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„Wie eine Klassenfahrt“

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Von: Nico-Marius Schmitz

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Spaß am Spiel: NFL-Profi Colby Parkinson.
Spaß am Spiel: NFL-Profi Colby Parkinson. © AFP

Tight End Colby Parkinson von den Seattle Seahawks über das Gastspiel der NFL in München, den schweren Start in seine Karriere und darüber, warum seine Position die aufregendste ist

Die Seattle Seahawks spielen zur Überraschung vieler Experten eine starke Saison in der NFL, der US-Profiliga im American Football. Mit sechs Siegen und drei Niederlagen reisen die Seahawks zum Spiel nach München gegen die Buccaneers am Sonntag (15:30 Uhr). Auch Colby Parkinson spielt stark auf. Der 23-Jährige Tight End hatte zu Beginn seiner Karriere mit einer Fußverletzung zu kämpfen, nun wird das Kraftpaket (2,01 Meter, 117 Kilogramm) immer wichtiger für das Seahawks-Spiel.

Colby Parkinson, die Vorfreude auf das NFL-Spiel in München ist riesig. Auch bei Ihnen?

Absolut! Ich war zu Beginn meines Studiums in Australien und habe dort auch Football gespielt. Die Leute waren unglaublich nett. Ich freue mich jetzt auf meine nächste Erfahrung im Ausland. Es ist immer wie eine Klassenfahrt mit den Jungs. Wir haben schon mitbekommen, dass die Begeisterung in Deutschland riesig ist. Ich weiß noch nicht so viel über München, daher freue ich mich darauf, die Kultur kennenzulernen und die Stadt zu entdecken. Das sollte ein gutes Spiel gegen die Bucs werden, lasst uns Spaß haben!

Sie haben auf der Elite-Universität Stanford studiert. Wie war die Zeit dort?

In Stanford gibt es die Mentalität, dass du überall der Beste sein musst. Nicht nur sportlich, sondern auch im Studium. Ich stehe total hinter dem Satz. Stanford ist sehr herausfordernd, aber auch inspirierend. Ich habe die Zeit sehr genossen. Der Trainerstab war super, die Bedingungen für einen Athleten exzellent. Ich hatte die großartige Möglichkeit beides zu verbinden: auf einem Top-Niveau Football zu spielen und an einer weltweit renommierten Universität zu studieren.

Zum Beginn der NFL-Karriere haben Sie sich Ihren Fuß gebrochen, sind lange Zeit verletzt ausgefallen. Wie sind Sie mit dieser Zeit umgegangen?

Es war frustrierend. Ich wurde gerade gedraftet und war absolut bereit für die Saison. Ich habe dann die erste Hälfte meines Rookie-Jahrs und die zweite Saison nahezu komplett verpasst. Aber am Ende hat sich die harte Arbeit ausgezahlt. Ich habe noch viel zu geben, der Verein bietet mir eine gute Perspektive. Wenn ich gesund bleibe, ist alles möglich.

In der Vorbereitung auf die aktuelle Saison haben Sie viel Krafttraining gemacht. Ist das aktuell körperlich die beste Verfassung Ihrer Karriere?

Ja, absolut. Ich habe mit alten Freunden aus Stanford trainiert. Wir haben viele Übungen für O-Liner gemacht. Daher bin ich stärker geworden, habe an Gewicht zugelegt. Ich fühle mich stark und schnell. Das führt bislang zum Erfolg. Körperlich in so einer guten Verfassung zu sein, sollte mir auch dabei helfen, gesund zu bleiben.

Sie werden nicht so häufig angeworfen und haben trotzdem häufig spektakuläre Aktionen.

Jedes Mal, wenn der Ball in meine Richtung fliegt, fange ich ihn und mache etwas Gutes aus der Situation. Ich bin bereit für diese Momente. Das gibt dem Team und mir Selbstvertrauen. Ich kann meinem Körper jetzt vertrauen, muss mir keine Sorgen mehr um meine Füße machen. Das lässt mich befreiter aufspielen und führt zu guten Leistungen.

In Deutschland fangen immer mehr Kinder mit dem Football an. Warum sollten sie sich für die Position des Tight End entscheiden?

Tight End zu sein ist einfach großartig (lacht). Du musst alles machen. Als Teil der Offensive Line beschützt du deinen Quarterback, gehst in die Blocks, dahin, wo es weh tut. Ich mag es, auch die harte Arbeit zu erledigen. Du bist aber auch Passempfänger, läufst Routen und musst schnell sein. Du brauchst so viele verschiedene Fähigkeiten für diese Position und musst sehr flexibel sein. Das macht es so spannend.

Was würden Sie jungen Football-Spielern raten?

Genießt es einfach. Viele Leute nehmen den Sport viel zu ernst. Natürlich musst du fokussiert sein, um Erfolg zu haben. Aber es ist ein Sport, der auch unglaublich viel Spaß macht. Gerade am Anfang der Karriere sollte man sich die Momente nehmen, das zu genießen und nicht zu verbissen rangehen. Wenn es dir Spaß macht, wirst du automatisch ehrgeiziger und willst mehr erreichen. Der Erfolg kommt dann von alleine.

Interview: Nico-Marius Schmitz

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