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Jung, begabt, hungrig: Der 22 Jahre alte Mittelfeldspieler Houssem Aouar prägt das Spiel von Überraschungsteam Lyon.

Olympique Lyon

Wiederauferstehung aus dem Nichts

Nach den Siegen gegen Juventus Turin und Manchester City ist das Selbstbewusstsein bei Lyon riesig.

Die Begeisterung bei Olympique Lyon nach dem überraschenden Halbfinaleinzug in der Champions League ist groß, der Favoritenschreck will für den letzten Schritt Richtung Endspiel auch die Ballermänner aus dem Süden Deutschlands aus dem Weg räumen. Im Spiel gegen Bayern München am Mittwoch (21 Uhr/Sky und Dazn) scheinen die Rollen verteilt, doch Wettquoten, Marktwerte und Statistiken interessieren den früheren französischen Serienmeister nicht. „Wir haben Juventus Turin geschlagen, einen Favoriten auf die Champions League. Wir haben Manchester City besiegt, das ebenfalls ein Anwärter war. Gegen Bayern ist die Ausgangslage genauso“, sagte Trainer Rudi Garcia. Und Sportdirektor Juninho fügte selbstbewusst hinzu: „Wir können mittlerweile jeden schlagen.“

Natürlich aber haben sie auch Respekt vor den Bayern. Das 8:2 des deutschen Rekordmeisters im Viertelfinale gegen den FC Barcelona hat auch beim siebenmaligen französischen Meister Eindruck hinterlassen. „Das war eine Fußballlehrstunde“, urteilte Juninho, der im Mai 2019 als Sportdirektor zu Olympique zurückkehrt war: „Der FC Bayern ist eine Inspiration für mich. Es beginnt mit dem Torwart und endet mit Lewandowski.“

Lyon selbst erlebt in diesen Tagen von Lissabon eine Art Wiederauferstehung. Im ersten Jahrzehnt dieses Jahrtausends dominierte OL die Ligue 1 und war auch Dauergast in den späten Runden der Königsklasse. 2010 gelang erstmals der Sprung ins Halbfinale, der Gegner damals? FC Bayern. Dann stieg Katar bei Paris St. Germain ein, Lyon verlor seine nationale Vormachtstellung und auch international blieben die Erfolge aus. Die aufgrund der Corona-Pandemie abgebrochene Saison beendete Lyon nur auf Rang sieben. Zu wenig für die Europapokal-Qualifikation – es sei denn, es gelingt der Champions-League-Triumph.

Diese Möglichkeit besteht auch dank einer veränderten Herangehensweise nach der Coronapause. „Die Mannschaft trainierte anders, die Spieler wirkten reifer, hatten mehr den Wunsch, füreinander zu spielen“, sagte Juninho. Das Verdienst für diese positive Entwicklung gebühre vor allem Trainer Gracia, betonte der Sportdirektor.

Junge Spieler überzeugen

Zu den bekanntesten aktuellen Spielern bei den Franzosen, die es in der Vorrunde unter anderem mit RB Leipzig zu tun hatten (2:0, 2:2), gehören der erfahrene, niederländische Stürmer Memphis Depay und Torjäger Moussa Dembele, der mit seinen zwei Toren den 3:1-Sieg gegen Manchester City besiegelte.

Etwas unter dem Radar fliegen der pfeilschnelle Maxwel Cornet auf der linken Außenbahn und der junge Spielgestalter Houssem Aouar, die beide vor allem gegen Manchester City herausragend spielten. Mittelfeldantreiber Lucas Tousart, der eigentliche Kopf der Mannschaft im zentralen Mittelfeld, nimmt am Turnier in Portugal nicht mal mehr teil, er trainiert dagegen bei seinem neuen Klub, der Hertha aus Berlin.

Für die besondere Strategie ist derweil Trainer Garcia zuständig, der seit Oktober 2019 im Amt ist. Gegen City ließ er Dembele überraschend 75 Minuten auf der Bank schmoren, ehe der 24-Jährige doch noch ins Spiel kam und gleich aufdrehte. Gegen Bayern hofft Dembele wieder auf einen Einsatz von Beginn an. Der deutsche Doublesieger sei ein schwerer Gegner, sagte Dembele, „ein großer Klub, doch wir sind bereit“. (sid/FR)

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