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Jerome Boateng (links) und David Alaba in Lagos.

FC Bayern München

Zeit für Gefühle an der Algarve

  • vonManuel Bonke
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Wie sich der deutsche Fußballmeister auf das Viertelfinale der Champions League gegen den FC Barcelona am Freitag in Lissabon vorbereitet.

Wohlfühl-Atmosphäre statt knallharter Trainingseinheiten. So sieht die Idealvorstellung von Bayern-Trainer Hansi Flick für den Angriff auf den Henkelpott aus. „Wir müssen die Akkus aufladen“, gab der Fußballlehrer gestern vor der ersten Trainingseinheit in Lagos die interne Marschroute für die nächsten Tage vor.

In der Praxis sieht das so aus: Lediglich am Vormittag bittet Flick seine Mannschaft zum Training auf den Platz, der nur knapp hundert Meter von den Zimmern der Spieler entfernt liegt. Gestern stand, das Chelsea-Spiel vom Wochenende noch in den Knochen, bewusst eine lockere Einheit an.

Für Flick gab es einige erfreuliche Nachrichten zu verkünden: Kingsley Coman wurde nach seinen muskulären Problemen wieder ins Mannschaftstraining integriert. Auch Jerome Boateng machte nach seiner offenbar doch nur leichten Blessur aus der Partie gegen die Blues die komplette Einheit mit. Lediglich Abwehrchef David Alaba drehte aus Gründen der individuellen Trainingssteuerung alleine Laufrunden, und Ersatz-Mittelstürmer Joshua Zirkzee absolvierte ein Rehaprogramm.

Und wenn alles nach Plan läuft, soll am Donnerstag auch noch Benjamin Pavard (Bandverletzung am linken Fuß) zum Team stoßen, um das von der Uefa festgelegte Corona-Prozedere über sich ergehen zu lassen. Im Idealfall könnte Pavard bereits am Samstag wieder mit der Mannschaft trainieren. Ab Donnerstag sind auch die Trainingseinheiten am Abend angesetzt. Morgen möchte der Bayern-Chefcoach seine Mannschaft mit einer Taktikeinheit auf dem Platz auf den FC Barcelona einstellen.

Zeit zum Golfspielen

So konzentriert und intensiv am Vormittag gearbeitet wird, so entspannter ist die Zeiteinteilung am Nachmittag: Nach dem gemeinsamen Mittagessen stehen diverse Mannschaftsbesprechungen an, wie beispielsweise die Videoanalyse von Viertelfinalgegner Barcelona – den restlichen Nachmittag haben die Spieler zur freien Verfügung. Flick verriet gestern, dass er kein Problem damit habe, wenn seine Spieler die freie Zeit für ein paar Abschläge am hoteleigenen Golfplatz oder Ausflüge zum Strand nutzen. Dass Flicks persönliches und das Ziel der Mannschaft der Champions-League-Sieg ist, daraus macht er mittlerweile auch öffentlich kein Geheimnis mehr.

Der Cheftrainer weiß seit der WM 2014 um die Wichtigkeit, sich vor einem großen Turnier eine Wohlfühloase zu schaffen, damit es letztendlich zum großen Coup reicht. Wie sagte Thomas Müller noch unmittelbar nach dem Viertelfinal-Rückspiel gegen Chelsea: „Eine gute Mischung ist wichtig. Wir müssen clever trainieren – und listig sein.“ Der „Schuss Lockerheit“ dürfe auf keinen Fall fehlen, „wir müssen eine Wohlfühl-Atmosphäre schaffen“. Gleichzeitig betont der Parade-Bayer allerdings: „Wir dürfen jetzt nicht sagen: Wir sind in Portugal, in der Nähe des Meeres, jetzt machen wir eine Urlaubsreise.“

Flick ist erfahren und empathisch genug, um den passenden Spagat zu vollziehen, damit die Voraussetzungen gegeben sind, dass die Münchner mit dem Henkelpott in den echten Urlaub fahren.

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