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Warum eine Medaille drin ist für Deutschland

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Von: Timur Tinç

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Der Highlight-Mann: Franz Wagner.
Der Highlight-Mann: Franz Wagner. © dpa

Die Deutschen beeindrucken beim Heimturnier, nicht nur wegen Überflieger Franz Wagner. So können sie ihr Ziel erreichen: Edelmetall. Ein Kommentar.

Nationaltrainer Gordon Herbert ist belächelt worden, als er vor Wochen ausgegeben hat, eine Medaille mit den deutschen Basketballern bei der EM im eigenen Land gewinnen zu wollen. Die Konkurrenz zu stark, die Vorbereitung zu holprig, die Ausfälle nicht kompensierbar, lauteten die pessimistischen Argumente. Platz vier in der Vorrundengruppe mit Frankreich, Slowenien, Litauen, Bosnien und Ungarn wäre ein Erfolg, hieß es.

Nach drei Siegen aus drei Spielen und der vorzeitigen Qualifikation für die K.o.-Runde in Berlin schwappt eine Welle der Euphorie durch Basketball-Deutschland. Der Sieg nach zweifacher Verlängerung in einer völlig ekstatischen Kölner Arena mit 19 000 Fans am Sonntag war der vorläufige Höhepunkt. Selbst langjährige Beobachter waren sich einig: so ein Spiel hat es auf deutschem Boden noch nie gegeben. Hohe Qualität, Drama und zwei Fanlager, die ihre Teams nach vorne peitschen.

Im Mittelpunkt der deutschen Begeisterung steht Überflieger Franz Wagner. Nach einem NBA-Jahr bei den Orlando Magic sorgt er für ein Highlight nach dem anderen mit seinen erst 21 Jahren. Im Auftaktspiel gegen Frankreich blockte er den 2,16-Meter Koloss und dreimaligen NBA-Defensivspieler des Jahres Rudy Gobert. Gegen Litauen riss er das Spiel an sich und erzielt 32 Punkte. Ergänzt wird diese Spielfreude von Maodo Lo, der im Jahr 2022 eine Kaltschnäuzigkeit entwickelt hat, die seinesgleichen sucht. In der Basketball-Bundesliga hat der Mann von Alba Berlin zahlreiche Spiele in den Schlussminuten entschieden, und auch gegen Litauen waren es seine zwei Dreier in der Verlängerung, die das Spiel zugunsten des deutschen Teams kippten.

Und dann ist da ja auch noch Dennis Schröder, der immer noch beste Basketballer Deutschlands. Der 28-Jährige tritt als Kapitän deutlicher reifer auf als in den Turnieren zuvor, wo er die Spiele im Alleingang oder zusammen mit seinem Buddy Daniel Theis gewinnen wollte. Er hat gelernt, sich zurückzunehmen, sich in den Dienst des Teams zu stellen und auch seine Nebenleute glänzen zu lassen. Sicher auch ein Verdienst von Herbert, der eine andere Autorität hat als sein Vorgänger Hendrik Rödl.

Es sind aber nicht nur die drei offensiven Leistungsträger, die dieses Team so stark machen. Es steht ein Kollektiv auf dem Parkett, das bereit ist zu kämpfen, in dem jeder seine Rolle kennt und akzeptiert. Die Franzosen wurden im Auftaktspiel in der Defensive niedergerungen. Gegen die wuchtigen Bosnier haben die großen Jungs in der zweiten Halbzeit physisch eine Schippe draufgelegt und so der Partie die Wende gegeben.

Wozu es am Ende des Turniers für die Auswahl des Deutschen Basketball-Bundes (DBB) reichen wird, lässt sich schwer sagen. Es sind Nuancen, die ein Spiel in der K.o.-Phase entscheiden können. Litauen hätte auch gewinnen können, wenn der letzte Dreierversuch nicht auf dem Ring gelandet wäre oder die Schiedsrichter in der regulären Spielzeit nicht einfach einen Freiwurf der Litauer vergessen hätten.

Das deutsche Team braucht sich aber nach den gezeigten Leistungen vor keinem Gegner bei diesem Turnier zu verstecken. Eine Medaille, egal welche Farbe, ist auf jeden Fall drin.

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