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Bitte lächeln: Emma Hinze (l.), Lea Friedrich (hinten Mitte) und Pauline Grabosch (r.) mit Kristina Vogl und Miriam Welte (Mitte r.).

Radsport

„Die Wachablösung ist sowas von geglückt“

Das junge Teamsprint-Trio Emma Hinz, Pauline Grabosch und Lea Sophie Friedrich tritt bei der Bahnrad-WM in Berlin aus dem Schatten von Kristina Vogel und Miriam Welte.

Kristina Vogel kämpfte mit Tränen der Freude und herzte die frisch gekürten Bahnrad-Weltmeisterinnen mit innigen Umarmungen. Voller Stolz gratulierte die einstige Sprintkönigin den neuen Golden Girls, die mit dem überraschenden Teamsprint-Titel bei der Heim-WM in Berlin endgültig aus ihrem langen Schatten gefahren waren. „Es ist wunderschön“, sagte Vogel.

Auf dem Selfie, das die zweimalige Olympiasiegerin kurz darauf schoss, vereinte sie zwei Generationen Frauenpower des deutschen Bahnradsports: Vogel und ihre langjährige Teamsprint-Kollegin Miriam Welte posierten glücklich lachend mit ihren legitimen Nachfolgerinnen Emma Hinze, Pauline Grabosch und Lea Sophie Friedrich, die im Regenbogentrikot ihre Goldmedaillen präsentierten.

Die Vergleiche mit dem jungen Trio lagen auf der Hand – und waren für Vogel trotzdem nicht angebracht. „Sie sind nicht wie ich, sie sind keine Nachfolgerinnen von Kristina Vogel und Miriam Welte“, sagte die elfmalige Weltmeisterin: „Sie gehen ihren eigenen Weg.“ Fest steht: Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) hat zwei Jahre nach Vogels tragischem Trainingsunfall und ein Jahr nach Weltes Karriereende langfristig keine Sorgen im Sprintbereich der Frauen. Welte schwärmte: „Die Wachablösung ist sowas von geglückt!“ Selbst Bundestrainer Detlef Uibel war vom Auftritt seiner Top-Talente überrascht: „Hätte mir das jemand vor zwei Jahren gesagt, hätte ich ihm den Vogel gezeigt.“

Im Finale hatten Hinze und Grabosch (beide 22) in 32,163 Sekunden den Titelverteidigerinnen aus Australien (32,384) keine Chance gelassen. Gemeinsam mit der in der Qualifikation eingesetzten Friedrich (20) holten sie den ersten deutschen WM-Titel in dieser Disziplin seit Vogels folgenschwerem Unfall im Jahr 2018.

Jubelnd lag sich das Trio nach der unerwarteten Goldfahrt in den Armen. In Worte fassen konnten sie ihren Erfolg nur schwer. „Es fühlt sich an wie ein Traum“, sagte Hinze. Es sei „unfassbar“, ergänzte Friedrich, und Grabosch räumte ein: „Damit hat niemand gerechnet.“

Hinze und Grabosch stachen aus unterschiedlichen Gründen heraus. Die Cottbuserin Hinze, auf Vogels früherer Position „2" eingesetzt, fuhr im Finale die schnellste Schlussrunde (13,392 Sekunden) der Geschichte. „Das bedeutet mir sehr viel. Selbst der Bundestrainer war echt baff, das kommt selten vor“, sagte Hinze.

Für Grabosch schloss sich ein Kreis. Die Erfurterin war Vogels Trainingspartnerin, als diese schwer stürzte. Grabosch fiel in ein mentales Tief. Für die Rückkehr zu alter Stärke brauchte sie Zeit. „Für mich ist es nicht mehr das große Thema. Ich habe mich neu fokussiert und wieder Vertrauen in mich selbst“, sagte Grabosch: „Wir alle haben uns neu sortiert.“

Die Aussichten auf weitere Erfolge sind prächtig, auch weil nach Plänen des Weltverbandes UCI der Teamsprint der Frauen künftig von drei statt derzeit zwei Starterinnen gefahren werden soll.

Der nächste große Höhepunkt wartet im Sommer. Bei den Olympischen Spielen in Tokio lastet nun allerdings besonderer Druck auf dem Trio. „Ich glaube, sie werden lernen, damit umzugehen“, sagte Vogel. sid

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