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Viel Sturm, wenig Schnee

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Immerhin Schnee auf der Piste: Der Schweizer Marco Odermatt in Sölden.
Immerhin Schnee auf der Piste: Der Schweizer Marco Odermatt in Sölden. © afp

Zum Auftakt der alpinen Skisaison geht es am Gletscher in Sölden über Geröll. FIS-Chef Johan Eliasch freut sich über mehr Rennen in den USA.

Die Ötztaler Gletscherstraße hinauf, vorbei an bunten Bäumen, Wiesen und Geröllfeldern. Oben auf beinahe 2700 Metern Höhe bei fünf Grad am Sonntagmorgen ausgestiegen, empfängt Asphalt die Stiefel, kein knirschender Schnee. Der bezuckert die umliegenden Gipfel und bedeckt als geschlossene Decke das mit Schneekanonen gespickte Skigebiet.

„Wir sind gesegnet, Sölden zu haben“, sagte Präsident des Weltskiverbandes (FIS), Johan Eliasch, am Rande des Weltcupauftakts: „Denn es ermöglicht uns den guten Start in die Saison.“ Vor allem meinte er damit wohl die Höhenlage des Rettenbachferners, der den Saisonstart im Oktober zulässt.

Es war noch eine der weniger brisanten Aussagen des umstrittenen Funktionärs. Aktuell läuft ein Verfahren vor dem internationalen Sportgerichtshof CAS dazu, ob seine Wiederwahl im Mai ohne Gegenkandidaten rechtens war. Im Dezember wird es eine Anhörung geben. Geklagt hatten neben dem deutschen Skiverband auch der österreichische, schweizerische und kroatische.

Kritiker des frühen Saisonstarts – den es im Oktober in Sölden erstmals 1993 gab, also lange vor Eliaschs Präsidentschaft – dürften sich nach diesem Wochenende bestätigt sehen. In der Nacht auf Samstag war der Niederschlag so feucht, dass die Piste aufweichte, weswegen das Frauenrennen abgesagt wurde. Nicht die einzige Kunde dieser Art: Im schweizerischen Zermatt ist der Schnee nicht zu feucht, es mangelt an ihm. Die für kommendes Wochenende geplanten ersten Abfahrten der Männer dort entfallen ebenfalls.

Prestigeobjekt in Zermatt

Die Strecke im Antlitz des Matterhorns ist ein Prestigeprojekt. Eliasch hatte sie am Wochenende noch gelobt, da der Skisport durch die Strecke seinen CO2-Fußabdruck verringern könne. „Sie schafft großartige Trainingsmöglichkeiten“, sagte der 60-Jährige und implizierte damit, dass europäische Teams zum Training im Hochsommer nicht nach Südamerika fliegen müssten. Ob dieser Effekt oft auftreten wird, wenn nicht mal im Oktober genug Schnee vorhanden ist?

Hintergedanke der Abfahrten in Zermatt sei es, die „Lücken im Kalender zu schließen“, erläuterte der schwedisch-britische Ex- CEO der Firma Head. Im Zuge eines geänderten Rennplans reist der Weltcupzirkus diese Saison zweimal nach Nordamerika, das bis jetzt noch nicht so ein großer Markt für den Weltcup sei, wie es sein könnte, führte Eliasch aus. So sollen mehr Gelder generiert werden, um die Preisgelder zu erhöhen. „Dieses Thema liegt mir sehr am Herzen. Es ist wichtig, dass unsere Athleten angemessen bezahlt werden“, so Eliasch.

Allerdings entsteht ein Kontrast zu Eliaschs Bekenntnis, was Nachhaltigkeit angeht. „Es ist wichtig darüber nachzudenken, wie man seinen CO2-Abdruck verringern kann. Wir unterstützen die Idee, klimapositiv zu werden“, gab er vor. Erreicht werden solle dies auch unter anderem die Reduzierung von Reisen, merkte er an.

Streit um Vermarktung

Beim Wachstum der Einnahmen soll noch ein weiteres Vorhaben helfen: Die Zentralvermarktung. Bisher liegen die Medien- und Fernsehrechte der Weltcups bei den austragenden Verbänden. Eliasch möchte diese bei der FIS zentralisieren. Diesen Plan bekräftigte er erneut.

Aktuell ist die Vermarktung allerdings in bestehenden Verträgen geregelt. Stefan Schwarzbach, Vorstandsmitglied beim DSV, hatte sich erst kürzlich im „Sports inside“ Podcast des WDR dazu geäußert: „Dass es grundsätzlich Sinn macht, über eine zentrale Vermarktung nachzudenken, haben wir mehrfach bestätigt.“ Er fügte aber an: „Wir sind nicht bereit, über die Rechteinhaberschaft zu diskutieren und wehren uns vehement dagegen, wenn uns mitgeteilt wird, dass die Rechte in Zukunft nicht mehr bei den nationalen Verbänden liegen, sondern quasi im Handstreichverfahren eingezogen werden.“ Aktuell laufen Gerichtsverfahren, die die Rechteinhaberschaft klären sollen.

Ein Statement von Eliasch zur Thematik kann daher durchaus als Kampfansage bewertet werden: „Die Frage ist nicht, ob es passiert, sondern wann.“ Selbst wenn also demnächst der Herbst einem Winter weicht und sich die Bäume im Ötztal nicht mehr in ihrem bunten, sondern im weißen Kleid präsentieren: Die stürmischen Zeiten in der FIS dürften anhalten.

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