dpa_20090101_201002-99-8031
+
Immerhin die Nationalmannschaft spielt im November den Deutschland-Cup.

Eishockey

Weiter im Winterschlaf

Die zweite Verschiebung des Saisonstarts in der Eishockey-Bundesliga hält die DEL für alternativlos.

Nach der erneuten Verschiebung des Saisonstarts gehen die Eishockeyprofis in die Offensive. Sie nehmen die Entscheidung der Deutschen Eishockey Liga (DEL) nicht mehr kommentarlos hin, sondern kritisieren die Führung öffentlich und in einem deutlich schärferen Ton. „Mir ist bewusst, dass alle Sportarten derzeit kämpfen, um einen Spielbetrieb aufzustellen, aber diesen Kampf spüre ich beim Eishockey noch nicht“, schrieb der deutsche Nationalspieler Moritz Müller, Gründungsmitglied der neuen Spielergewerkschaft SVE, bei Instagram. Bei MagentaSport legte der Profi der Kölner Haie anschließend nach: „Wir sind nicht schlauer. Ich weiß nicht, ob wir im Winterschlafmodus sind.“

Auch die Spielergewerkschaft meldete sich offiziell zu Wort – mit der klaren Botschaft: Das ist zu wenig. „Anstelle von mutmachenden Antworten und einer berechtigten Hoffnung auf eine Rückkehr aufs Eis und in die Fankurven“ habe die erneute Verschiebung auf unbestimmte Zeit „viele Fragen und große Enttäuschung hinterlassen“, heißt es in einer Stellungnahme.

Die DEL hatte den für den 13. November anvisierten Saisonstart nach einer Videokonferenz mit den Klubbossen am vergangenen Freitag abgesagt. Ziel sei es nun, „in der zweiten Hälfte des Dezembers“ loszulegen, so der DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke.

Die DEL, der nach eigenen Angaben durch Corona 60 Millionen Euro fehlen, hatte den Starttermin an feste Zusagen für Finanzhilfen aus der Politik bis zum 2. Oktober geknüpft. Diese blieben aus, „von daher war diese Entscheidung alternativlos“, sagte Tripcke.

Spieler fordern Lösungen

Die Spieler wollen das nicht so recht glauben. „Ich hätte mir gewünscht, dass man über ein Alternativkonzept nachdenkt“, sagte Müller, der von den Funktionären deutlich mehr Kreativität bei der Lösung des Problems erwartet hätte: „Entweder mehr Fans oder mehr Geld. Ich weiß nicht – war das der Plan von Mai bis September?“

Das Stöhnen im Spielerkreis ist verständlich, denn die meisten Profis leben seit dem Abbruch der Vorsaison vom Kurzarbeitergeld, das maximal 2900 Euro netto betragen soll. Dies wird erst vier Wochen vor Saisonstart wieder aufgestockt. Deshalb ist der anvisierte neue Saisonstart rund um Weihnachten „zu vage ausgedrückt“, kritisierte Müller: „Was heißt das jetzt für uns Spieler? An welchem Tag kommen wir aus der Kurzarbeit?“

Bei „Spielern, Partnern oder auch Fans“ spüre er einen „riesengroßen Willen, das Ding zu wuppen“, ergänzte Müller. Die Klubs und die Liga nannte der Verteidiger bewusst oder unbewusst nicht. Dass zumindest die Nationalmannschaft mit dem in Krefeld aus dem Corona-Schlaf erwacht, ist für Müller ein positives Zeichen. Es sei „gut, dass die Nationalmannschaft da vorangeht und sich das traut, alles versucht, das möglich zu machen“, sagte er. Von der DEL sind er und viele andere Spieler diesbezüglich enttäuscht. (sid)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare