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Verantwortung übernommen: Matris Petzold (links) und Marlene Flügel leiten die Kinder an.

Schlappekicker-Preis

Fit für die Zukunft

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Die Turnerschaft Klein-Krotzenburg erhält den mit 5000 Euro dotierten Schlappekicker-Preis.

Die Stimmung ist großartig. Knapp 20 Kinder springen, laufen und hüpfen nimmermüde herum. Und mittendrin im bunten Treiben gibt die junge Trainerin den Takt vor, die selbst kaum älter ist als die andern hier in der Sporthalle. Maris Petzold ist 14 Jahre alt und seit rund einem Jahr für gleich drei verschiedene Sportteams der Turnerschaft Klein-Krotzenburg verantwortlich, zwei Tanzgruppen und eine Turngruppe.

Als sie gefragt worden ist, ob sie nicht Lust hätte als Übungsleiterin zu arbeiten, sagte sie spontan zu, auch wenn die Verantwortung als mehr oder weniger selbstverantwortliche Betreuerin natürlich relativ groß ist. Zugute kam ihr dabei der behutsame Aufbau des Lernprogramms, wodurch sie erst einmal in ihre Arbeit reinschnuppern und entsprechend viel lernen konnte, bevor sie im Lauf der Zeit immer eigenständiger zu arbeiten begann. „Das ist eine schöne Sache, die mir viel Spaß macht“, sagt die 14-Jährige, die auch im Jugendrat sitzt und die Instagramseite des Vereins betreut.

Dass sie in ihrem jungen Alter schon so aktiv am Vereinsleben teilnimmt, mag auf den ersten Blick verwunderlich erscheinen. Doch bei der Turnerschaft Klein-Krotzenburg hat das Methode. Seit 2015 gelingt es dem Verein mit seinem vorbildhaften Konzept „Gib uns Dein Talent!“ nämlich immer wieder aufs Neue, ihre Vereinsmitglieder für ein Ehrenamt zu begeistern. Als Zeichen der Anerkennung erhält die Turnerschaft Klein-Krotzenburg in diesem Jahr den mit 5000 Euro dotierten Schlappekicker-Preis der Frankfurter Rundschau, der seit 1998 an Vereine, Initiativen oder eine Person aus dem Rhein-Main-Gebiet vergeben wird, die sich in besonderer Weise gesellschaftlich und damit für die sozialen Aspekte in ihrem sportlichen Alltag engagieren.

Maris Petzold ist nur eine von mehreren Jungtrainerinnen, die ihre eigenen Gruppen bei der Turnerschaft Klein-Krotzenburg leiten. In den Jahren 2018 und 2019 haben jeweils drei Mädchen im Alter von 13 bis 16 Jahren in den Herbstferien ihre Ausbildung zur Sportassistentin abgeschlossen, für das kommende Jahr sind auch schon wieder drei Plätze beim Landessportbund reserviert. „Sie lernen alle voneinander“, sagt Vorstandsmitglied Ramona Salg. „Niemand wird hier alleine gelassen, alle arbeiten zusammen.“ Im Hintergrund begleitet werden sie von der Diplom-Sportlehrerin Dunja Petzold, die ihnen stets mit Rat und Tat zur Seite steht, sie immer wieder ermuntert und ihnen Tipps und Tricks im Umgang mit jüngeren Kindern mit auf den Weg gibt.

Spendenkonto
Der Schlappekickerhilft seit mehr als 65 Jahren Sportlerinnen und Sportlern, die unverschuldet in Not geraten sind. Zudem fördert die FR-Aktion Sportvereine und -initiativen, die sich in besonderer Weise gesellschaftlich engagieren.

Wenn Sie mehrüber die aktuellen Projekte der Schlappekicker-Aktion, deren Historie, prominente Förderer und die Satzung wissen wollen, finden Sie uns im Internet unter folgendem Link:

fr.de/ueber-uns/schlappekicker an.

