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Wellbrocks Botschaft

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Von: Frank Hellmann

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Eine Klasse für sich: Florian Wellbrock.
Eine Klasse für sich: Florian Wellbrock. © dpa

Ein Motivationsloch ist bei dem 24-jährigen Schwimmer nicht zu erkennen, der das Zeug hat, in die Fußstapfen eines Michael Groß oder Paul Biedermann zu treten.

Florian Wellbrock hätte eigentlich genau wie Alexander Zverev den Titel als Deutschlands Sportler des Jahres verdient gehabt. Weit mehr als 1000 Stimmen als Zweitplatzierter bekam der gebürtige Bremer, der mit typischer norddeutscher Nüchternheit überzeugt. Er ist beherrscht, bodenständig, zurückhaltend, fast ein bisschen schüchtern.

Die Journalist:innen, die dem aktuell besten deutschen Schwimmer ihre Punkte gaben, haben also weniger das Charisma, sondern die Leistung des Modellathleten gewürdigt. Bei den Olympischen Spielen in Tokio sowohl im Becken als auch im Freiwasser zwei Medaillen zu fischen, schaffen nicht viele. Diese Form in seinen extrem trainingsintensiven Disziplinen einfach zu konservieren, um bei Kurzbahn-WM in Abu Dhabi kurz vor dem Jahreswechsel noch einen Weltrekord über 1500 Meter Freistil nachzulegen, verdient höchsten Respekt. Ein Motivationsloch ist bei dem 24-Jährigen nicht zu erkennen, der das Zeug hat, in die Fußstapfen eines Michael Groß oder Paul Biedermann zu treten, die für viele Jahre die Gesichter des deutschen Schwimmens waren.

Warum das wichtig ist? Weil kaum eine andere Sportart so sehr der Gesunderhaltung breiter Bevölkerungsschichten bis ins hohe Lebensalter dienen kann. Dennoch verantworten Bund, Länder und Kommunen mit fataler Tatenlosigkeit eine Schwimmbadschließung nach der anderen.

Zugleich wächst aus unterschiedlichsten Gründen in Deutschland gerade eine Generation der Nichtschwimmer heran, was eigentlich ein Unding ist. Wellbrocks Weltklasseleistungen werden solche gesellschaftlichen Fehlentwicklungen nicht aufhalten, aber sie sind wichtig. Zuerst für den leistungsorientierten Nachwuchs, der sich täglich quält, um irgendwann mal auf einem Treppchen ganz oben zu stehen. Auch wenn sie auch nur ein deutsches Idol haben, dem sie nacheifern können – in vielen olympischen Kernsportarten gibt es gar keines mehr.

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