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Wie der Sport mit Hitze und Kälte umgeht

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Von: Günter Klein

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Kräftezehrende Gluthitze: Jan Frodeno vor einigen Jahren beim Ironman auf Hawaii.
Kräftezehrende Gluthitze: Jan Frodeno vor einigen Jahren beim Ironman auf Hawaii. © imago/CTK Photo

Wer professionell rennt, kickt oder radelt, muss bei jedem Wetter Leistung bringen.

Allgemeines Stöhnen unter der Hitze – und von den Ärzten der Rat: Es mit dem Sport lieber sein lassen. Ist nur nicht für jeden praktikabel. Profis müssen immer ran, auch wenn es grenzwertig ist. Wer sein Geld im Sport verdient, hat mit klimatischen Extremen klarzukommen.

Formel 1: Ist der heißeste Sport. Auch wenn ein Cockpit ein Freiluft-Arbeitsplatz ist – es heizt durch die Technik immer auf. Beim Rennen im schwülheißen Singapur wurden, obwohl nach Sonnenuntergang gefahren wurde, Temperaturen um die 60 Grad gemessen.

Radsport: Derzeit bei der Tour de France: Fünf Stunden in der prallen Sonne, vom Asphalt strahlen 60 Grad ab. Die Radler bekommen Packungen mit Eiswürfeln. „Aber die sind nach fünf Minuten weggeschmolzen“, sagt der deutsche Teilnehmer John Degenkolb. Einen Hitze-Passus gibt es im Reglement nicht, gestartet wird immer.

Fußball: Bei der WM 1990 in Italien platzierte das Fernsehen ein Thermometer direkt über dem Rasen. Das ging im Mailänder Giuseppe-Meazza-Stadion bei deutschen Spielen am Nachmittag, wo es eh am wärmsten ist, bis auf 55 Grad hoch. Der Betonklotz im Stadtteil San Siro ließ einfach keine frischere Luft rein. Die Fifa genehmigte pro Halbzeit eine Trinkpause. Auf nachträglich 50 Grad Celsius wurde das „Jahrhundertspiel“ Deutschland – Italien (3:4 n.V.) taxiert. Ausgetragen 1970 zur Mittagsstunde (wegen des Fernsehens) im 2000 Meter hoch gelegenen Mexiko-City – eine Qual. Bei diesem Turnier waren erstmals – aufgrund der erwarteten Hitze – zwei Auswechslungen erlaubt. 41 Grad hatte es beim deutschen WM-Spiel 1994 in Chicago gegen Südkorea (3:2), und der langjährige Nationalmannschaftskapitän Philipp Lahm nannte ein Freundschaftsländerspiel 2009 in Dubai „mein extremstes Klimaerlebnis. Anstoß um 23 Uhr Ortszeit – bei 38 Grad“. Eine besondere Herausforderung bot die WM 2014 in Brasilien, obwohl sie in den dortigen Winter fiel: Manaus am Amazonas wartete mit subtropischem Klima auf, nahe an den 40 Grad, Luftfeuchtigkeit dauerhaft über 75 Prozent. Der Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld versuchte dennoch, stilsicher im Anzug zu coachen. Das Jackett legte er dann aber ab.

Leichtathletik: Die Welt litt mit, als 1984 in Los Angeles beim ersten Marathonlauf der Frauen die Schweizerin Gaby Anderson-Schiess ins Stadion auf die letzte Runde torkelte. In der Hitze war sie dehydriert, man maß bei ihrer Versorgung im Ziel eine Körpertemperatur von 41,2 Grad. Schlimme Szenen auch bei der WM 2019 in Doha. Zwar wurde im katarischen Herbst im gekühlten Stadion gelaufen, gesprungen und geworfen, doch bei Marathon und Gehen auf den Straßen kam es zu dramatischen Szenen. Manche Teilnehmenden mussten in den Rollstuhl gesetzt werden. Die großen Städte-Marathonläufe finden außerhalb der Sommermonate statt, es gibt eine Frühlings- (April/Mai) und eine Herbstsaison (September, Oktober), gestartet wird stets am frühen Vormittag. Ein Triathlon beginnt zwischen 6 und 7 Uhr, um zumindest der Spitze die heißeste Tageszeit (später Nachmittag) zu ersparen. Doch es gibt ja noch das andere Extrem: Kälte.

Biathlon: Dort ist es am unbehaglichsten. Den Körper kann man warmlaufen, doch die Finger, die man für den Abzug des Gewehres braucht, dürfen nicht klamm und gefühllos werden. Das war das Problem bei den Olympischen Winterspielen dieses Jahr in Peking. Die Sportler kritisierten die Wahl von Zhangjiakou als Austragungsort. Zur Kälte von bis zu minus 18 Grad kamen Windböen. Gemäß der International Biathlon Union darf nicht gestartet werden, wenn die minus 20 Grad unterschritten werden. In Kanada geschah dies im Jahr 2019 bei minus 29,5 Grad.

Ski alpin: Bei den Übersee-Rennen wurden schon minus 30 Grad registriert, auch St. Moritz mit Start auf 3000 Metern ist gefürchtet. Gefahren wird trotzdem – man sieht dann verpflasterte Gesichter und Kälteschutzhauben.

Fußball: Muss wegen Kälte abgesagt werden? Der FC Bayern sah sich mit dieser Frage im Februar 2001 vor einem Champions-League-Spiel bei Spartak Moskau konfrontiert. Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt dozierte beim Abflug über Belastungen für den Atemapparat. Dann war es mit minus 10 Grad am Spieltag halb so wild, niemand nahm Schaden.

Unterm Strich: Sport reicht von minus 30 bis plus 60 Grad.

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