Spendenkonto:

Schlappekicker-Aktion

Frankfurter Volksbank

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BIC: FFVBDEFF

Mit dem Teilprojekt „Trainer sein ist cool“ hat die Turnerschaft Klein-Krotzenburg einen echten Treffer gelandet. Das gilt im gleichen Maße aber auch für die anderen Teilprojekte, die in das Gesamtkonzept „Gib uns Dein Talent!“ integriert sind. Dazu gehört zum einen das „Reversed Mentoring“, bei dem alles mal andersherum funktioniert. Hier nämlich greifen die Jungen den Alten unter die Arme, helfen bei den Themen Digitalisierung, soziale Medien, Online-Vernetzung oder Messenger-Dienste – was alles dazu beiträgt, jüngere Menschen wesentlich gezielter anzusprechen als bisher. Im besten Fall werden auf diese Art wieder „Junge Zukunftsgestalter TKK“ im Alter von 13 bis 21 Jahren gefunden, die eigenverantwortlich neue Projekte für Kinder und Jugendliche planen und umsetzen, die über das bisher bestehende Angebot hinaus spannend und interessant sind.

Gelungen ist es dem Verein auch, „Junge Frauen in den Vorstand“ zu holen, sie für ehrenamtliche Vorstandsarbeit zu gewinnen und in die Arbeit dort dauerhaft zu integrieren. Dass fast ausschließlich Frauen im Gesamtvorstand (80 Prozent) sowie im geschäftsführenden Vorstand (75 Prozent) tätig sind, liegt vornehmlich daran, dass der Verein immer wieder Kandidatinnen zu finden versteht, die sich mit ihren Aufgaben identifizieren können. Eng damit verbunden ist das Teilprojekt „Vereinbarkeit Familie und Ehrenamt“, bei dem es darum geht, die einzusetzenden persönlichen zeitlichen Ressourcen greifbar zu machen und damit die familiäre Belastung zu minimieren.

Das Konzept funktioniert. Simone Slach, die seit 2018 im Vorstand mitarbeitet, weist darauf hin, dass einem vor allem am Anfang viele Hemmungen genommen würden. Man habe zwar Lust auf ein Ehrenamt, doch die Hürden mitzumachen seien sehr. In Klein-Krotzenburg aber „gehen wir offen und ehrlich miteinander um und findet Lösungen, Familie und Ehrenamt miteinander zu vereinbaren“.

Im Grunde läuft alles darauf hinaus, den Verein für die Zukunft fit zu machen. Denn die grundsätzliche Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren, ist in den vergangenen Jahren merklich geringer geworden. Vereine unterliegen dem gesellschaftlichen Wandel, das Sport- und Freizeitverhalten hat sich geändert, überall fehlt es an Zeit und Flexibilität. Bei der Turnerschaft Klein-Krotzenburg sieht das anders aus, das Konzept trägt Früchte. So sind die Mitgliederzahlen in den vergangenen drei Jahren deutlich gestiegen, der Altersdurchschnitt ist von 61,3 Jahren (2017) auf 38,5 Jahre gesunken.

Für Thomas Petzold war klar, dass sich etwas ändern musste. „Wir haben vor ein paar Jahren begonnen, uns neu aufzustellen“, sagt der Vorsitzende, der deshalb von dem Spruch „Das haben wir immer so gemacht“ nichts hält. „Den gibt es bei uns nicht.“ Inzwischen ist die Situation so weit gediehen, dass der Verein gar nicht mehr selbst nach neuen Kräften suchen muss: „Die Menschen kommen auf uns zu“, so Petzold. Wahrscheinlich auch deshalb, weil alle wissen, dass sie Fehler machen dürfen. „Und sie sind alle gleich wichtig. Jeder hat gleich viel zu sagen.“

Thomas Petzold geht davon aus , dass von all den jungen Trainerinnen zumindest die Hälfe in den Vorstand eintreten wird, sobald sie 18 Jahre alt sind. Ein ehrgeiziges Ziel, das weiß auch Petzold selbst. Doch die Entwicklung der vergangenen Jahre spricht für sich. Für die Zukunft ist die Turnerschaft Klein-Krotzenburg jedenfalls blendend aufgestellt.

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