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Baggert für die United Volleys Frankfurt: Der japanische Libero Satoshi Tsuiki. Foto: Hübner

United Volleys

Von Japan über Frankfurt nach Tokio

  • vonHarald Joisten
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Satoshi Tsuiki sammelt bei den United Volleys Spielpraxis für seinen Traum von Olympia

Satoshi Tsuiki entschuldigt sich. Mehrfach. Wie Japaner sind. Nett und höflich. Sein Englisch sei nicht so gut, sagt er. Wer mag es ihm verdenken: Erstmals in seiner Profilaufbahn hat der Volleyballspieler sein Heimatland verlassen. Er, der treue Libero, der bisher stets in der Heimat gespielt hatte und auch mit 28 Jahren noch wie der verschmitzte nette Junge von nebenan daher kommt. Nun setzt Satoshi Tsuiki alles auf eine Karte, um den Sprung zu den Olympischen Spielen 2021 in seinem Heimatland zu schaffen.

Seine Hoffnungen sind groß. Und durchaus berechtigt. Für ihn ist die Verschiebung der Sommerspiele um ein Jahr ein Geschenk. Im vergangenen Jahr war er aus der japanischen Nationalmannschaft gerutscht, trotz großer Erfolge in der Vergangenheit. Das soll ihm nun möglichst nicht mehr passieren. Aktuell gehört er wieder dem Kader des Nationalteams an. Tsuiki will alles daran setzen, auch bei der Eröffnungsfeier am 24. Juli mit der japanischen Mannschaft ins Olympiastadion einlaufen zu können.

Dafür hat er erstmals einen Wechsel ins Ausland gewagt und sich im Sommer den United Volleys angeschlossen. Auf die Frankfurter war er durch seinen Landsmann Masahiro Yanagida aufmerksam geworden. Der Nationalteam-Kapitän spielte vergangene Saison bei den Hessen und wollte eigentlich noch ein Jahr dranhängen. Doch nach der Olympia-Verschiebung musste sich der japanische Star offenbar dem Druck in der Heimat beugen und kehrte zu seinem Stammverein nach Osaka zurück. Yanagida riet seinem Kumpel Tsuiki dennoch zum Wechsel nach Frankfurt. Und Tsuiki hörte auf seine Worte. Nun sagt der Libero mit Blick auf Olympia: „Ich muss gut spielen. Das ist eine sehr wichtige Saison für mich.“ Natürlich werden seine Auftritte bei den United Volleys in der Heimat verfolgt. Von seinen Eltern und seinem Bruder in Nagasaki, mit denen er täglich telefoniert oder per Facetime kommuniziert. Auch Nationaltrainer Yuichi Nakagaichi wird hinschauen. Vielleicht auch am kommenden Sonntag (18 Uhr), wenn Tsuiki mit den nur siebtplatzierten Hessen beim Bundesliga-Tabellenvierten in Düren antritt.

Bisher geht die Taktik von Satoshi Tsuiki auf. Er war in den ersten fünf Saisonspielen der beste Akteur der Frankfurter. Er machte so gut wie keine Fehler in der Annahme, ist bisher die Beständigkeit in Person. Auf seinem Trikot in Frankfurt steht „Ide“, sein Geburtsname, unter dem er international noch besser bekannt ist, und was gut zu dem wieselflinken „Idefix“ passt.

Bester Libero in Asien

Lediglich für zwei andere Vereine hat der Japaner zuvor gespielt: Für Asahigaoka Volleyball Club und danach lange Zeit für die Toray Arrows. Besonders das Jahr 2017 verlief äußerst erfolgreich für den nur 1,74 Meter großen Kämpfer. Tsuiki wurde Asienmeister, japanischer Meister, japanischer Pokalsieger. Die Experten wählten ihn zum besten Libero im Grand Champions Cup und in der Asienmeisterschaft. Mehr ist kaum möglich.

Bei den Frankfurtern ist Tsuiki der mit Abstand kleinste Spieler. Bei Auszeiten muss er zu Mannschaftskollegen wie dem 2,12 Meter großen Jakob Günthör weit hinauf schauen. Aber das kennt er. Das kennen fast alle Liberos im Volleyball. Sie sind meist deutlich kleiner, müssen in der Abwehr flink und wendig sein. Und Tsuiki führt sein neues Team bei der Vorstellung vor einem Heimspiel an, kommt mit der Nummer 2 immer als Erster aufs Feld.

„Wir hatten bisher schwierige, aber auch gute Spiele. Ich genieße es sehr, in der deutschen Bundesliga zu spielen“, sagt Satoshi Tsuiki. Das sei „eine großartige Erfahrung für mich“. Und die Stadt Frankfurt hat er auch schon etwas kennen gelernt. „Ein bisschen beim Shopping“, sagt er und grinst spitzbübisch.

Traurig ist er eigentlich nur, weil ihn seine Familie wegen der Corona-Pandemie nicht besuchen kann. Nach der laufenden Saison, nach Ablauf seines Einjahres-Vertrages, wird er nach Japan zurückkehren, sagt Satoshi Tsuiki. Und sich vielleicht seinen Olympia-Traum erfüllen.

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