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Was befand sich auf den gelöschten Festplatten?

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Von: Christian Düncher

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Vergangene Zeiten: Robert Huber übergibt im Oktober in Frankfurt die Germanbowl an die Schwäbisch Hall Unicorns,
Vergangene Zeiten: Robert Huber übergibt im Oktober in Frankfurt die Germanbowl an die Schwäbisch Hall Unicorns, © Eibner/Imago

Im nationalen Verband der American Footballer beklagt die neue Spitze Unregelmäßigkeiten des Vorgänger-Vorstands.

Was Mitte November noch wie ein friedlicher Machtwechsel angemutet hatte, ist inzwischen ein Fall für Juristen. Im Mittelpunkt: Robert Huber, einst langjähriger Präsident des nationalen Football-Verbandes (AFVD). Der Obertshausener sah sich bereits während seiner 25-jährigen Amtszeit immer wieder Vorwürfen ausgesetzt, doch noch nie waren diese so heftig wie diesmal. Es geht um finanzielle Auffälligkeiten und gelöschte Festplatten. Huber hat bislang nicht auf die Bitte um eine Stellungnahme reagiert. Er befinde sich aktuell im Urlaub, heißt es.

Huber, selbst Jurist, und sein Präsidium waren vor dem Verbandstag am 19. November zurückgetreten und damit wohl ihrer Entmachtung zuvorgekommen. Neun Landesverbände hatten einen Abwahlantrag gestellt. Man sei „sehr froh, dass sich ein neues Führungsteam gefunden hat, das sich die Aufgabe zutraut“, wurde er damals in einer Pressemittelung zitiert. Und diese Aufgabe scheint in der Tat eine große Herausforderung zu sein, was scheinbar auch an Huber sowie dessen ehemaligen Mitstreitern liegt. Die Übergabe der Amtsgeschäfte stocke, heißt es jetzt in einer AFVD-Mitteilung auf Facebook.

Doch damit nicht genug. Das neue Präsidium erhebt schwere Vorwürfe. In den Tagen vor der Bundesversammlung sei eine „Fülle von (...) Verträgen“ zwischen dem AFVD und Huber beziehungsweise dessen Firma geschlossen worden. Zudem habe es zu dieser Zeit „ungewöhnlichen Kontobewegungen“ gegeben. Der damalige Vizepräsident Finanzen Thomas Meyer (Offenbach) habe „alle Zahlungen freigegeben“. Meyer wollte sich dazu auf Anfrage hin nicht äußern.

Der neue AFVD-Präsident Fuad Merdanovic aus dem Verband Berlin-Brandenburg zeigte sich von vielen Dingen „überrascht“. So habe man vor einem Jahr die Geschäftsstelle im Frankfurter Nordend im Glauben bezogen, dass der AFVD direkter Mieter sei. Tatsächliche habe Huber aber die Räume angemietet und an den Verband untervermietet. Mit der Folge, dass der Ex-Präsident dem AFVD trotz im voraus bis März 2023 gezahlter Miete gekündigt habe. Seit dem 1. Januar ist die Geschäftsstelle im Stadion am Bornheimer Hang.

Doch damit nicht genug. Huber sei erst der zweiten Einladung zum Übergabetermin nachgekommen und habe dabei unter anderem zwei Computer ausgehändigt. Beide seien „am Vortag der Übergabe komplett bereinigt worden. Somit gibt es keine digitalen Daten der Buchhaltung und weiterhin unvollständige Unterlagen“, heißt es in der Mitteilung des Verbandes. Die Aushändigung der fehlenden Unterlagen sei angemahnt worden – ohne Reaktion. Das Jahr 2022 müsse zudem „komplett neu gebucht werden, da die vorgefundene Buchhaltung nicht annähernd den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung entspricht“. 2021 werde aktuell gesichtet. Für beide Jahre wurde der damalige Vorstand nicht entlastet.

Man habe sich noch nicht mal annähend einen Gesamtüberblick verschafft. Alles sei „konfus“, sagte Merdanovic. „Wir brauchen jedoch bald Klarheit.“ Das neue Präsidium will am 11. Februar bei einem Außerordentlichen Verbandstag einen „den tatsächlichen Verhältnissen entsprechenden Haushaltsplan für 2023“ zur Abstimmung vorgelegen. Dieser werde jedoch „nur die elementarsten Fixkosten abdecken können, da auch ein Großteil der Einnahmen aus Lizenzgebühren für 2023 schon ausgegeben“ worden sei. Man habe eine Anwaltskanzlei mit der Prüfung der Vorgänge beauftragt.

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