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Sarah Voss am Schwebebalken.
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Sarah Voss am Schwebebalken.

Kommentar

Ganzkörperanzug im Kunstturnen: Ein wichtiger Traditionsbruch

  • VonKatja Sturm
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Die Anzüge der Turnerinnen sind immer eng und knapp gewesen. Gegen diese Sexualisierung ihres Sports setzen sich jetzt die deutschen Nationalturnerinnen zur Wehr. Es ist der richtige Zeitpunkt. Ein Kommentar.

Es ist ein Problem, mit dem jede Gerät- und Kunstturnerin aufwächst. Die Badeanzügen ähnelnden Trikots, die sich seit Jahrzehnten als Wettkampfkleidung durchgesetzt haben, sind am Übergang zu den Beinen so kurz und eng geschnitten, dass sie bei vielen turnspezifischen Bewegungen schnell ins Rutschen kommen. Oft ist dann in diesem sensiblen Bereich mehr zu sehen, als es sein sollte.

Wie unangenehm die ungewollte Freizügigkeit den Mädchen und jungen Frauen ist, lässt sich sowohl im Breiten- als auch im Leistungssport immer wieder beobachten. Der Griff nach unten und das Zurechtziehen des Bodys sind oft das Erste, was die Sportlerinnen machen, nachdem sie ihre Übung beendet haben. Sollten sie, etwa am Boden, noch während des Vortrags für Ordnung sorgen, kann ihnen das vom Kampfgericht abgezogen werden.

In Zeiten, in denen jeder alles per Smartphone festhalten und im weltweiten Netz verbreiten kann, müssen die Turnerinnen mehr denn je fürchten, dass Bilder mit zu viel nackter Haut von ihnen veröffentlicht werden. Schon früher haben sogenannte professionelle Fotografen ihren Fokus auf Körperstellen gerichtet, die man nicht zur Schau stellen sollte, und die Motive an ihre Auftraggeber verschickt.

Gegen diese Sexualisierung ihres Sports setzen sich jetzt die deutschen Nationalturnerinnen zur Wehr. Die deutsche Vierkampfmeisterin Sarah Voss ist bei den gerade laufenden Europameisterschaften in Basel in der Qualifikation am Mittwoch in einem eleganten Ganzkörperanzug angetreten, dessen Unterteil bis hinunter zu den Knöcheln reicht. Ihre Teamkolleginnen Elisabeth Seitz und Kim Bui planen Ähnliches für ihre Teilnahme am Freitag beim Mehrkampffinale.

Der Bruch mit einer Tradition soll laut Voss dem Nachwuchs aufzeigen, dass es auch andere Möglichkeiten gibt, beim Balanceakt auf dem Schwebebalken oder dem Tanz über die Bodenfläche schön auszusehen, als die gewohnte. Dass man sich ästhetisch präsentieren kann, ohne sich unwohl zu fühlen.

Die deutschen Bewegungskünstlerinnen erinnern an etwas, was in Vergessenheit geraten ist. Die internationalen Wertungsvorschriften erlauben ausdrücklich derartige Schnittvarianten der Wettkampfbekleidung. Nur „sportlich korrekt, undurchsichtig und mit einem eleganten Design versehen“ muss sie sein.

In anderen Turnsportdisziplinen wie etwa der Rhythmischen Sportgymnastik oder der nicht-olympischen Akrobatik sind diese Modelle öfter zu sehen. Auch im Kunst- oder Trampolinturnen spricht nichts gegen einen derartigen Kulturwandel. Ob ein Bein gestreckt oder ein Knie krumm ist, lässt sich trotzdem erkennen.

Weitere individuelle Kreationen wären denkbar. Auch die Deutschen hatten einiges ausprobiert, bevor sie sich entschieden. Mit Blick auf Vertreterinnen muslimisch geprägter Nationen war vor einiger Zeit schon erlaubt worden, den wenigen Stoff des Hosenteiles zu verlängern.

Die Sportart Kunstturnen kämpft um ihr Image. Der Skandal um sexuellen Missbrauch in den USA, aber auch die zahlreichen Vorwürfe, die Topturnerinnen europaweit gegen ihre Trainerinnen erheben, werfen lange Schatten. Ein für jeden sichtbares Signal, das deutlich aufzeigt, dass hier keine Kinder, sondern junge Frauen Höchstleistungen vollbringen, die zudem selbstbewusst und mündig genug sind, eigene Entscheidungen zu treffen, kommt genau zur richtigen Zeit.

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