Es gibt viel zu tun: Skyliners-Cheftrainer Sebastian Gleim.
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Es gibt viel zu tun: Skyliners-Cheftrainer Sebastian Gleim.

Basketball-Bundesliga

Verkorkste Saison für Skyliners

  • Timur Tinç
    vonTimur Tinç
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Verletzungspech und Fehlplanungen - die Frankfurter Basketballer müssen sich für die kommende Saison unbedingt neu aufstellen.

Wenn die Frankfurt Skyliners am morgigen Abend (20.30 Uhr/live auf Sport1) das Parkett in der Münchener Arena betreten, geht es für sie um eines: „Sich gut zu präsentieren und mit vollem Einsatz zu spielen, damit man erhobenen Hauptes aus der Saison gehen kann“, sagte Marco Völler unmittelbar nach der 61:101-Klatsche im Viertelfinal-Hinspiel am Mittwoch gegen Ulm. Einen 40-Punkte-Rückstand werden sie gegen die bislang ungeschlagenen Schwaben im Finalturnier der Basketball-Bundesliga nicht aufholen, sondern das letzte Spiel einer unter dem Strich verkorksten Saison absolvieren.

Die Spielzeit war einmal mehr geprägt von großem Verletzungspech, aber auch einer Fehlplanung des Kaders. Der aus dem Nachwuchs beförderte Sebastian Gleim (36) musste sich im Sommer neben seinen neuen Aufgaben als Profi-Cheftrainer immer noch zu großen Teilen um das Nachwuchsprogramm der Hessen kümmern. Zudem fehlt seit Jahren ein Sportdirektor, der sich mit dem Trainerteam um die Kaderplanung kümmert. Der geschäftsführende Gesellschafter Gunnar Wöbke macht das in Personalunion neben vielen weiteren Aufgaben. In den vergangenen Jahren profitierten die Hessen von den Kontakten von Ex-Cheftrainer Gordon Herbert – wobei auch er zuletzt mehr daneben als richtig lag.

Wöbke hatte den Kader von Beginn an auf Kante genäht, nur fünf der möglichen sechs Ausländerpositionen besetzt. Trotzdem wurden die Playoffs als Ziel ausgerufen, doch von Beginn an steckten die Skyliners im Tabellenkeller fest. Die erste Hiobsbotschaft gab es bereits in der Sommervorbereitung, als klar war, dass Niklas Kiel nach seinen drei Gehirnerschütterungen nicht in der Lage sein wird, Basketball zu spielen. Eine Woche vor Saisonstart verletzte sich Spielmacher Anthony Hickey, in den Gleim große Hoffnungen für schnellen Angriffsbasketball gesetzt hatte. Sechs Wochen nach seiner Rückkehr wollte Hickey sich nicht in Geduld üben, sondern beanspruchte trotz schlechter Leistungen viel Spielzeit. Folgerichtig wurde der US-Amerikaner aus dem Vertrag entlassen.

Keine Perspektive in Sicht

Erst Anfang Dezember wurde Spielmacher Joe Rahon als Ersatz verpflichtet. Der war allerdings kein verlässlicher Punktesammler, den die Hessen dringend gebraucht hätten. Die gesamte Last im Angriff trug Lamont Jones (16,2 Punkte), der in den knappen Partien mehr Würfe vergab als traf. Im Dezember verletzten sich der Reihe nach Shaquille Hines, Akeem Vargas, Leon Kratzer. so dass Gleim nie der komplette Kader zur Verfügung stand.

Im Winter merkten die Skyliners dann, dass es mit Adam Waleskowski nicht mehr weitergeht. Der 37-jährige Deutsch-Amerikaner war nicht in der Lage, mehrere Minuten am Stück auf dem Parkett zu stehen und wurde im Tausch mit Darius Carter nach Göttingen abgegeben. Der verletzte sich nach einigen enttäuschenden Auftritten ebenfalls und fiel für den Rest der Saison aus. Als nicht mehr bundesligatauglich erwies sich auch Spielmacher Daniel Schmidt.

Mit der Coronavirus-Pandemie und der Unterbrechung der Saison änderte sich dann alles. Just in dieser Zeit kam auch die bittere Nachricht für die Skyliners, dass Langano, der aussichtsreichste Investor für den Bau der Multifunktionshalle am Kaiserlei, kein Angebot abgegeben hat. Nun verhandelt die Stadt Frankfurt mit der Anschütz-Gruppe. Die Chancen auf Erfolg sind jedoch gering. Bei einem endgültigen Scheitern der Gespräche gibt es für den Klub für die nächsten Jahre keine Zukunftsperspektive. Denn auch das andere Hallenprojekt „The Dome“ am Flughafen hat noch viele Hürden zu gehen, bis an eine Realisierung zu denken ist.

Die Skyliners werden sich überlegen müssen, wie sie mit ihren Mitteln das Optimum herausholen können. Sebastian Gleim wird Cheftrainer bleiben, dazu haben Quantez Robertson (bis 2021), Richard Freudenberg (bis 2022) sowie die jungen Talente Bruno Vrcic, Len Schoormann und Maximilian Begue einen Vertrag. Die ausländischen Profis werden wohl alle den Klub verlassen. Bei Akeem Vargas ist es ungewiss, Leon Kratzer würde man bestimmt gerne in Frankfurt halten. Die Frage ist: zu welchen Konditionen?

Die Preise auf dem Spielermarkt werden runtergehen, weil noch völlig unklar ist, wie, wann und wo gespielt wird und welche Etats die Klubs haben werden. „Unser Ziel ist es, alle Spiele mit Zuschauern zu spielen“, sagt Wöbke. Ein Saisonstart Ende Oktober, Anfang November wäre möglich, aber Wöbke wäre auch für eine Verschiebung wenn Zuschauer erst im Januar zugelassen werden könnten. Ohne Ticketeinnahmen wäre es für alle Klubs ein Minusgeschäft.

Das war bislang auch immer der Eurocup. Für den zweithöchsten europäischen Wettbewerb haben die Hessen ein Startrecht gemeinsam mit dem heutigen Gegner Ulm erhalten – und das, obwohl sie nur 14. der regulären Spielzeit geworden sind.

Heute werden die Skyliners nochmal zeigen wollen, dass sie guten Basketball spielen können, wenn sie sich voll reinhauen.

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