Sieht den Teil-Lockdown zum Teil kritisch: DOSB-Chef Alfons Hörmann
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Sieht den Teil-Lockdown zum Teil kritisch: DOSB-Chef Alfons Hörmann.

Sport in der Pandemie

Warnung vor der „Bewegungsinsolvenz“

  • Frank Hellmann
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Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, plädiert im Teil-Lockdown für eine Sonderbehandlung von Kindern und Jugendlichen - und ruft nach mehr staatlicher Hilfe.

Eine solche Präsenz schafft Alfons Hörmann nicht mal bei Olympischen Spielen. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes war vielgefragter Gast in den diversen TV-Sportsendungen am Wochenende, die sich trotz aller Fußballlastigkeit diesmal entschieden hatten, auch die Grundsatzprobleme des deutschen Sports nicht außer Acht zu lassen. Sport-Deutschland mit dem seit Montag geltenden Teil-Lockdown ein zweites Mal stillzulegen, fordert Widerspruch heraus, weil angesehene Virologen weder Spitzen- noch Breitensport als wirklichen Treiber der Pandemie ausgemacht haben.

Hörmann hat seine Wortwahl inzwischen verändert, um den Unmut an der Basis auch an die Öffentlichkeit zu tragen. Der sehr pauschale Lockdown, sagte Hörmann in der BR-Sendung „Blickpunkt Sport“, sei ein „Schlag in die Magengrube - alles andere wäre schöngeredet“. An manchen Stellen falle es schwer, „den acht Millionen Ehrenamtlichen zu erklären, dass wir acht Monate unter widrigsten Bedingungen alles dafür getan haben, der gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden, Kindern und Jugendliche und ältere Menschen zu bewegen“ - und dann steht doch das Stoppschild da.

Der Sport sei „höchst diszipliniert“ vorgegangen und habe mit der Umsetzung von Hygienekonzepten dafür gesorgt haben, dass sportliche Begegnungen möglich sind, ohne sich zu infizieren. Zuvor in der ZDF-Sportreportage hatte der 60-Jährige gesagt, er hoffe auf „Fingerspitzengefühl und Augenmaß“ bei der Umsetzung des Teil-Lockdowns. Er forderte, „zumindest für Kinder und Jugendliche und den Individualsport gute Lösungen“ zu finden, damit Deutschland nicht in die Bewegungslosigkeit verfalle. Als Beispiel könnte Berlin gelten, die für den Amateursportbetrieb bei Kindern bis zwölf Jahre eine Ausnahme machen: Sie können weiterhin in festen Gruppen an der frischen Luft Sport treiben. Hörmann: „Berlin hat aus unserer Sicht ein gutes Beispiel geliefert.“

Damit stemmt sich der Topfunktionär gegen das verordnete Nichtstun. Zahlreiche Hobby- und Amateursportler müssen sich Alternativen suchen, die es in manchen Sportarten gar nicht gibt, wenn die meisten Sportstätten schließen. „Für viele Vereine werden die großen Schäden erst im Jahr 2021 kommen“, glaubt Hörmann. Für die knapp 90 000 Vereine würden sich zwei Probleme nämlich überlagern: „die wirtschaftliche Insolvenzgefahr und die Bewegungsinsolvenzgefahr“, die der DSOB-Chef als neue plakative Begrifflichkeit einbrachte. „Es gibt viele Vereine im professionellen und semiprofessionellen Bereich, die in Existenznot sind. Von Woche zu Woche werden es mehr, die in die absolute Problemzone geraten.“

Das mindestens noch für den November geltende Zuschauerverbot trifft die großen Hallensportarten viel härter als den Profifußball. Die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) erlöst genau wie die Handballbundesliga fast ein Drittel ihrer Einnahmen aus Ticketverkäufen, die Basketball-Bundesliga ein Viertel.

Hilfen kommen nicht an

Immerhin 13 der 14 DEL-Klubs - nicht antragsberechtigt ist der EHC Red Bull München - haben staatliche Hilfen in Höhe von bis zu 800 000 Euro beantragt, aber erst bei vier Klubs wurde der Antrag bewilligt. Insgesamt wäre der Topf für den Profisport abseits des Fußballs mit 200 Millionen Euro gut gefüllt, „aber die Ausführungsbestimmungen sind zu komplex“, kritisierte Hörmann.

Einmal mehr rief der DOSB-Chef nach politischer Unterstützung: Die verschiedenen staatlichen oder kommunalen Ebenen müssten Hilfestellung bieten. „Das sind wir den Vereinen, das sind wir den Ehrenamtlichen schuldig“, sagte Hörmann. „Nur so wird der Sport dauerhaft seine gesellschaftliche Kraft weiter entfalten können.“ (mit dpa/sid)

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