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Von Flachau lernen

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Von: Frank Hellmann

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Dunkel wars, das Fluchtlicht schien helle: Lena Dürr wedelt in Flachau auf Platz drei.
Dunkel wars, das Fluchtlicht schien helle: Lena Dürr wedelt in Flachau auf Platz drei. © Barbara Gindl/dpa

Der Klimawandel bringt den Skisport in die Bredouille. Der begeisternde Nachtslalom in Flachau zeigt, dass ein dauerhaftes Umdenken stattfinden muss in der Branche. Ein Kommentar.

Das freudige Strahlen im Gesicht von Lena Dürr speiste sich aus zweierlei Gründen. Zum einen war die deutsche Slalomspezialistin mit zwei tollen Läufen hinter den dominierenden Artistinnen Mikaela Shiffrin (USA) und der diesmal triumphierenden Petra Vlhova (Slowakei) auf den dritten Platz beim Nachtslalom in Flachau gefahren am Dienstag, zum anderen hatte die prickelnde Atmosphäre ihr Übriges getan. Es habe einfach wahnsinnig Spaß gemacht, vor einer derart begeisterten Zuschauermenge – mehr als 13 000 säumten die ausgeleuchtete Piste – durch die Stangen zu wedeln, berichtete die 31-jährige Münchnerin. Und das auch noch bei besten Bedingungen.

Auch die Organisatoren in Flachau – eine vom Wintersport abhängige Gemeinde im Salzburger Land unterhalb von 1000 Höhenmetern – hatten ja lange gebangt, ob dieses beliebte Event unter Flutlicht wirklich stattfinden kann. Jeden, der in den Winterferien die österreichischen Skigebiete aufgesucht hat, überfuhr ja ein schlechtes Gewissen ob der schmalen weißen Streifen in braun-grüner Umgebung, die nur durch den massiven Einsatz von Kunstschnee in die Landschaft gepustet worden sind. Und wenn sogar nachts im Januar Plusgrade herrschen, kann niemand mehr den dramatischen Klimawandel negieren.

Der Skisport gerät nicht erst diesen Winter zunehmend unter Rechtfertigungsdruck; das spürt auch jeder Skitourist. Nun muss nicht gleich eine ganze Sportart kapitulieren, aber es braucht alternative Orte und Formate.

Wie spannend, spektakulär und anspruchsvoll gerade die Slalom-Wettbewerbe sind, zeigen Jahr für Jahr die Höhepunkte wie jetzt für die Frauen in Flachau und bald auch für die Männer in Schladming. Dieses Jahr auf der Planai wieder vor Massen an Fans. Live-Übertragung im Bayrischen Rundfunk am 23. Januar, vormerken! Es muss nicht immer so (lebens)gefährlich wie auf der Streife in Kitzbühel sein, um für gute Unterhaltung zu sorgen. In kunstvollen Schwüngen ins Tal zu gelangen, ist zudem deutlich sicherer.

Ein Slalom in zwei Läufen, bei denen am Ende die besten 30 des ersten Durchgangs in umgekehrter Reihenfolge starten, hat alles, was das verwöhnte Fernsehpublikum begehrt. Maria Höfl-Riesch, die vor acht Jahren zurückgetretene Allesgewinnerin, geriet als TV-Expertin nicht nur wegen des starken Auftritts deutscher Fahrerinnen aus dem Häuschen. Es stellt sich die Frage, warum es nicht mehr Weltcup-Rennen in den Abendstunden gibt, wenn die Temperaturen zurückgehen und Pisten nicht von der Sonne aufgeweicht werden können.

Solche Veranstaltungen helfen, dieser Sportart abseits der Hochlagen das Überleben zu sichern. Doch langfristig braucht es ein Umdenken. Denn dass sich der Klimawandel aufhalten lässt, wirkt wie eine Illusion. Dafür wächst die Weltbevölkerung zu rasant, dafür scheint die Gier in China, Indien und vielen anderen Schwellenländern nach Wohlstand und damit Energie schlicht zu groß, die gesamte Menschheit zu zerstörerisch, um diesen Prozess noch zu stoppen. Für den Skisport heißt das in zwei, drei Jahrzehnten nicht viel Gutes, aber bis dahin könnten ganz andere Dinge aus dem Gleichgewicht geraten sein, dass einem das kalte Grausen überkommt.

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