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Zukünftige Stammkraft beim DHB: Johannes Golla von der SG-Flensburg Handewitt.
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Zukünftige Stammkraft beim DHB: Johannes Golla von der SG-Flensburg Handewitt.

Handball-WM

Zukunft in der Lücke

  • vonMichael Wilkening
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Talente wie Johannes Golla haben in Ägypten die Abwesenheit der Stars nutzen können – und so trotz des Verpassens des Viertelfinals für einen positiven Effekt bei den Deutschen gesorgt

Alfred Gislason lächelte, nein, er lachte herzhaft. Auf die Frage, ob er denn ein paar Tränen verdrückt hätte, als er von den Absagen einiger Spieler vor dem Start der Weltmeisterschaft erfahren habe, sagte der Trainer der deutschen Handballer: „Nein, geweint habe ich nicht. Aber …“ Nach dem vorzeitigen Ausscheiden in der Hauptrunde der WM in Ägypten, an dem der 31:24-Sieg gegen Brasilien nichts mehr ändern konnte, war für den Isländer die Zeit gekommen, ein wenig Bilanz zu ziehen.

„Ich bin richtig stolz auf die Mannschaft, die einen super Charakter hat“, sagte Gislason. Mit 61 Jahren ist der Titelsammler, der mit dem THW Kiel und dem SC Magdeburg die Champions League dreimal und die deutsche Meisterschaft vielfach gewann, milder geworden. Vor einigen Jahren hätte der Skandinavier geknurrt und kurzsilbig auf Fragen reagiert, wenn er sich nach dem Verpassen eines Ziels hätte erklären müssen. Gislason wusste um die Qualität der Akteure, die aus unterschiedlichen Gründen nicht im WM-Kader standen, doch das Viertelfinale war dennoch die nach außen formulierte und sportlich mögliche Vorgabe.

Bei den Niederlagen gegen Ungarn (28:29) und Spanien (28:32) hatten die Deutschen es aber nicht geschafft, Führungen in der Schlussphase zu halten. Insgesamt war das Team in „entscheidenden Phasen nicht gut genug“, beschrieb Bob Hanning, Vize-Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB), das Manko. Dennoch gab es im DHB-Tross nach dem WM-Aus keine öffentliche Schadensaufnahme, denn das Turnier im Schatten der Pyramide war im Vorfeld zu einer Art „Ausbildungsveranstaltung“ erklärt worden. Die Erfahrungen einzelner Spieler in Ägypten sollen dem deutschen Handball in der Zukunft helfen, möglichst schon bei den Olympischen Spielen in Tokio in ein paar Monaten.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die WM aus deutscher Sicht Gewinner produziert hat. Johannes Golla ist einer von ihnen. Der Kreisläufer von der SG Flensburg-Handewitt war mit 23 Jahren noch nicht in der Lage, das Ausscheiden als Abwehrchef abzuwenden, hat aber gezeigt, dass er internationale Klasse besitzt. „Wenn Pekeler, Wiencek und Kohlbacher hier gewesen wären, hätte Johannes wohl nicht so viel Spielzeit bekommen“, sagte Gislason. Golla nutzte die Lücke, die sich auftat, und bietet sich nach den Eindrücken bei dieser WM schon vor dem abschließenden Gruppenspiel gegen Polen am Montag (20.30 Uhr/ARD) als künftige Stammkraft im DHB-Team an.

Das gilt für das olympische Qualifikationsturnier im März in Berlin, das die Deutschen in einer Gruppe mit Slowenien, Schweden und Algerien mindestens als Zweiter abschließen müssen, und im positiven Fall ebenfalls für die Spiele in Japan. Weil der Kader bei den Olympischen Spielen nur 14 Akteure umfassen darf, dürfte Golla wegen der gleichermaßen vorhandenen Fähigkeiten in der Abwehrzentrale und im Angriff gesetzt sein. Positiv auf sich aufmerksam machten auch Marcel Schiller als zweiter Linksaußen neben Kapitän Uwe Gensheimer, Paul Drux als vielseitig verwendbarer und in kritischen Phasen verlässliche Alternative im Rückraum sowie Johannes Bitter, der als erfahrener Torhüter auf und neben dem Feld Akzente setzte.

Wolff mental blockiert

Einer der Verlierer der WM stand beim vorletzten Auftritt in Ägypten nicht auf dem Feld. Andreas Wolff hatte auch nicht auf der Ersatzbank Platz genommen, sondern auf der Tribüne der Arena. Aus der vor dem Turnierstart von Gislason ausgerufenen „1 a“ der Nationalmannschaft war der gegen Brasilien überzählige Schlussmann geworden. „Andi sollte sich auf die Polen konzentrieren, die kennt er gut“, nahm der Bundestrainer der Diskussion um den Keeper des polnischen Meister KS Kielce zwar die Schärfe, doch das änderte nichts an der Tatsache, dass Wolff, der EM-Held von 2016, zumindest vorübergehend verzichtbar geworden war.

Vor dem Turnier hatte sich Wolff mit kritischen Aussagen zu den Spielern, die wegen der Corona-Pandemie auf die WM verzichtet hatten, ganz bewusst in den öffentlichen Fokus gestellt. „Ich muss die Meinung der Spieler akzeptieren, aber sie müssen eben auch meine Meinung akzeptieren“, hatte Wolf erklärt. Weil der ehrgeizige Keeper während der WM schwache Leistungen zeigte, ist er nicht mehr gänzlich unumstritten wie in den Vorjahren. In den Partien gegen Ungarn und Spanien litt Wolff darunter, dass die vor ihm schuftende Abwehr nicht eingespielt war. Gleichzeitig wirkte der Torwart mental blockiert: Weil Wolff zu viel wollte, ging am Ende nichts.

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