht mehr zueinander.

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