Im Nationaltrikot fühlt er sich wohl: Maximilian Schachmann.
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Im Nationaltrikot fühlt er sich wohl: Maximilian Schachmann.

Radsport

Wer stoppt den slowenischen Express?

Maximilian Schachmann nimmt im Straßenrennen der WM vor allem Toursieger Tadej Pogacar und Primoz Roglic ins Visier.

Auf der Jagd nach WM-Gold muss Maximilian Schachmann den übermächtigen Slowenen-Express bremsen. Der frischgebackene Tour-de-France-Sieger Tadej Pogacar und sein „Vize“ Primoz Roglic sind die Hauptrivalen Schachmanns, wenn es am Sonntag in Imola um das Regenbogentrikot geht. Dabei muss der Berliner mit den Folgen seines Schlüsselbeinbruchs und brutalen 5000 Höhenmetern kämpfen.

„An sich liegt mir die Strecke schon. Aber mit 5000 Höhenmetern ist sie sehr, sehr knackig“, sagt Schachmann dem SID. Favorit Pogacar prognostiziert „ein hartes, langes Rennen“ - 258,2 km liegen vor dem Fahrerfeld. Der Slowene krönte sich am Sonntag in Paris im Alter von 21 Jahren zum jüngsten Toursieger seit 116 Jahren, nun fährt er um den WM-Titel im Straßenrennen. Allerdings erwartet Schachmann eine „Lotterie“, eine gezielte Vorbereitung sei so kurz nach dem Ende der Tour nicht möglich gewesen. Ebenso wenig wie die Aufarbeitung der jüngsten Dopingvorwürfe in Frankreich. Medienberichten zufolge stehen Nairo und Dayer Quintana im Fokus der Ermittlungen. Beide gehören dem Aufgebot der Kolumbianer an, bei zwei Personen aus dem Umfeld ihres Teams Arkea-Samsic waren während der Tour „viele Gesundheitsprodukte und Medikamente“ gefunden worden. Schachmann sorgt sich dagegen um seine Form, die er seit seinem schweren Unfall bei der Lombardei-Rundfahrt vermisst. „Die ist einfach weg. Es fehlt schlagartig ein Teil der Leistung. Und im Leistungssport dürfen halt keine drei, vier, fünf Prozent Leistung fehlen, weil das genau der Unterschied ist“, sagt Schachmann, der dennoch das Ziel „Gold“ formuliert.

Bevor der deutsche Hoffnungsträger rund um das legendäre Autodromo Enzo e Dino Ferrari auf die Titeljagd geht, eröffnen die Frauen mit ihrem Einzelzeitfahren am Donnerstag die 87. Straßenrad-Weltmeisterschaften und den Kampf um die begehrten Regenbogentrikots. Die EM-Vierte Lisa Brennauer (Durach) und Mieke Kröger (Bielefeld), die die Vorjahresfünfte Lisa Klein (Magen-Darm-Infekt) kurzfristig ersetzt, starten für den Bund Deutscher Radfahrer (BDR).

Für die Herren geht es in Imola, das Ersatz-Austragungsort für die Mitte August wegen des Coronavirus abgesagten Titelkämpfe in Aigle und Martigny in der Schweiz ist, am Freitag mit dem Einzelzeitfahren los. Die Hoffnungen setzt der BDR auf Jasha Sütterlin (Freiburg) und Max Walscheid (Neuwied), der für den erkälteten Nikias Arndt (Buchholz) startet. Beide Zeitfahren sind 31,7 km lang und führen durch flaches Terrain.

Am Samstag folgt das Straßenrennen der Frauen über 143 km, ehe zum Abschluss am Sonntag ein neuer Weltmeister bei den Männern gesucht wird - Titelverteidiger Mads Pedersen (Dänemark) tritt nicht an, auch hinter Vorjahres-Weltmeisterin Annemiek van Vleuten (Niederlande) steht nach einem Handgelenkbruch ein großes Fragezeichen.

Zum ersten Mal seit den Weltmeisterschaften 2014 in Ponferrada/Spanien werden beide Straßenrennen vollständig auf einem Rundkurs ausgetragen. Die 28,8 km lange Schleife, die neun Mal von den Männern und fünf Mal von den Frauen zurückgelegt wird, beinhaltet mit dem Mazzolano und Cima Galisterna zwei Anstiege, die insgesamt 5,5 km lang sind und eine durchschnittliche Steigung von 10 Prozent und Passagen von bis zu 14 Prozent Steigung aufweisen. Der erste und die drei letzten Kilometer jeder Runde finden auf der Formel-1-Rennstrecke statt, der Rest des Kurses führt die Fahrer durch eine hügelige Region, mit schmalen, von Weinbergen umgebenen Straßen. (sid)

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