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Freunde fürs Leben werden sie nicht mehr: Claus Vogt (links), Präsident des VfB Stuttgart, und Vorstandschef Thomas Hitzlsperger im Jahr 2019.
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Freunde fürs Leben werden sie nicht mehr: Claus Vogt (links), Präsident des VfB Stuttgart, und Vorstandschef Thomas Hitzlsperger im Jahr 2019.

Nach Datenskandal und Machtkampf

VfB Stuttgart: Annäherung auf Distanz

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Die lange tief zerstrittenen Bosse Thomas Hitzlsperger und Claus Vogt erklären sich gemeinsam und wollen beide langfristig weitermachen. Aber geht das gut?

Der Mindestabstand zur Pandemiebekämpfung, den die beiden Herren einhielten, passte ins Bild. Es herrscht nach wie vor eine gewisse Distanz zwischen Thomas Hitzlsperger und Claus Vogt. Vorstandschef und Präsident des VfB Stuttgart mühten sich bei einem virtuellen Pressegespräch mit unterschiedlichen Nuancen, eine Gemeinsamkeit zu dokumentieren, die vor allem Ex-Nationalspieler Hitzlsperger in der größten Krise des Traditionsklubs härter mit Füßen getreten hatte als einst den prächtigen Volleyschuss mit seiner linken Klebe in Richtung Titelgewinn 2007.

Vogt, 51, und Hitzlsperger, 38, sind am Montagnachmittag erstmals seit Ausbruch eines vom Ex-Profi initiierten beispiellosen Machtkampfes gemeinsam öffentlich aufgetreten. Vogt, der vom Kollegen Hitzlsperger in einem Offenen Brief zur Jahreswende heftig attackiert worden war („Der Profilierungswunsch eines Einzelnen bedroht die Existenz des ganzen Vereins“), gab sich dabei auffällig versöhnlich: „Ich freue mich, wenn ich im Juli wiedergewählt werde, Thomas weiter der Vorstandsvorsitzende ist und wir beide gemeinsam für den VfB zusammenarbeiten.“ Es gehe ihm auch darum, „nicht nachtragend zu sein“. Hitzlsperger hörte sich auf konkrete Nachfragen zurückhaltender an: „Wir wissen, was die Aufgaben sind, wir erledigen die Aufgaben“, Ein Klub könne auch funktionieren, „wenn sich zwei Leute nicht grün sind“.

Hitzlsperger hatte sich bei Vogt entschuldigt

Für seinen niveauarmen feindlichen Vorstoß gegen Vogt hatte er sich den geballten Zorn der Fanbasis eingehandelt und Mitte Januar bereits öffentlich entschuldigen müssen, kann aber aktuell den sportlichen Rückenwind einer funktionierenden Mannschaft in einem lange Zeit nicht funktionierenden Klub nutzen. Hitzlsperger ließ wissen, dass er seinen 2022 auslaufenden Vertrag sehr gern verlängern würde, „Ich möchte weiter bleiben und zwar lange."

Vogt hätte im Fall seiner zu erwartenden Wiederwahl bei der Mitgliederversammlung am 18. Juli als Chef des Aufsichtsrats großes Mitspracherecht für Hitzlspergers Zukunft und will dabei „persönliche Befindlichkeiten“ großmütig zurückstellen. Es ist in der Tat bemerkenswert, dass er Hitzlsperger nachsichtig die Hand reicht und diesem für dessen Beitrag zur Aufklärung in der sogenannten Datenaffäre gar einen „besonderen Dank“ aussprach, den Hitzlsperger prompt erwiderte.

Durch Datenskandal bis ins Mark erschüttert

Der Datenskandal hatte den VfB bis ins Mark erschüttert. Wegen einer „fahrlässigen Verletzung der datenschutzrechtlichen Rechenschaftspflicht“ war der Klub vergangene Woche mit einem Bußgeld von 300 000 Euro belangt worden. VfB-Mitarbeiter hatten in den Jahren 2016 bis 2018 Hunderttausende vertrauliche Daten von Mitgliedern an externe Dienstleister weitergereicht, unter anderem offenbar, um mit Social-Media-Marketing die im Sommer 2017 beschlossene Ausgliederung der Profiabteilung im Vorfeld manipulativ gegen erheblichen Widerstand voranzutreiben.

Für die Aufklärung haben die Schwaben zusätzlich zum Bußgeld mehrere hunderttausend Euro an Rechtsanwälte und Detekteien investieren müssen. Zwei Vorstände und zwei leitende Angestellte waren im Zuge der Affäre entlassen worden, zwei Präsidiumsmitglieder zudem zurückgetreten. Wegen der deshalb noch laufenden juristischen Auseinandersetzungen und des Persönlichkeitsschutzes können die pikanten Ergebnisse der Untersuchungen laut VfB nicht umfassend veröffentlicht werden. Zusätzlichen gerichtlichen Ärger will man sich damit ersparen.

Vogt bat „alle Mitglieder, Fans und Sponsoren inständig um Entschuldigung“, wiewohl er seinerzeit noch nicht in verantwortlicher Position stand. Der damalige Präsident Wolfgang Dietrich war 2019 zurückgetreten und hat dem Klub ein schweres Erbe hinterlassen. Hitzlsperger gehörte seit Sommer 2017 dem Dietrich-Präsidium an. Zuvor fungierte als Präsidiumsberater. Was den Zusammenhalt im Klub angeht, hat der opulent entlohnte Vorstandschef seitdem deutlich weniger erreicht als einst auf dem Fußballplatz. Die aktuelle sportliche Bilanz dient ebenso als Stütze wie die Nachsicht des Präsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden Vogt und die Unterstützung durch Ankerinvestor Daimler-Benz.

Waren Abstimmgeräte manipuliert?

In einer begleitenden Veröffentlichung auf der Homepage teilte der Klub am Montag mit, was zuletzt als Realsatire hatte empfunden werden müssen: „Der VfB Stuttgart will ein im besten Sinne schwäbisch korrekter, professioneller und sympathischer Verein sein.“ Zudem erklärte der aktuelle Überraschungs-Achte der Bundesliga, dass er die Ausgliederung seiner Profifußball-Abteilung aus dem Sommer 2017 trotz der Datenaffäre nicht rückgängig zu machen gedenke. „Alle Gremien stehen auch heute noch zu dieser Entscheidung“, so Vogt. Auch der Fanausschuss sehe das so: „Niemand will die Kämpfe noch einmal austragen.“

Konkrete Verdächtigungen, es habe zusätzlich zur Datenaffäre am Abend der Abstimmung Manipulationen an den Abstimmgeräten gegeben oder es seien zumindest mehrere tausend dieser Geräte bei der entscheidenden Abstimmung nicht funktionsfähig gewesen, konnten bislang nicht bewiesen werden.

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