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Wie Olympia-Eishockey in Asien scheiterte

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Von: Günter Klein

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Der Größte aller Zeiten: Sogar Wayne Gretzky gab sich 1998 in Nagano die Ehre.
Der Größte aller Zeiten: Sogar Wayne Gretzky gab sich 1998 in Nagano die Ehre. © AFP

Nicht mal Paul Kariya und Wayne Gretzky haben es geschafft, die Sportart in Asien nachhaltig boomen zu lassen.

Interessant an Paul Kariya war sein zweiter Vorname: Tetsuhiko. Kariya, 1974 in Vancouver geboren, war der erste Star der National Hockey League (NHL) mit japanischen Wurzeln. Auch seinetwegen entschloss sich die NHL 1998 zur erstmaligen Teilnahme an Olympischen Winterspielen. Sie fanden in Nagano statt. Japan, ein aufregender neuer Markt für das Eishockey, so dachte man. Der Sportartikelriese Nike, der sich zeitweilig eine Eishockey-Marke (Bauer) leistete, mietete in Nagano Räumlichkeiten an, in denen groß aufgetischt wurde und kein Gast ohne ein Geschenkpaket entlassen wurde. Und nicht nur die Top-Profis aus der NHL sollten die große Eishockey-Offensive tragen: Frauen-Eishockey feierte 1998 in Nagano sein Debüt.

Die Japaner belegten unter 14 Teams Platz 13. Sie waren schon ausgeschieden, als die NHL-Profis, die die großen Nationen bestückten (Kanada, USA, Russland, Tschechien, Schweden, Finnland), noch nicht angereist waren. Das erste Turnier mit allen Superstars – sogar Wayne Gretzky, der Beste aller Zeiten, war für Kanada am Ende seiner Karriere dabei – wurde gefeiert, doch es entwickelte sich daraus weder eine dauerhafte Begeisterung für die NHL noch ein Aufschwung für die japanische Szene. Die NHL verwarf ihre Pläne, Punktspiele (natürlich mit Paul Tetsuhiko Kariya) nach Japan auszulagern. Das Männer-Nationalteam spielte bei einigen A-Weltmeisterschaften mit, da ein Startplatz im 16er-Feld an einen asiatischen Qualifikanten vergeben wurde. Japan gewann aber nie ein Spiel, daher wurde dieser Zugang wieder geschlossen. Heute ist Nippon die Nummer 25 in der Welt.

Weil das IOC den Wintersport groß machen will und 2018 nach Südkorea ging und nun nach China, sieht das Eishockey sich mit der Problematik konfrontiert, dass der Gastgeber als Teilnehmer berücksichtigt werden muss – trotz absehbarer sportlicher Überforderung. Wobei: Schon an Pyeongchang hatte die NHL kein Interesse mehr (zu kleiner Markt), für Peking sagte sie vor einigen Wochen wegen der Corona-Pandemie und des eigenen in Verzug geratenen Terminplans ab. Dadurch blieb es Südkorea erspart – und so wird es ab Mittwoch auch im Fall Chinas sein –, gegen die Allerbesten der Welt spielen zu müssen.

Südkorea hat sich 2018 auf die im Eishockey übliche Art beholfen und Nordamerikaner eingebürgert. Sieben waren es, der bekannteste von ihnen der ehemalige DEL-Spieler Brock Radunske, der aber tatsächlich zehn Jahre für ein koreanisches Team (Anyang Halla) gespielt hatte. Den kanadisierten Südkoreanern gelangen achtbare Resultate wie ein 1:2 gegen Tschechien und ein 2:5 gegen Finnland. In die A-Gruppe der WM sind sie trotz des Olympia-Schubs noch nicht vorgedrungen, das Ranking der IIHF führt sie auf Platz 19.

China ist 32., die Eishockey-Welt hatte schon Schlimmstes befürchtet für die Gruppe mit Kanada, USA und Deutschland. Die wird ohne NHL-Beteiligung nicht mehr ganz so wild – und die Chinesen selbst haben für Olympia kurzfristig aufgerüstet. 16 Kanadier erhielten die chinesische Staatsbürgerschaft – offensichtlich ohne die originäre abgeben zu müssen. So kann China nun mit einer Nationalmannschaft an den Start gehen, die dem Vereinsteam von Kunlun Red Star entspricht.

Kunlun aus Peking wurde 2016 als Profiteam in die russisch dominierte Kontinental Hockey League aufgenommen. Ein Erfolg ist die Franchise nicht. Bei ihren Spielen in einer Halle mit 14 000 Plätzen verloren sich immer nur einige hundert Zuschauende. Trotz einiger Star-Importe aus Amerika – Trainer war kurz auch mal der Stanley-Cup-Gewinner Mike Keenan – blieb der sportliche Erfolg aus; wegen Corona wurde Kunlun Red Star in die Region Moskau verpflanzt.

Zumindest wird Team China nicht namenlos – Jake Chelios spielte NHL und war ein guter AHL-Verteidiger – und weitaus stärker als ein 32. der Welt sein. Doch ob das Projekt auch nachhaltig sein kann?

Besser ist China im Frauen-Eishockey. Da war es, als die Sportart sich vor 30 Jahren entwickelte, sogar mal Weltklasse. Gescoutet und entsprechend ausgebildet wurden zum harten Körperspiel befähigte Frauen. Nur: Dass die IIHF die Regeln änderte und Checks verbot, beendete die chinesische Erfolgsgeschichte. Die Frauen stehen heute auf Platz 19.

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