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Willkommen in der Traumfabrik

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Von: Frank Hellmann

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Startet endlich wieder auf der Langdistanz: Triathlon-Star Jan Frodeno. dpa
Startet endlich wieder auf der Langdistanz: Triathlon-Star Jan Frodeno. dpa © dpa

Beim Triathlon in Roth stehen Stars wie Jan Frodeno, Patrick Lange und Anne Haug im Fokus.

Es ist jedes mal dieselbe Prozedur, die Ende November in der Langener Stadthalle über die Bühne geht. So manch einer aus der Triathlon-Gemeinde, die sich in festlicher Atmosphäre an den langen Tischen versammelt, fühlt sich an die Kultsendung „Dinner for One“ erinnert. Denn der Ausspruch von Miss Sophie „The same procedure as every year, James!“ passt genauso auf die Kür, bei der Frank Wechsel, Chefredakteur des Triathlon Magazins, die beliebtesten Veranstaltungen ehrt. Alljährlich gewinnt in der Kategorie Langdistanz die „Challenge Roth“. Völlig egal, was beim Ironman Frankfurt passiert.

Denn das Rennen am Traditionsstandort in der fränkischen Provinz ist mehr als nur ein Triathlon; ein Event, bei der sich eine Region für eine Sportart hingibt – und diese Zuneigung an jeder Stelle voller Inbrunst lebt. Vielleicht sogar angespornt davon, dass 2002 die bis dahin im Besitz von Roth befindliche Ironman-Lizenz nach Frankfurt wanderte.

Nun findet am Sonntag (6.30 Uhr/BR) mit den 3,8 Kilometer Schwimmen und 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer Laufen in der Traumfabrik Roth wieder das bestbesetzte Event auf deutschem Boden statt. Vor allem auf die zwei amtierenden Hawaii-Heroen, Jan Frodeno bei den Männern und Anne Haug bei den Frauen, richtet sich der Fokus. Beide zeigen sich statt beim Ironman Frankfurt lieber bei der Konkurrenzserie, die nicht nur besser zahlt, sondern auch mehr Publicity bringt.

Beim Comeback nach seinem Achillessehnenanriss sieht sich Frodeno in neuer Rolle. Er spüre erstmals nicht dieses „ich muss“, erzählte der dreimalige Ironman-Weltmeister mit breitem Grinsen: „Das alles andere als ein Sieg ein Scheitern wäre. Ausnahmsweise sehe ich das nicht so.“ Denn: „Wenn ich schmerzfrei durchkomme, wäre es mir ausnahmsweise komplett egal, wenn ich Fünfter werde. Ich bin eigentlich ein Feind des Mittelmaßes, aber es ist für mich eine neue Situation.“

Mitte Januar zog sich der 40-Jährige die Verletzung zu, nach Fehldiagnose und Fehlbehandlung verpasste er im Mai die Ironman-WM in St. George. Da zuvor zahlreiche Rennen der Pandemie zum Opfer gefallen waren, wird er nun sein erstes offizielles Langstreckenrennen seit 995 Tagen absolvieren. Im Schwimmen und Radfahren fühle er sich topfit, doch die Laufform bereitet Sorgen. „Ich kann keine Weltklasseleistung erwarten, wenn ich keine Weltklasse-Vorbereitung habe“, sagte Frodeno.

Stichelei im Vorfeld

Er trifft auf den zweimaligen Hawaii-Champion Patrick Lange, der nach einer Schultereckgelenkverletzung in den Wettkampfbetrieb zurückkehrt. „Es motiviert mich extrem, gegen ihn anzutreten. Wir haben eine harte Konkurrenz, da gehört auch mal anecken dazu“, sagte Frodeno. Lange hat sich an solche Stichelei längst gewöhnt. „Es ist so, dass ich immer gegen die Besten der Welt antreten will, deshalb ist es cool, dass auch Jan am Start ist.“

Eine Freundschaft mit „Frodo“ wird der 35-Jährige nicht mehr schließen. Zu grundverschieden sind die beiden. Ursprünglich hatte auch Sebastian Kienle noch auf der Starterliste gestanden, doch der 38-Jährige sagte ab. Ihn habe die von der WM in St. George mitgebrachte Covid-Infektion zu sehr geschwächt. „Das hat mich drei gute Trainingswochen gekostet, ich bin immer noch am Kämpfen“, sagte der 37 Jahre alte Kienle in einer Videobotschaft.

Bei den Frauen richten sich alle Blicke auf die Bayreutherin Haug, die als Favoritin und Lokalmatadorin an den Start geht. „Eine Langdistanz ist ein Puzzle mit tausend Teilen“, sagte die 39-Jährige. Es müsse „alles passen“, um den Vorjahrestriumph zu wiederholen. mit sid

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