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Während der Olympischen Spiele bleiben in den Hotels in Tokio viele Zimmer frei.
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Während der Olympischen Spiele bleiben in den Hotels in Tokio viele Zimmer frei.

Wenn Olympia-Touristen fernbleiben

Zimmer frei!

  • VonFelix Lill
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Der steinige Weg nach Tokio, Teil 5: Das ganz große Geschäft für die Hotels bleibt während der Olympischen Spiele aus - denn die Gäste dürfe nicht einreisen. Kreativität ist gefragt

Tokios Luxusherbergen denken um. Das „Imperial Hotel“, das 1890 für ausländische Staatsgäste und weitere VIPs erbaut wurde, akzeptiert jetzt auch Mieter. Ein 30-Quadratmeterstudiozimmer kostet im Monat 360 000 Yen, also knapp 2800 Euro, und ist damit für kaum jemanden bezahlbar. Im Vergleich zum regulären Mietmarkt in Japans Hauptstadt hat das Imperial Hotel aber einen Vorteil, der über seine unmittelbare Nachbarschaft zum Kaiserpalast hinausgeht: Mieter:innen müssen weder eine Kaution noch die bei Wohnungen übliche Gebühr für die Schlüsselübergabe zahlen.

Bei näher Betrachtung verwundert es kaum, dass sich Japans wohl exklusivstes Hotel nun auf so mondäne Geschäftsmodelle wie Monatsmieten herablässt. Denn wie diverse andere Tophotels, die in den letzten Wochen mit ähnlichen Sonderangeboten aufgefallen sind, bleibt dem „Imperial Hotel“ keine andere Wahl. Als Japans Regierung im vergangenen Frühjahr coronabedingt einen nationalen Ausnahmezustand ausrief, stürzten die Zimmerbelegungen um 80 bis 90 Prozent ein. Auch in den Wochen mit etwas weniger hohen Infektionszahlen erreichen die Buchungen nicht mehr annähernd das Niveau, das man aus den Vorjahren gewohnt war.

Und eigentlich sollte ja alles viel besser werden statt schlechter. Für die Olympischen Spiele – das ohne die Verschiebung um ein Jahr schon 2020 gewesen wäre – hatte Japans Regierung einen Rekordwert von 40 Millionen Auslandstouristen angepeilt. Dabei handelte es sich um einen äußerst ehrgeizigen Plan: im Jahr 2013 waren noch kaum mehr als zehn Millionen nach Japan gekommen. Aber durch aufwendige Kampagnen war es den Planern der Regierung gelungen, schon 2018 die 30-Millionenmarke zu überschreiten. Ohne die Coronapandemie wäre das Ziel fürs Olympiajahr 2020 wohl erreicht worden.

Olympia ohne Gäste

Die Tourismusbranche war als großer Boomsektor vorgesehen, der einen maßgeblichen Beitrag zu Japans Wirtschaftswachstum leisten sollte. Deshalb tat sich die Regierung allerdings zu Beginn der Pandemie schwer damit, die Bestimmungen für Beherbergungen einzuschränken. Einerseits wurden die nationalen Außengrenzen rasch geschlossen, sodass die Zahl von Auslandstouristen praktisch auf Null fiel. Doch als Ersatzmodell rief Premierminister Yoshihide Suga die so genannte „Go-To-Travel-Kampagne“ ins Leben: Damit forderte die Regierung die japanische Bevölkerung zum Reisen quer durchs Land auf, indem sie Übernachtungen bezuschusste.

Ende vergangenen Jahres musste Premier Suga das Programm dann einstampfen. Kaum überraschend hatte sich herausgestellt, dass durch regen Personenverkehr auch das Coronavirus intensiver durchs Land reist. Ende März erklärte die Regierung nun, dass die ausgesetzte „Go-To-Travel-Kampagne“ auch zumindest bis Juni nicht wieder aufgenommen wird.

Wer ein weiteres Ausufern der Pandemie vermeiden will, dürfte hierüber erleichtert sein. Aber die vielen Hotels im Land, von denen nicht wenige erst in Erwartung der Olympischen Spiele errichtet wurden, sind zumindest in finanzieller Hinsicht enttäuscht. Denn der erwartete Tourismusboom wird dieses Jahr auch deshalb ausbleiben, weil Besucher aus dem Ausland nun nicht mehr zu den Spielen kommen dürfen.

Außerhalb von Tokio scheint man die Hoffnung auf Besucher schon komplett aufgegeben zu haben. Im zentraljapanischen Niigata, wohin die Olympiatouristen womöglich für einen Abstecher nach Ende der Spiele gekommen wären, machte zuletzt das erste Hotel damit Schlagzeilen, sein Geld nun anders verdienen zu wollen. Fortan vermiete man diverse Zimmer als Studentenwohnheim. Inklusive Strom, Warmwasser und Internet sollen die Studis im Monat 46 000 Yen zahlen, also ungefähr 355 Euro. Mit Touristen wären dies in etwa die Einnahmen pro Woche gewesen. Aber als Richtwert gilt das nicht mehr.

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