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Im Gespräch mit der Politik: DFB-Vizepräsident Rainer Koch

Dritte Liga

Waldhof macht Druck auf DFB

Die Drittligasaison soll abgebrochen werden - der Verband kontert: „Ding der Unmöglichkeit“.

Der SV Waldhof Mannheim sieht keine Möglichkeit mehr für eine Fortsetzung der Saison in der Dritten Liga und erwartet vom Deutschen Fußball-Bund daher eine rasche „Einbringung eines entsprechenden Antrags zum Saisonabbruch“ in den Außerordentlichen DFB-Bundestag am 25. Mai. Dies sei im Sinne einer Planungssicherheit für alle Vereine.

„Es ist für uns deshalb klar, dass eine Wiederaufnahme des Spielbetriebes und eine reguläre Beendigung der Saison bis zum 30. Juni 2020 aufgrund der in den Bundesländern der Drittligisten stark unterschiedlichen Verfügungslagen nicht möglich zu sein scheint“, teilte der Verein am Mittwoch mit.

DFB-Vizepräsident Rainer Koch berichtete dagegen am Mittwochabend im „Bayrischen Rundfunk“, dass sich der Verband bereits an Innenminister Horst Seehofer und Gesundheitsminister Jens Spahn gewandt habe. „Es sind eigentlich die gleichen Konzepte, die für die Bundesliga, für die zweite Liga bestehen und für die Dritte Liga und die Frauen-Bundesliga. Das ist auch Profisport“, sagte Koch. Koch sieht in einem Abbruch keine Lösung. „Diejenigen, die jetzt den Abbruch der Dritten Liga fordern, die sollen mal sagen, wie sie sich das mit der neuen Saison vorstellen. Denn wir haben die Situation, dass bis Ende August nicht mit Zuschauern gespielt werden kann. Aber wir können doch nicht warten bis September oder Oktober, um die neue Saison zu beginnen“, sagte der Jurist. „Wer jetzt die Saison in der Dritten Liga abbricht, muss eigentlich zugleich auch fordern, dass er frühestens im September oder Oktober wieder spielen kann. Das ist doch ein Ding der Unmöglichkeit.“

Da der DFB das Hygienekonzept der DFL mitentwickelt und übernommen hat, würden für Drittligisten die weitestgehend gleichen Anforderungen wie für die Bundesligaklubs gelten. Da die Mannschaftsärzte in der Regel ehrenamtlich sind, müsste ein Hygienebeauftragter eingestellt werden. Ein eigener Koch oder mehrere Mannschaftsbusse dürften ebenfalls nur wenigen Clubs zur Verfügung stehen. Zudem müssten bei einigen Vereinen Container aufgebaut werden, weil in Kabinen und Duschen nicht der nötige Abstand eingehalten werden kann.

Keine Zuschauereinnahmen, dafür hohe Kosten durch das Hygienekonzept und den Spielbetrieb. Da reicht die angedachte Finanzhilfe von 300 000 Euro pro Klub, die der DFB nach einem unklaren Schlüssel verteilen will, nicht aus. „Würde der Zwang bestehen, den Spielbetrieb wieder aufzunehmen, würde das zu nicht kompensierbaren finanziellen Belastungen führen. Es würden Kosten von einer Million Euro entstehen, womit die Insolvenzgefahr gegeben wäre“, sagte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff nach Beratungen mit den Bossen des Halleschen FC und des 1. FC Magdeburg.

Problem Kurzarbeit

An eine Fortsetzung der Saison vor Mitte Juni ist überhaupt nicht zu denken. In den Ländern Thüringen (bis 25. Mai) und Sachsen-Anhalt (bis 27. Mai) ist bis zum Ende des Monats sämtlicher Wettkampfbetrieb untersagt. Dies wirkt sich auch auf das Training aus. So darf zum Beispiel der MSV Duisburg in Siebener-Gruppen trainieren, aber ohne Körperkontakt. „Einen fairen Wettbewerb wird es in dieser Saison nicht mehr geben. Er ist jetzt schon nicht fair“, sagte Trainer Torsten Lieberknecht. Bei Großaspach, Halle, Jena oder Magdeburg wird weiterhin nur individuell trainiert. Einige Clubs scheuen die Aufnahme von Kleingruppen-Training, da sie dafür die Spieler aus der Kurzarbeit holen müssten. (dpa)

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