Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Endlich wieder raus zum gemeinsamen Sporttreiben: Kinder beim Basketball.
+
Endlich wieder raus zum gemeinsamen Sporttreiben: Kinder beim Basketball.

DOSB und DFB machen Druck

Zeit, dass sich was bewegt

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
    schließen

Die Verbände verstärken die Bemühungen, dass der Amateursport wieder eine Perspektive bekommt, denn die Jungen und die Alten leiden im Lockdown verstärkt.

Frühlingshafte Temperaturen, sonniges Wetter: Es gibt gerade gute Gründe, dass die Menschen vermehrt ins Freie strömen. Und viele wollen es nicht bei einem Spaziergang oder einer Fahrradtour belassen. Im Nu haben sich in Parks, auf Plätzen oder Freiflächen wieder Gruppen zusammengetan, die Fußball, Basketball oder Volleyball spielen. Erst einmal unorganisiert versteht sich. Erlaubt ist das eigentlich nur so lange, wie jeder für sich selbst Sport treibt.

Und der organisierte Sport ist weiterhin größtenteils nicht erlaubt. Nun empfiehlt aber die Sportministerkonferenz seit Montag „der Konferenz der Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten einen stufenweisen Wiedereinstieg in den Sport“, wie es in dem Beschluss heißt. Dabei orientiert sich das Gremium an den durch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) entwickelten Leitplanken und sieht „darin eine gute Grundlage im Hinblick auf die Trainings- und Wettkampfausübung“.

Konkret geht es um sechs Stufen. Der erste Schritt wären die Sportausübung mit Abstand/ohne Kontakt unter freiem Himmel. Dann könnten Kinder wie Erwachsene in bestimmten Gruppengrößen Lauf- oder Turnübungen machen oder unter Anleitung eines Vereinstrainers sich Bälle zupassen oder zuwerfen. In der zweiten Stufe wäre dies in „gedeckten Räumen“, also Sporthallen, erlaubt, im dritten Schritt würden die Abstandsbeschränkungen aufgehoben. Zuletzt würde sukzessive die Zulassung von Zuschauern erlaubt. Ohne die Öffnungsperspektive, so die Sportministerkonferenz, drohe „langfristig ein Verlust der Vielfalt des Sportangebots und daraus resultierend negative Auswirkungen für die Gesellschaft“.

Für die Sportausübung von Kindern und Jugendliche sind bei den Öffnungsschritten „begünstigende Ausnahmen“ vorgesehen. Denn mehr als sieben Millionen Mädchen und Jungen bis zum Alter von 18 Jahren können derzeit nicht mehr in ihren Sportvereinen trainieren (siehe Infobox Seite 19).

Die Ungeduld wächst bei DOSB-Präsident Alfons Hörmann, der im Gespräch mit der Deutschen Presseagentur forderte: „Es wird erkennbar Zeit, dass sich etwas ändert. Der Sport in ganz Deutschland steht bereit, wichtiger Bestandteil der Lösung zu werden.“ Die Vereine seien schließlich die „sozialen Tankstellen“ der Gesellschaft. Der Wirtschaftsmanager ist froh, dass der Sport vor dem nächsten Corona-Gipfel in Berlin „endlich wieder namentlich genannt worden ist“.

Der Ist-Zustand könne kein Dauerzustand bleiben. „Neben der Bewegungslosigkeit führt die aktuelle Situation zu Mutlosigkeit, Lustlosigkeit und Perspektivlosigkeit. Die körperlichen und psychischen Kräfte sind bei vielen aufgebraucht. Insbesondere machen uns die Kinder und Jugendlichen, aber mittlerweile mindestens genauso sehr die älteren und die ältesten Menschen Sorgen“, verdeutlichte Hörmann. Der Bewegungsmangel nehme für Jung und Alt Ausmaße an, „die erschreckend sind“.

Robert Erbeldinger, Herausgeber der in Mainz erscheinenden „Sportärztezeitung“, schlägt vor, dass jeder einzelne in der Pandemie sein Handlungsfeld abklopft. „Konkret bedeutet dies, auf Sport, Bewegung, Atmung, Schlaf, Ernährung und eine Stärkung der eigenen Psyche durch positive Gefühle und Gedanken, aber auch ein intaktes soziales Umfeld im Privaten und im Beruf zu achten.“ Gerade jetzt würden Panik, Angst und Sorgen nicht helfen. „Sein Appell: „Das wichtigste ist, vernünftig und gelassen zu bleiben und sich auf seine persönlichen positiven Möglichkeiten zu konzentrieren.“

Doch die Misere des organisierten Sports wird in einer Mitgliedererhebung durch die Landessportbünde sichtbar. Bei den meisten wird ein Mitgliederschwund von drei bis fünf Prozent festgestellt. Es gebe Signale aus Vereinen und Landessportbünden, dass die Kündigungen im Januar und Februar weiter gehen, warnt Hörmann.

Der DOSB-Chef nahm auch ausführlich Stellung zur Sonderrolle des Profifußball, deren internationale Einsätze zwar „an der Sportbasis zunehmend infrage gestellt“ würden, aber aus seiner Sicht müsse das Ganze eingeordnet werden: Man müsse sich nur die Dominoeffekte vorstellen, wenn der Profifußball wieder stoppe: „Wenn einzelne Vereine ins Wanken geraten, besteht die Gefahr, dass die ganze Bundesliga ins Straucheln kommt. Das würde zugleich alle nachfolgenden Ligen schwächen.“ Seine Schlussfolgerung: „Auch der Fußball kämpft ums Überleben.“

Zuletzt hat sich auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mehr Gehör verschafft, um seine Sorgen zu transportieren. Anfang des Monats baten DFB-Präsident Fritz Keller und sein Vizepräsident Rainer Koch in einem Offenen Brief analog zum DOSB daran appelliert, „den Sport als Teil der Lösung zu betrachten“. Am Dienstag setzten sich die Präsidenten der Regional- und Landesverbände für Lockerungen im Amateurbereich ein. Von den 145 000 Fußballmannschaften dürften derzeit nur 0,07 Prozent spielen – weil dort Profis ihrem Beruf nachgehen. Der Fußball aber sei eine Einheit, in dem alles miteinander verbunden seien. Es fehlte auch nicht der Verweis, „welche Folgen dauerhafter Bewegungsmangel und fehlende soziale Kontakte gerade für Kinder und Jugendliche“ haben könne.

Der Verband führte zudem eine Untersuchung von mehr als 750 Partien aus dem Profi- und Amateurbereich mit mindestens einem coronaverdächtigen Spieler an. In den Mannschaften seien bis 14 Tage nach dem Spiel – bis auf eine Ausnahme – keine weiteren Verdachtsfälle festgestellt worden. „Zusammengefasst bedeutet dies, dass nach aktuellem Kenntnisstand beim Fußballspielen unter freiem Himmel nur eine äußerst geringe Ansteckungsgefahr besteht“, sagte Nationalmannschaftsarzt Tim Meyer. Das setzt allerdings voraus, dass vorher beim Treffpunkt, beim Umziehen und vor allem auch beim Beisammensein danach, der unter Amateurkickern beliebten „dritten Halbzeit“, alle Hygieneregeln eingehalten werden. mit dpa/sid

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare