Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Kommentar

Olympia 2021: Das deutsche Lager verharmlost Rassismus

  • Daniel Schmitt
    VonDaniel Schmitt
    schließen

Erst leistet sich Patrick Moster bei Olympia 2021 einen rassistischen Ausfall. Dann handelt der DOSB viel zu spät. Ein Kommentar.

Tokio - Natürlich haben die betroffenen Entscheider des deutschen Olympia-Sports im Nachgang tadelnde Worte gefunden, sie haben zum Beispiel von einer „Entgleisung“ (DOSB-Präsident Alfons Hörmann) gesprochen, oder auch von einer „nicht akzeptablen“ Aussage (BDR-Präsident Rudolf Scharping). Das ist selbstverständlich richtig, einerseits. Andererseits hätten die Reaktionen deutlich härter ausfallen müssen.

Worum es geht: Patrick Moster, langjähriger Radsportfunktionär, feuerte am Mittwoch beim olympischen Einzelzeitfahren der Männer den deutschen Athleten Nikias Arndt mit den Worten „Hol‘ die Kameltreiber, hol’ die Kameltreiber, komm“ an. Gemeint waren die vor Arndt radelnden Azzedine Lagab (Algerien) und Amanuel Ghebreigzabhier (Eritrea).

Olympia 2021: Patrick Moster entschuldigt sich für rassistische Äußerung

Eine rassistische Äußerung, ohne Wenn und Aber, für die sich Moster hinterher entschuldigte und beteuerte, eben kein Rassist zu sein. Auch der DOSB argumentierte noch am Mittwoch in eine ähnliche Stoßrichtung, schließlich habe der Sportdirektor überzeugend darlegen können, dass seine Entschuldigung „aufrichtig“ sei.

Wenig später erfuhr man dann, was in Patrick Mosters (links) Kopf vorging, als der Algerier Azzedine Lagab am deutschen Sportdirektor vorbeifuhr.

Das mag stimmen, in Gänze sollte sicher nicht über die Welt- und Werteanschauung Mosters aufgrund dieser einen einzigen Aussage, dieser zehn Sekunden langen im Fernsehen festgehaltenen Sequenz, geurteilt werden, das wäre unfair. Natürlich besitzt auch der 54-Jährige das Recht auf Fehler, wenn darauf Besserung folgt. Fakt aber bleibt: In eben jenem Moment an der Strecke verhielt er sich rassistisch. Punkt. Aus. Ende.

DOSB und BDR ziehen Patrick Moster von den Olympischen Spielen ab

Insofern war es alternativlos, dass sich DOSB und BDR dazu entschieden, den Sportdirektor von den Olympischen Spielen in Tokio abzuziehen und ihn nach Hause zu schicken. Er selbst, also Moster, hatte in seiner Büßerrede ja noch absurderweise erklärt, die am Montag beginnenden Bahnradwettbewerbe gerne live vor Ort begleiten zu wollen, schließlich sei er wichtig fürs Team. Es wäre ein fatales Signal gewesen. Ebenso fatal wie das Zögern von Alfons Hörmann und manch Kollegen.

Die Erklärung des deutschen Delegationsleiters in Tokio, erst mit einem Tag Verspätung konsequent reagiert zu haben, um auf keinen Fall in einer Hauruckaktion überstürzt zu handeln, ist eine Rechtfertigung mit fadem Beigeschmack. Bei solch einer rassistischen Aussage gibt es keinen Spielraum. Entschuldigung hin, Entschuldigung her. Sofortiges Handeln wäre nötig gewesen als Zeichen der Solidarität mit den Betroffenen – und nicht erst dann, wenn Druck und Empörung von außen größer werden. So ist nicht nur die rassistische Aussage selbst ein Skandal, sondern auch deren Aufarbeitung. Sie verharmlost einen Vorfall, der nicht verharmlost werden sollte. (Daniel Schmitt)

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare