1. Startseite
  2. Sport

Wie verrückt

Erstellt:

Kommentare

Die Major League Pickleball macht Furore: Zane Navratil and Parris Todd jubeln.
Die Major League Pickleball macht Furore: Zane Navratil and Parris Todd jubeln. © afp

Pickleball wird in den USA zum Trendsport, auch für Prominente. Es ist eine Mischung aus Badminton, Tennis und Tischtennis.

Dirk Nowitzki, LeBron James, Tom Brady – die größten Namen des Sports eint in diesen Tagen ein Hype: Pickleball. Den Mix zwischen Badminton, Tennis und Tischtennis musste Nowitzki einfach selbst ausprobieren. Ungelenk stakste er bei einem Promiturnier über den Platz, glich seine Schwäche aber mit viel Ballgefühl aus. James und Brady sehen im US-Trendsport Nummer eins vor allem eine gute Gelegenheit, Geld zu verdienen. Beide investieren in die Major League Pickleball, und damit in einen gewaltigen Wachstumsmarkt.

Ein einfaches Spiel

Laut einer Studie der Sports and Fitness Industry Association soll zwischen 2019 und 2021 die Anzahl der Spieler;innen um 39 Prozent auf 4,8 Millionen gestiegen sein. „Das ist echt der Wahnsinn“, sagt Andreas Kopkau, Vorsitzender des Deutschen Pickleball Bundes, mit Blick auf die Entwicklung in den USA – und ergänzt: „Aber auch in Deutschland nimmt es deutlich Fahrt auf.“

Die Beliebtheit hängt mit der Einsteigerfreundlichkeit des Spiels zusammen. „Pickleball ist super einfach zu erlernen“, sagt Kopkau. Der Sport, der 1965 von zwei Vätern im Kampf gegen die Langeweile der eigenen Kinder erfunden wurde, wird auf einem Badmintonfeld gespielt. Das Netz hängt tiefer, die Schläger sind doppelt so groß wie beim Tischtennis, der Ball ist aus Hartplastik. Das Ganze sieht aus wie Mini-Tennis.

Die Taktik steht im Mittelpunkt, meistens wird auf dem kleinen Feld im Doppel gespielt. Deshalb ist Pickleball auch etwas für körperlich angeschlagene Sportrentner wie Nowitzki – und eignet sich für jede Altersklasse. Als Beispiel nennt Kopkau seinen 72-jährigen Vater, der im Verein auch mit der jüngsten Spielerin zusammenspielen kann, die elf Jahre alt ist. „Ich weiß nicht, in wie vielen Sportarten so eine Konstellation machbar ist“, sagt Kopkau.

Deutschland hängt nach

Bei aller Begeisterung – noch ist der Hype nicht über den großen Teich geschwappt. „Wir könnten in Deutschland schon viel weiter sein“, sagt Kopkau. Seit 2017 ist die Anzahl der deutschen Vereine von drei auf über 60 gestiegen, dennoch gibt es Baustellen – die Entwicklung stockt. „Die vielen Sportarten in Deutschland und die begrenzten Hallenzeiten bremsen uns aus“, sagt Kopkau. Es sei schwierig, der Nachfrage nachzukommen.

Auch die Angebote von Tennisvereinen, die ihr Programm erweitern wollen, muss er zumeist absagen, da diese häufig auf Asche spielen – für Pickleball nicht geeignet. „Für den Hartplastikball brauche ich einen glatten Boden, sonst verspringt er“, erklärt Kopkau.

Trotzdem blickt der 52-Jährige positiv in die Zukunft. Denn auch in anderen europäischen Ländern sei „ein deutlicher Push“ zu spüren. Das Fernziel? Pickleball bei Olympischen Spielen. „Da schielen viele Leute drauf, es gibt Bemühungen, den Sport olympiareif zu machen“, sagt Kopkau: „Wir sind aber noch relativ weit entfernt.“ (sid)

Auch interessant

Kommentare