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Uli Hoeneß im Mai 1979 an seinem Schreibtisch beim FC Bayern.

Kommentar

Nur die Wurst hat zwei

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Uli Hoeneß geht - und am Ende muss natürlich an den Anfang erinnert werden. Ein Kommentar.

Am Ende muss natürlich an den Anfang erinnert werden, so wie immer, wenn etwas Großes vorbei geht. An den ersten Tag im Managerleben von Uli Hoeneß, 1. Mai 1979, er erzählt das ja selbst ganz gerne: Wie er als 27-Jähriger beim FC Bayern in sein neues Büro kam an der Säbener Straße, im Sakko sogar, obwohl er von Sakkos nichts hielt, und wie er dann ein bisschen rumtelefonierte und nach zwei Stunden wieder nach Hause ging, weil es nichts mehr zu tun gab. Ja, so war das am Anfang, als Uli Hoeneß bei den Bayern als Manager anfing: 20 Mitarbeiter. Zwölf Millionen D-Mark Jahresumsatz. Sieben Millionen Schulden.

Hoeneß hat dann in den nächsten 40 Jahren nie wieder nichts zu tun gehabt nach zwei Stunden im Büro, dafür hat der schlaue Geschäftsmann und frühere Weltklassestürmer schon selbst gesorgt. Es begann mit Kleinigkeiten, mit Dienstleistungen für den Fan, damit zum Beispiel, dass er die Privatadressen der Spieler in den Achtzigerjahren im Fußballmagazin „Kicker“ abdrucken ließ, sodass die Leute ihre Autogrammwünsche direkt per Post an die Profis richten konnten. Zwei Wochen später lagen die signierten Karten im Briefkasten der Bayern-Anhänger. Ein geradezu visionärer Vorgang.

Wenn Hoeneß, 67, sich nun mit seinem Rückzug vom Präsidentenamt nach vier Jahrzehnten aus der vordersten Linie der Funktionärsebene verabschiedet, hat mehr als tausend Mitarbeiter und 700 Millionen Euro Umsatz und das Gegenteil von Schulden, nämlich ein berühmtes Festgeldkonto, dem zwingend das Prädikat „prall gefüllt“ zuzuordnen ist. Hoeneß hat einen Weltverein erschaffen, Stück für Stück, er hat 2005 im Norden Münchens eine riesige Fußballarena hinbauen lassen, mit bayernroten Sitzschalen, nachdem die komischen Sechzger dann auch endlich mal verschwunden waren. Hintenraus hat er sich noch eine massive Basketballabteilung ausgedacht, die wie die Fußballer ihren Sport in Deutschland nach Belieben beherrschen, und die dazugehörige Superhalle lässt Hoeneß nun vom österreichischen Milliardär Dietrich Mateschitz hochziehen, denn so macht man das als Geschäftsmann, der auch mit Siebenhundertmillionenumsatz keine Mark zu verschenken hat.

Wird es still um Hoeneß?

Keiner hat je so tüchtig gemacht wie der Macher Hoeneß. Wenn man nichts verpasst hat, müsste irgendwo noch eine Wurstfabrik von ihm stehen. Längst hat er die Leitung an seine Kinder Sabine und Florian übergeben, und wenn die Geschichte stimmt, dass er anfangs tagtäglich im Geschäft anrief, um sich zu erkundigen, ob das auch alles klappe mit Sabine, Florian und den Würsten, weiß man, dass Hoeneß auch dann irgendwie im Vordergrund bleiben wird, wenn er sich nun in den Hintergrund zurückzieht, als einfaches Aufsichtsratsmitglied seiner FC-Bayern-Familie. Dass er sich nun gänzlich als Opa und Golfer in die Stille des Tegernsees zurückzieht, ist wirklich nicht zu erwarten.

Aber ein bisschen stiller darf es ruhig werden um Uli Hoeneß. Vielleicht setzt ja nun endlich die Demut ein, die er vor seinem Einzug ins Gefängnis wegen Steuerhinterziehung für die Zeit danach schwor. Schnell hatte er zurückgefunden zu seinem Selbstverständnis als Klubpatron, Attacke hier, Attacke dort. Mischte sich in operative Belange ein, die ihn eigentlich nichts angingen, jedenfalls nicht in seiner Lebensabschnittsfunktion als Klubpräsident. Sehr wohl natürlich in seiner Rolle als Erfinder des FC Bayern, denn die ist ewig. Uli Hoeneß geht und wird bleiben. Das schafft nur einer wie er.

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