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Vertrauen in die eigene Stärke

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Von: Günter Klein

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Hopps genommen: Philipp Kurashev (links) aus der Schweiz lässt Deutschlands Lukas Reichel auflaufen.
Hopps genommen: Philipp Kurashev (links) aus der Schweiz lässt Deutschlands Lukas Reichel auflaufen. © dpa

Deutsches Eishockeyteam trotz Schweiz-Pleite im WM-Viertelfinale

Vor 30 Jahren war Ludek Bukac deutscher Eishockey-Bundestrainer. Der Tscheche hinterließ kein bleibendes Werk, aber eine bis heute gültige Einschätzung des Modus, wie er bei Weltmeisterschaften üblich ist: „Das sind keine Playoffs, das ist Elimination“, umschrieb Bukac den Modus, mit dem ein Turnier, egal wie gut es in der Vorrunde gespielt wurde, in einem unglücklichen Viertel- oder Halbfinalmatch beendet werden kann. Auch 2022 ist dies angesagt. Sollte es am Donnerstag im Viertelfinale die deutsche Mannschaft erwischen, würden die Spieler ihre Köpfe gesenkt halten, wenn die Hymne des Gegners intoniert wird – trotzdem wäre die WM nicht als Misserfolg zu bewerten.

Die Erkenntnis, die jetzt schon gereift ist nach dem abschließenden Vorrundenspiel gegen die Schweiz (3:4 nach Penaltyschießen), und natürlich bestätigt würde, käme das deutsche Team noch eine Runde weiter: Toni Söderholm ist ein guter Trainer und eine starke Lösung für den Deutschen Eishockey-Bund. Die Bilanz des Finnen: 2019 eine starke Vorrunde, Viertelfinale. 2021 (das Jahr dazwischen war Corona): In einer komplizierten Vorrunde bestanden, Halbfinale, Spiel um Platz drei. 2022: Platz zwei in der Gruppe, 16 Punkte aus sieben Partien. Sicher, die Verbannung der russischen Mannschaft, die ein Gegner gewesen wäre, machte es etwas einfacher, doch souverän weitergekommen wären die Deutschen genauso.

Kritik an Schiedsrichtern

Zu 2022 gehört aber auch Olympia. Es war die große Enttäuschung für Söderholm. Mit der Zusammensetzung des Kaders für Peking war der Finne von seinen Prinzipien abgewichen, es schien so, als wolle er das Silber-2018-Konzept seiner Vorgängers Marco Sturm kopieren und folge nicht einer eigenen Idee. Es ging schief. Doch bei der Weltmeisterschaft ist Toni Söderholm wieder ganz bei sich. Seine Mannschaft ist klar konturiert, die Rollen sind zugewiesen, und der Finne hat es geschafft, dass jeder mit dem einverstanden ist, was er einbringen darf. „Eine ehrliche Kabine“, so Söderholms Begriff, entsteht nicht immer – ihm gelingt es oft.

Auch gegen die Schweiz spielten die Deutschen gutes Eishockey, lieferten dem Gruppensieger einen echten Fight. Gerade die Eidgenossen gingen mitunter überhart in die Duelle, was aus Sicht von Söderholm nicht ausreichend bestraft wurde von den Schiedsrichtern. „Katastrophale Entscheidungen. Da muss man nicht drüber diskutieren“, schimpfte er. Der Bundestrainer war insbesondere wegen gar nicht oder nur teilweise geahndeter Checks der Schweizer wütend. „Für mich komplett unverständlich“, wetterte er. „Das gehört nicht zum Sport. Wir reden hier über Checks, die nichts mit Respekt zu tun haben.“

Und doch hat Söderholm alles in allem mit seinen Mitteln als Trainer ausgleichen können, dass die Voraussetzungen fürs DEB-Team nicht die besten waren: mit zahlreichen Absagen, kurzer Vorbereitung und dem Ausfall von Supertalent Tim Stützle. Söderholm hat eine Stärke geweckt, mit der man in die Playoffs gehen kann. Pardon: die Elimination. mit sid

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